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Kommunalpolitiker lehnen Vattenfall-Planung ab

19.04.2007 | MASSERBERG – Auf dem Rennsteig von Masserberg nach Friedrichshöhe - das bedeutete für die Landräte und weitere Kommunalpolitiker aus Süd-, West- und Ostthüringen eine Wanderung durch ein intaktes Waldgebiet, das es in dieser Form möglicherweise so nicht mehr lange geben wird.

Denn sollten die Vattenfall-Pläne Wirklichkeit werden, dann wird eine Trasse mit riesigen Strommasten dieses Terrain durchschneiden.

Als die etwa 20-köpfige Wandergruppe kürzlich zur sechsten Etappe der Rennsteigbegehung startete, führte sie der Prolog erst einmal in luftige Höhe: Vom Plateau der Masserberger Turmbaude auf dem 841 Meter hohen Eselsberg aus hatten die Politiker und Vereinsrepräsentanten einen imposanten Rundblick. Doch das Panorama bei bester Fernsicht zu genießen, war Nebensache. Denn aus der Vogelperspektive ließ sich erahnen, welches Bild sich Touristen und Einheimischen hier bieten wird, wenn die berüchtigte 380 Kilovolt-Stromleitung tatsächlich gebaut wird. „Das wäre eine Zumutung für die Region und ein gewaltiger Einschnitt in die Natur, den wir verhindern müssen“, sagte der Hildburghäuser Landrat Thomas Müller, während Christian Ernst, fachkundiger Wanderleiter aus Masserberg, Müllers Amtskollegen den möglichen Trassenverlauf durch ein geschlossenes Waldgebiet erläuterte. Masserbergs Bürgermeister Friedel Hablitzel merkte an, dass mit den Baustraßen, Brücken und Tunneln der ICE-Trasse hier ohnehin eine Menge Natur beschädigt wird.

Kyrill-Folgen beseitigt

Und Ilmkreis-Landrat Benno Kaufhold zeigte sich enttäuscht, dass Vattenfall die Möglichkeit einer Erdverkabelung für sensible Trassenteile nicht prüfen ließ. Für Gastgeber Müller, der neue alternative Trassenvarianten fordert, stellt sich indes das ganze Projekt als „fragwürdig dar, weil es den Energiekonzernen vordergründig darum geht, ihre Geschäfte an der Strombörse zu machen“.

Nach 155 Treppenstufen von der Aussichtsplattform der Turmbaude hinunter auf den sonnenüberfluteten Rennsteig war das Thema „Stromtrasse“ natürlich nicht vom Tisch, doch anderes rückte in den Vordergrund der acht Kilometer langen Rennsteig-Wanderung mit Abstecher zur Fehrenbacher Werraquelle. Etwa der Zustand des Kammwegs, dessen Begehbarkeit, die Beschilderung und die Verknüpfung von Projekten, die an Kreisgrenzen nicht enden dürfen. „Nachdem bei den ABM am Rennsteig ein Vakuum eingetreten ist, müssen die Anliegerkommunen und der Regionalverbund stärker zusammenarbeiten“, meinte Friedrich Krauser, 1. Beigeordneter im Wartburgkreis. Vordergründig gehe es nicht um Zertifizierung, sondern darum, den Weg in Schuss zu halten. „Die Maschinerie ist jetzt angelaufen, aber ohne Regionalverbund geht es nun einmal nicht“, erklärte Frank Roßner, Landrat im Saale-Orla-Kreis mit Blick auf dringend notwendige Arbeiten, die noch anfallen, nachdem die Folgen des Orkantiefs Kyrill weitgehend beseitigt sind.

Karten unzureichend

Den Rennsteig gemeinsam besser zu vermarkten und dessen Bekanntheitsgrad zu steigern, gilt als wichtigste Prämisse der Prominenten-Wanderung, die im November in Eisenach begonnen hatte und nach Blankenstein führt. Dabei ist nach Ansicht der Teilnehmer das Kartenmaterial nicht ausreichend. „Fremde finden sich nur schwerlich zurecht, wissen nicht, wo sie sind“, monierte Ralf Luther, Landrat im Kreis Schmalkalden-Meiningen. Auch die Gestaltung der Wegweiser in neugotischer Schrift erscheint manchem als nachteilig, vor allem für Ausländer. Dass an der Eisfelder Ausspanne dem steinernen Denkmal die Platte mit dem „Schwarzburger Doppeladler“ seit dem zweiten Weltkrieg fehlt, fiel den Wanderern auch auf. Hier wolle der Landkreis Hildburghausen aktiv werden und ein neues Teil besorgen, versprach Landrat Müller. Gleich mehrere Landräte und Regionalverbund-Chef Thomas Seibt müssen hingegen aktiv werden, um das Projekt eines durchgängigen Loipen- und Skiwegenetzes vom Kleinen Inselsberg bis nach Wurzbach im Frankenwald zu installieren.

Thema Sport. Ins Blickfeld wird der Rennsteig heute in einem Monat rücken. Am 19. Mai findet der 35. GuthsMuts-Rennsteiglauf statt. Zum Jubiläum sind drei Hauptläufe und fünf Wanderungen ausgeschrieben. Bisher gebe es 11 848 Meldungen, teilte Harald König, Schatzmeister des Rennsteiglauf-Vereins, den Wanderern am Etappenziel in Friedrichshöhe mit. Sie kämen aus allen 16 deutschen Bundesländern sowie aus 16 Staaten. Prominenteste Starter seien Ministerpräsident Dieter Althaus und Biathlon-Olympiasiegerin Andrea Henkel.

1500 Helfer aus 30 Vereinen, darunter mit federführend die SG Rennsteig Masserberg, ständen bereit. König rechnet mit bis zu 40 000 Besuchern und damit acht Millionen Euro Umsatz in der Region.

Quelle Freies  Wort vom 19.04.2007

 

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