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Strommasten im Tunnel verstecken?

25.05.2007 | Landschaftspfleger gegen Hochspannungstrasse. Geht es nach Florian Meusel, ehrenamtlicher Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes und Geschäftsführer des Naturparks Thüringer Wald, dann soll die geplante Hochspannungsleitung am Rennsteig nicht zu sehen sein: Sie soll in einem Tunnel verschwinden.

SCHÖNBRUNN – Der Landschaftspflegeverband Thüringer Wald e.V. traf sich in dieser Woche zur Mitgliederversammlung in Schönbrunn. Dabei wurde auch die geplante Hochspannungstrasse durch Thüringen diskutiert. Florian Meusel brachte anschließend in der Redaktion mit deutlichen Worten die Meinung des Verbandes auf den Punkt: „Wir fordern eine Tunnel-Lösung!“.

Die Begründung klingt ebenso einfach wie einleuchtend: „In den vergangenen Jahren wurde der Thüringer Wald durch viele Großprojekte zerschnitten, wie die Autobahnen A71 und A 73 oder die ICE-Strecke. Wenn Autos und Züge im Tunnel verschwinden, kann man es mit der Hochspannungsleitung genauso machen.“

Eigentlich ist er grundsätzlich gegen diese Stromtrasse, das lässt Florian Meusel durchblicken. In den 16 Jahren seiner Amtstätigkeit habe er erkennen müssen, dass alle Großprojekte im Thüringer Wald realisiert wurden – trotz Widerstand aus den Reihen des Naturparks. Zum Beispiel das Pumpspeicherwerk Goldisthal oder die Talsperre Leibis. „Doch bei diesen Großprojekten habe ich den Widerstand vermisst. Da hat sich niemand gerührt“, sagt Meusel und freut sich über die neugegründeten Bürgerinitiativen gegen die 380-kV-Leitung: „Die Leute engagieren sich wieder für ihre Heimat“, stellt er erfreut fest.

Die Stromleitungen werden so oder so verlegt, dass weiß Meusel. Das Hin- und Herschieben der verschiedenen Varianten auf dem Reißbrett lehnt er ab, denn „...es trifft sowieso irgendwie immer das Grüne Herz.“ Doch eine sichtbare Schneise durch den Thüringer Wald kommt für ihn nicht in Frage. Allein schon wegen der Einbußen für den Tourismus. „Überlegen Sie doch mal: Die Hotels oder Pensionen direkt im Sichtfeld der Trasse sind unwiederbringlich am Ende!“ meint der Verbandschef.

Meusel nennt den österreichischen Naturpark Riedingtal, mit dem den Naturpark Thüringer Wald eine Partnerschaft verbindet als gutes Beispiel dafür, wie es auch anders geht – eine Hochspannungsleitung wurde dort in einen Tunnel verlegt, ohne Beeinträchtigung der Natur.

Sollte Vattenfall die Trasse mit Strommasten durch den Naturpark wirklich errichten dürfen, dann wird es später noch viele Nachahmer geben, ist sich Meusel sicher. Manch anderes Großprojekt im Wald würde sich dann nicht mehr verweigern lassen. „Außerdem wollen wir signalisieren: Wir lassen unseren Thüringer Wald nicht kaputt machen!“

Bis Ende dieser Woche wird eine Stellungnahme erarbeitet, die dem Thüringer Landtag zur Anhörung am 31. Mai vorgelegt werden soll. „Eine klare Forderung der Vorstandsmitglieder, eine massive, gebündelte Meinung“, zeigt sich Meusel entschlossen und unterstreicht: „Wenn nicht uns, wen soll der Landtag sonst ernst nehmen?“

VON UWE APPELFELLER
Quelle Freies Wort vom 25.05.2007

 

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