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Pfiffe und Buh-Rufe

01.06.2007 | Geschlossen haben sich Gemeinden und Initiativen im Parlament gegen die geplante Starkstromleitung durch den Thüringer Wald positioniert - und eine eigene Untersuchung angekündigt.

ERFURT. Aufsehen erregen. Das war ein Ziel der Bürgerinitiativen aus Südthüringen - und es gelang. Rund 400 Menschen reisten mit Sonderbussen nach Erfurt, gingen geschlossen zum Landtag und stauten sich dort am Eingang. Ihre Plakate mussten sie einrollen, die Plaketten - die durchgestrichene Strommasten zeigen - mit Besucherschildchen tauschen.

Auch Bürgermeister und Landräte kamen zur Anhörung, um ihre Ablehnung der 380-Kilovolt-Trasse kundzutun. Immer wieder stellten sie die Notwendigkeit des Projektes in Frage, das angeblich den Windradstrom von Nord- nach Süddeutschland transportieren soll. Auch die Kritik war stets die gleiche: Die Naturschutzgebiete würden mit der hundert Meter breiten Schneise und den 70 Meter hohen Masten gefährdet, das gelte auch für Zug- und Brutvögel, den Tourismus und die Gesundheit der Anwohner.

Strittig waren nur die Lösungsvorschläge. Während etwa Benno Kaufhold (CDU) als Landrat des Ilmkreises eine Erdverkabelung für sensible Stellen forderte, sprach er sich als Vorsitzender des Naturparks Thüringer Wald für einen Tunnel aus - und löste damit Verwirrung aus. Nicht nur wegen der unterschiedlichen Positionen, sondern weil als Vorbild der österreichische Partner-Naturpark Riedingtal im Lungau genannt wurde. Dort würde eine 310-KV-Leitung durch einen Tunnel verlaufen. Stimmt nicht, entgegnete der Vertreter von Vattenfall: Es handelte sich um eine 110-KV-Leitung. Da wurde es plötzlich ruhig.

Überhaupt ging es trotz aller Emotionen gesittet zu. Nur einmal mussten die Bürgerinitiativen zur Ordnung gerufen werden: Als der CDU-Abgeordnete Siegfried Wetzel ihren Thüringer Wald als reinen Wirtschaftsforst bezeichnete, quittierten sie das mit Pfiffen und Buh-Rufen.

Sowieso vertritt Wetzel nicht die Fraktionsmeinung - denn die ist geteilt. Während Bauminister Andreas Trautvetter sich bislang der Trasse zumindest nicht entgegenstellt, hatte jüngst Fraktionschefin Christine Lieberknecht ihre Abneigung deutlich formuliert und eine "umfassende Prüfung" verlangt.

Auch die Kommunen forderten gestern ein unabhängiges Gutachten. Zur Not, hieß es, würden sie es selbst in Auftrag geben.

Von Alexander DEL REGNO

Quelle Thüringer Allgemeine vom 01.06.2007 

 

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