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Eon pocht in Bayern auf den Bau der 380-kV-Trasse

21.03.2007 | Während die Stromkonzerne in Thüringen und Bayern offenbar ihr Vorgehen im Fall der geplanten Hochspannungsleitung abstimmen, tun sich die Genehmigungsbehörden in beiden Ländern noch schwer damit. Das hat das Vorpreschen der für den bayerischen Teil zuständigen Eon Netz gestern gezeigt.

BAYREUTH/ERFURT – Der Stromkonzern machte erneut einzig die in Norddeutschland überreichlich vorhandene Windenergie für den Bau der Leitung verantwortlich: „Ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetz müssten wir nicht über die neue Stromleitung reden“, sagte Eon-Projektleiter Reinhold Kliegel. Die Bundesregierung wolle bis zum Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion auf 20 Prozent ausweiten – und irgendwie müsse dieser Strom vom windreichen Norden und Nordosten in den industriereichen Süden und Südwesten Deutschlands transportiert werden, hieß es von Seiten des Stromkonzerns. Christian Schneller, Leiter des Geschäftsführungsbüros der Eon Netz, ergänzte, „diese Leitung entspringt nicht unternehmerischer Willkür, sondern gesetzlicher Verpflichtung im Rahmen des Klimaschutzes“. Wer diesen wolle, müsse Farbe bekennen – auch, wenn dafür eine neue Stromleitung notwendig sei.

Verfahren ab April

Die geplante 380-Kilovolt-Trasse soll eine Verbindung aus dem Raum Halle/Saale nach Schweinfurt herstellen. In Thüringen ist geplant, sie über die Umspannwerke Erfurt-Vieselbach und Altenfeld (Ilmkreis) anzuschließen und sie schließlich in Bayern am Umspannwerk Redwitz (Landkreis Lichtenfels) auf eine bestehende Leitung treffen zu lassen. Vor allem die für diese Trasse nötige 70 bis 80 Meter breite Schneise quer durch den Thüringer Wald stößt auf heftigen Protest.

Während für den Abschnitt Erfurt-Altenfeld bereits das Raumordnungsverfahren läuft, steht diese Genehmigungsphase für das südlichere Teilstück noch aus. „In den nächsten Wochen“ sollten die Unterlagen bei den Genehmigungsbehörden eingereicht werden, sagte Wolfgang Neldner vom Stromkonzern Vattenfall, der für den Thüringer Abschnitt der Leitung zuständig ist. Damit arbeitet Vattenfall offenbar zeitlich parallel mit Eon in Bayern. Auch dort soll – wie gestern bekannt wurde – das Raumordnungsverfahren Ende April bei der Regierung von Oberfranken eingeleitet werden. Grund dafür ist, dass in beiden Freistaaten verschiedene Streckenvarianten geprüft werden, die auch unterschiedliche Übergabepunkte an der Landesgrenze erfordern.

Gegenüber solcher Kooperation sind aus Bayern bislang keine offiziellen Zweifel an der Notwendigkeit der Trasse laut geworden. Dafür hat aber die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag Klärungsbedarf angemeldet und will per Gutachten prüfen lassen, ob es tatsächlich so viel Strom aus Windkraft geben wird, dass diese Stromtrasse nötig wird.

„Kein Atomstrom“

Die Stromkonzerne jedenfalls widersprechen energisch der Befürchtung von Trassengegnern, die Windenergie sei nur vorgeschoben, vielmehr solle vielleicht sogar billiger Atomstrom aus Osteuropa auf diese Weise ins deutsche Netz fließen. „Dazu ist die Leitung nicht da. Wenn wir das wollten, würde unser Netz ganz anders aussehen“, erklärte gestern Eon-Projektleiter Kliegel. Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass erneuerbare Energien stehts Vorfahrt vor konventionell mit Kohle oder Kernkraft erzeugtem Strom haben müssten.

Die Erdverkabelung, die Bürgerinitiativen in Bayern und Thüringen fordern, wird von den Stromkonzernen weiter abgelehnt. Sie sei geprüft worden, aber nicht zu verantworten. Sie sei etwa drei- bis fünfmal so teuer wie eine Freileitung und könne nicht wirtschaftlich betrieben werden, erklärten die Eon-Vertreter in Bayreuth. Zudem sei die Verkabelung bei 380-kV-Systemen nicht Stand der Technik. Es existierten nur wenige solcher Anlagen auf kurzen Strecken in Großstädten wie Berlin, die teilweise in aufwändig erstellten Tunneln verliefen. Diese Technik sei für die insgesamt 60 Kilometer lange Überlandleitung Altenfeld-Redwitz, die auf 25 Kilometern Länge auf bayerischem Gebiet verläuft, nicht anwendbar. (wb/jwe)

Quelle Freies Wort vom 21.03.2007


 

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