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Erster Schritt nach dem zweiten

24.04.2007 | Die Thüringer Landesregierung hat eingeräumt, dass die Notwendigkeit der von Vattenfall geplanten 380-kV-Leitung noch nicht geklärt ist. Und Erdkabel statt Leitungsmasten in der Landschaft erscheinen möglicher denn je. Unabhängig davon will der Energiekonzern bis spätestens Jahresende die Baupläne für den Abschnitt Vieselbach-Altenfeld vorlegen.

ILMKREIS. Alles scheint wieder möglich. "Die energiewirtschaftliche Notwendigkeit der Hochspannungsleitung wird im Planfeststellungsverfahren geprüft", ist plötzlich aus dem Thüringer Verkehrsministerium zu hören. "Das erste Mal wird dies so deutlich gesagt", reagierte gestern Dagmar Becker, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.Gebetsmühlenartig hatte das Landesverwaltungsamt bislang betont, dass es im Raumordnungsverfahren für den Abschnitt zwischen Vieselbach und Altenfeld nicht um das Ob, sondern um das Wie einer 380-kV-Trasse geht. Auch das Trautvetter-Ministerium hielt an der Notwendigkeit der Trasse fest - mit Verweis auf das Thüringer Wirtschaftsministerium und die dena-Netzstudie , auf den angestrebten europaweiten Stromhandel und den Bau der Windräder in Nord- und Ostsee. Nun also soll die erste Frage nach dem Ob im zweiten Verfahren in Weimar Thema sein.

Das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Vieselbach-Altenfeld ist noch nicht eröffnet, bis zum vierten Quartal will Vattenfall Europe Transmission die nötigen Unterlagen in Weimar einreichen, erklärte Generalmanager Wilfried Fischer. Erst der Abschluss dieses Verfahrens käme einer Baugenehmigung gleich. Vattenfall will auch im Planfeststellungsverfahren an einer Freileitung zwischen Vieselbach und Altenfeld festhalten, das Landesverwaltungsamt kann also auch nur zu dieser prüfen.Allerdings scheint eine Hintertür für ein Erdkabel offen: "Es kann rechtlich möglich und denkbar sein, dass eine Genehmigung nur dann erteilt werden darf, wenn eine Erdverkabelung erfolgt", so Verkehrsminister Andreas Trautvetter in einer der TA vorliegenden Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Dagmar Becker. Die SPD-Landtagsabgeordnete schließt daraus: "Was Vattenfall macht, ist das eine. Wenn aber der Konzern Alternativen nicht berücksichtigt, kann die Genehmigung versagt werden."Hoffnung schöpft Becker außerdem aus der Tatsache, dass Vattenfall in seinen Unterlagen zum Raumordnungsverfahren für den Abschnitt ab Altenfeld "Aussagen darüber treffen soll, ob auf Teilstrecken mit sehr hoher Sensibilität eine Leitungsführung als Erdkabel möglich und sinnvoll ist", so Trautvetter. Dieses war noch für die ersten beiden Abschnitte nicht vorgesehen. "Wenn aber ab Altenfeld ein Erdkabel kommen sollte, halte ich es für politisch nicht machbar, über Erdkabel in den beiden anderen Abschnitten nicht nachzudenken", so Becker. Sie ist überzeugt, dass nun geprüft werden muss, ob ein Erdkabel eine Alternative für sensible Bereiche ist.

Schon seit Monaten kritisieren viele Südthüringer, dass eine Stromtrasse über Goldisthal und Masserberg ein Hochmoor und Vogelschutzgebiete schneiden würde, zudem den rund um Masserberg extrem wichtigen Tourismus gefährde. "Wer unter einer 380-kV-Trasse spazieren gehen will, kann auch in Düsseldorf oder Essen bleiben", meinte beispielsweise Masserbergs Beigeordneter Peter Koch.Den Antrag auf ein Raumordnungsverfahren von Altenfeld bis zur Landesgrenze will Vattenfall "in naher Zukunft, also im April, Mai oder Juni" stellen, so Generalmanager Fischer.
23.04.2007   Von Kristin KAISER

Quelle Thüringer Allgemeine vom 24.04.2007


 

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