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Umfrage unter Stromtrassegegnern

10.04.2007 | „Dürfen Sie das böse Wort schreiben?“ „Nein, mit dem Totschlagargument, der Strom müsse ja nur aus der Steckdose fließen und wupps, schon ist er im Haus – damit soll einem keiner mehr kommen!“

Sagt der Vater einer zünftigen vierköpfigen Oster-Tourenradler-Familie aus Ost-Bayern, der am Rande des Ilmradweges bei Kleinhettstedt gestern staunt, als er dort sogar Autokennzeichen aus dem Coburger Land entdeckt: Teilnehmer der Protestkundgebung. Damals, als es im bayerischen Wackersdorf gegen die WAA für atomare Brennstäbe ging, habe die Stromwirtschaft argumentiert, dass ohne Atomstrom die Lichter ausgehen, sagt seine Frau, als sie den vielen Transparenten und Reden entnimmt, dass es hier gegen den Höchspannungsttrassen-Bau geht, der Thüringer und Bayern durch Planungen... und den Protest verbindet. An die vier Jahre währenden Ausnahmezustände ab 1985 vor dem stacheldrahtbewehrten Bauzaun zur Wiederaufbereitungsanlage (WAA), erinnerte der gestrige Sternmarsch im mittleren Ilmtal nicht: Keine bürgerkriegsähnlichen Zustände, großes Polizeiaufgebot nur zur Verkehrssicherung.

Und doch gab es einen Bezug zu Wackersdorf: Auch dort wehrte sich zuerst die „normale unpolitische“, Wohnbevölkerung. Freies Wort fragte Demonstranten, warum sie zu Ostern auf die Straße gehen:

Andreas Gortan, aus Großbreitenbach

„Ich kann das Schnurren, die Koronageräusche der ersten Höchstspannungsleitung, die schon über unserer Stadt zum Umspannwerk Altenfeld läuft, schon jetzt im Garten hören. Noch so ein Ding vor die Nase? Die Off-Shore-Windkraftanlagen an der Küste stehen noch nicht mal. Wer weiß, ob sie kommen. Die sind nix als verbranntes Geld. Und ähnlich geht‘s den Grundstücken in Trassennähe, die durch die Trasse an Wert einbüßen würden.

Stephan Wedekind, aus Stadtilm

Ich marschiere hier mit, weil diese Stromtrasse nicht sein muss. Wir haben schon beim Bau der A 71 einiges verschlafen. Damit wird auch noch das letzte Stück heile Erde nieder gemacht. Viele Leute vergessen wohl diesen Umweltgedanken.

Stefanie Kratzke, aus Niederwillingen

Warum ich hier mitmache? Na, weil die Masten sinnlos sind. Wenn sie schon Leitungen legen müssen, dann kann man die heutzutage längst auch in der Erde verscharren. Wir haben nichts von der Trasse, dürfen uns dafür die hässlichen Masten anschauen. Sauerei. Außerdem will Vattenfall ja noch ein Kohlekraftwerk bauen, plädiert aber gleichzeitig für Windräder. Das steht meiner Meinung nach im Widerspruch und zeigt, das diesen Leuten die Umwelt eigentlich vollkommen egal ist.

Dr. Jürgen Töpfer, aus Großbreitenbach

Meine Frau und ich sind in der Großbreitenbacher Bürgerinitiative aktiv. Erfahrung ist, dass keiner bei uns die zweite Trasse vor die Nase gesetzt haben will. Aber auch: Sich dagegen wirklich zu engagieren, ist nicht jedermanns Sache. Ich bin mit dem Rad hier runter, wir hatten aber auch Kleinbusse verfügbar. Daran gemessen hätte ich mir noch manches Breitenbacher Gesicht mehr vorstellen können. Die BI‘s der Stadtilmer Region haben hier toll was auf die Beine gestellt. Hut... äääh, Helm ab!

Helmut Seeber, aus Gehren

Wir spielen heute als betroffene Gehrener mit unseren Schobse-River-Boat-Dixies hier. Die Leute sind gut drauf, es ist Ostern, die meisten sind der Überzeugung, dass sie – wenn sie zusammenhalten – noch was erreichen können gegen das Stahlmonstrum. Wissen sie, das ist voll die... Dürfen Sie denn das böse Wort „Oberscheiße“ hier auch in Ihr Blatt schreiben? (uhu/rri)

Quelle Freies Wort vom 10.04.2007

 

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