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Verbitterte Trassengegner

04.05.2007 | Am 31. Mai soll es im Landtag eine ganztägige öffentliche Anhörung zur 380-kV-Trasse geben, die Vattenfall auch durch den Thüringer Wald bauen will. Die Fraktionen haben sich darauf geeinigt, mehr als drei Dutzend Leute zu Wort kommen zu lassen. Ob die Stromleitung überhaupt sein muss und ob im Falle des Falls ein Erdkabel zu verlegen ist, soll weiterhin geprüft werden, heißt es aus dem Bauministerium.

ERFURT/ILMKREIS. Das "Ja" zur Planung einer Westtrasse wegen einiger Bündelungseffekte stößt den Gegnern der geplanten Starkstromleitung bitter auf. "In einer durch Autobahn und ICE vorgeschädigten Landschaft kommt es also nicht mehr auf eine weitere Schädigung an", schlussfolgert Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel (FWG). Auch dieser Aspekt soll am 31. Mai zur Sprache kommen - neben reichlich Für und Wider. Das Schlussplädoyer ist dem Bundesverband WindEnergie aus Osnabrück vorbehalten. Es wird wohl Abend werden, wenn dieses gehalten wird. Denn auf der Liste der zu Wort Kommenden bei der Anhörung im Landtag stehen mehr als drei Dutzend Leute: Lokalpolitiker und Wissenschaftler ebenso wie Vertreter der Bürgerinitiativen gegen die Trasse, Vertreter von Naturschutz- und Tourismusverbänden, vom Verband der Elektrizitätswirtschaft, der Bundesnetzagentur und der Deutschen Netzagentur (dena). Beginn ist 9 Uhr.

Das Raumordnungsverfahren für den Abschnitt Vieselbach - Altenfeld wurde Anfang April zwar abgeschlossen, doch ist damit noch längst nicht alles geklärt, betont das Thüringer Bauministerium. So soll auch im Planfeststellungsverfahren die Frage der Notwendigkeit noch einmal auf den Tisch - nachdem das Wirtschaftsministerium diese mit Verweis auf die dena-Netzstudie im Sommer 2006 schon einmal bejaht hatte. "Es ist nicht so, dass wir einen Schritt gegangen sind und nun feststellen, dass wir den vorherigen vergessen haben", erklärte der zuständige Abteilungsleiter Olaf Langlotz. Vielmehr müsse die Notwendigkeit immer wieder neu beurteilt werden - wegen sich ändernder Rahmenbedingungen. Langlotz verweist etwa auf das in der aktuellen Klimadebatte geforderte Energiesparen wie auch auf die um Jahre verzögerte Entwicklung der Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee. Die dena-Netzstudie war für dieses Jahr von 476 Megawatt installierter Offshore-Leistung ausgegangen, doch nur zwei Testanlagen sind derzeit realisiert. "Wir müssen die Frage stellen, ob die Prognosen stimmen", so Langlotz.

Anfang April gab das Landesverwaltungsamt Weimar Vattenfall grünes Licht, eine Freileitung von Vieselbach nach Altenfeld planen zu können. Gleichwohl soll es nach wie vor möglich sein, eine Baugenehmigung zu versagen, wenn kein Erdkabel in sensiblen Bereichen verlegt wird. Auch dies sei kein Widerspruch zum Raumordnungsverfahren - das Planfeststellungsverfahren müsse angesichts der technischen Entwicklung und damit sinkender Kosten einer Erdverkabelung "offen sein im Hinblick auf die technische Ausgestaltung", so Langlotz. Es sei wie bei jemandem, der durstig ist und Orangensaft begehrt: Wenn es nur Wasser gibt, nimmt er lieber dieses, als zu verdursten. Vattenfall Europe Transmission hält ungeachtet dessen weiter an einer Freileitung durch Thüringen fest, zwischen Vieselbach und Altenfeld soll noch nächstes Jahr Strom durchfließen. "Wir stehen vor technischen als auch organisatorischen und finanziellen Herausforderungen", erklärte Generalmanager Wilfried Fischer mit Blick auf die 16 Auflagen des Landesverwaltungsamts. Überlegt werde beispielsweise über umfangreiche Hubschraubereinsätze zur Montage, um Ressourcen zu schonen.Verständnis oder gar Mitleid kommt bei den Trassengegnern nicht auf - eher im Gegenteil: "Wenn ich von Vattenfalls Zeitplan höre, habe ich das Gefühl, dass man uns überfahren will, anstatt mit uns gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen", meint Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel.

Quelle Thüringer Allgemeine vom 04.05.2007

 

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