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Naturpark-Vorsitzender über die geplante 380-kV-Stromtrasse

28.04.2007 | Benno Kaufhold: „Das ist eine Machtprobe“ Der Streit um die geplante Stromtrasse durch den Thüringer Wald geht in die nächste Runde. Benno Kaufhold (CDU) ist von dem Projekt nicht nur als Ilmkreis-Landrat und Vorsitzender der Regionalen Planungsgemeinschaft Mittelthüringen betroffen, sondern auch als Vorsitzender des Naturparks Thüringer Wald. 

Herr Kaufhold, wie sehen Sie als Vorsitzender des Verbandes Naturpark Thüringer Wald die Entscheidung des Landesverwaltungsamtes?

Benno Kaufhold: Der jetzige Planungsstand erfüllt den Verband Naturpark Thüringer Wald mit sehr großen Sorgen. Vorstand und Mitglieder können die geplante Stromtrasse nur als erheblichen Eingriff in die Landschaft sehen. Die Trasse konterkariert die Aufgaben, die uns die Naturparkverordnung überträgt. Dazu gehört etwa touristische Entwicklungs- und Erschließungskonzepte zu erarbeiten oder Projekte umzusetzen zur Förderung der Vermarktung regionaler Produkte, Strukturentwicklung ländlicher Regionen und Tourismus.

Sie sind in mehreren Funktionen von dem Projekt betroffen. Sehen Sie es auch unterschiedlich?

B. Kaufhold: Nein, ich habe hier kein gespaltenes Personenverhältnis. Ich nehme nur andere Aufträge wahr. Was mich immer wieder ärgert, ist dass nicht wirklich ernsthaft die alternative Erdverkabelung in Betracht gezogen wird. Das finanzielle Argument ist ein Scheinargument. Auch das der Notwendigkeit für den Windstrom halte ich für ein Scheinargument. Das ist für mich eine Machtprobe von Vattenfall in Thüringen.

Welche Folgen wird die Trasse für Natur und Landschaft haben?

B. Kaufhold: Die Folgen für Natur und Landschaft sind katastrophal für das Grüne Herz. Für naturverträgliche Tourismusangebote, wie etwa den Rennsteig, ist eine ungestörte landschaftliche Attraktivität unbedingt notwendig. Der Naturpark hat schon Talsperren, Pumpspeicherwerk, Autobahnen und ICE-Trasse verkraften müssen. Jeder weitere Großeingriff übersteigt das Maß des Erträglichen. Eines der letzten größeren Waldgebiete, zwischen Masserberg und Friedrichshöhe, wird durch die ICE-Strecke schon beeinträchtigt. Freileitungen mit überdimensionierten Masthöhen überprägen das Landschaftsbild negativ.

Aufgabe des Naturparks ist auch eine nachhaltige Tourismusentwicklung...

B. Kaufhold: Angesichts ohnehin sinkender Gästezahlen im Thüringer Wald aufgrund vielfältiger Ursachen ist jeder weitere Imageschwächung unerwünscht. Der schrumpfende Kundenstamm, wechselnde Trends und unnötige Negativschlagzeilen haben dem Thüringer Wald schon genug zugesetzt. Ein weitere technische Ursache für den drohenden Infarkt braucht keiner. Wir haben uns bei der Wanderung der Landräte über den Rennsteig von Masserberg nach Friedrichshöhe davon überzeugen können, dass die geplante Trasse in diesem Gebiet unsinnig und touristisch unmöglich ist. Es ist auch keine Lösung, auf dem Reißbrett den Trassenverlauf hin und her zu schieben – das Grüne Herz trifft es immer! Wir brauchen nach „Kyrill“ keine weitere Negativdiskussion für den Tourismus im Thüringer Wald.

Wird der Naturpark als Träger öffentlicher Belange Stellung nehmen im Verfahren?

B. Kaufhold: Bei der nächsten Vorstandssitzung werden wir das Thema besprechen. Wir werden eine Stellungnahme abgeben und dann das Ergebnis des Landesverwaltungsamtes abwarten. Auch bei der Vorstandssitzung im Regionalverbund möchte ich eine Stellungnahme erreichen.

Was können Sie erreichen?

B. Kaufhold: Die Proteste werden größer werden. Ob sie ausreichen werden, die Trasse infrage zu stellen, bezweifle ich. Aber kämpfen werde ich darum, in welcher Form sie kommt. Zumindest für den empfindlichen Teil, vor allem die Kammlagen möchte ich eine Erdverkabelung. Mich interessiert der materielle Aufwand gar nicht, sondern welche Variante am wenigsten Schaden anrichtet. Und dann bleibt die Frage, welche Ausgleichsmaßnahmen zu realisieren sind. Das kann ein Naturpark besser als eine kleine Gemeinde.

INTERVIEW: KARIN DÜCHS

Quelle Freies Wort vom 28.04.2007

 

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