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Nun doch: Schneise für den Stromhandel

01.06.2007 | Statt einer neuen Stromleitung durch den Thüringer Wald könnte die Trasse zwischen Vieselbach und Redwitz aufgerüstet werden, meinen hiesige Experten. Die Energiekonzerne halten an ihren Bauplänen fest - Vattenfall begründet dies nun auch offiziell mit dem Stromhandel. Zur Anhörung im Landtag treffen heute beide Seiten aufeinander.

ILMKREIS. Eine Schneise in der Landschaft ist besser als zwei. Sagen die Gegner der von Vattenfall Europe Transmission und der Eon Netz GmbH geplanten Hochspannungsleitung durch den Thüringer Wald - und verweisen auf die bestehende Stromleitung zwischen Vieselbach und Remptendorf (in Vattenfall-Hand) sowie Remptendorf und Redwitz (in Eon-Hand). Zwei Stromsysteme tragen die Masten dort derzeit - auf vier aufzurüsten ist die Trasse nicht ohne Weiteres. Aber neue Masten könnte man für vier Systeme bauen, das wäre ausreichend für genügend Transportkapazitäten, erklärt Wolfgang Trommer, der als Elektrotechniker die Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung" (IG) berät. IG-Mitglied Klaus Bergmann ergänzt: "Uns geht es nicht um ein Wegschieben, aber vorhandene Systeme sollten erst so weit es geht ertüchtigt werden, bevor an eine Durchquerung des Thüringer Waldes gedacht wird."Doch Vattenfall Europe Transmission winkt ab: "Die Leitung müsste während des Baus abgeschalten werden, es gibt keine Reserven, um die Versorgung sicherzustellen", sagt Generalmanager Wilfried Fischer. Der bayerische Elekrotechniker Reinhard Ehrlich kontert: "Pauschal zu sagen, das geht nicht, reicht nicht. Unabhängige Fachleute sollten das prüfen." IG-Experte Trommer ist überzeugt: Wird der Abschnitt Redwitz-Remptendorf gebaut, kann das Pumpspeicherkraftwerk Goldisthal weiter die Leitung Remptendorf-Vieselbach nutzen. Steht der Abschnitt Vieselbach-Remptendorf an, müsste der Vattenfall-Konzern als Betreiber des Kraftwerks vorübergehend auf Eon-Leitungen in Bayern oder Hessen ausweichen: Der Strom könnte dann auf der Strecke Bayern-Tschechien-Sachsen transportiert werden. Zudem gäbe es den westlichen Ring von Vieselbach über Mecklar nach Redwitz. "Vattenfall und Eon müssen eng zusammenarbeiten, sonst braucht man über Ersatzschaltungen nicht zu reden", so Trommer. Zudem stellt er klar: Durch eine vorübergehende Umleitung würde kein Kunde abgekoppelt, da die Versorgung über Niedrigspannungsnetze erfolgt - 380-kV-Leitungen bilden allein das Transportnetz.Anja Charles-de-Beaulieu, Sprecherin der Eon Netz GmbH, hält einen Neubau der Trasse Vieselbach-Redwitz für "theoretisch technisch machbar", ins Auge gefasst werde ein solcher aber nicht: "Sind die Leitungen getrennt, ist das technisch besser. Es ist eine Frage der netztechnischen Berechnung. Wir planen für unser Gebiet optimal, Vattenfall plant für sich optimal." Genaueres war nicht zu erfahren.Aus Sicht von Reinhard Ehrlich hat die Leitung durch den Thüringer Wald für Vattenfall vor allem Bedeutung "im Hinblick auf das Pumpspeicherkraftwerk in Goldisthal". Wer freie Leitungskapazitäten habe, könne sie nutzen, um billigen Strom zu kaufen, in Goldisthal zu speichern und später teurer zu verkaufen.Großbreitenbachs Bürgermeisterin Petra Enders (Linkspartei) wird angesichts der Netzausbaupläne noch deutlicher: "Hier denkt jeder Konzern an sich; je mehr Strom durch ihre Netze fließt, umso mehr Geld verdienen die Konzerne."

Vattenfall-Netzsparten-Generalmanager Fischer erklärt dazu, "natürlich wird die neue Leitung auch für den Stromtransport von und nach Goldisthal genutzt". Noch vor einigen Monaten war der Leitungsbau vor allem mit dem nötigen Windstromtransport von Nord- und Ostsee in den Süden begründet worden.

Nun aber heißt das Argument auch bei Vattenfall ganz offiziell Stromhandel: "Jeder will doch billigeren Strom. Soll er eine Handelsware sein, müssen Transportwege her", so Fischer.

Kristin KAISER

Quelle Thüringer Allgemeine vom 01.06.2007

 

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