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Marschieren in der Sonne

10.04.2007 | Es gibt sie noch, die Ostermärsche: Auch in diesem Jahr gingen deutschlandweit zehntausende Menschen auf die Straße, um über die Feiertage bei rund 80 Aktionen für Frieden zu demonstrieren. Allein, die Zahlen stehen in keinem Verhältnis zur Aktualität des Gegenstands.

ERFURT/GOTHA. Die Sonne ist nicht nur Freund der Urlauber, sondern ebenso der Friedensaktivisten. Auch wenn die wahrhaft Überzeugten bei jedem Wetter gegen den Krieg auf die Straße gehen - der Erfurter Anger im nachmittäglichen Aprilschein hebt die Stimmung bei der Gründonnerstags-Ostermahnwache. Mancher wäre sonst wohl zu Hause geblieben.

Gabi Zimmer, die einstige PDS-Bundeschefin und heutige Europabgeordnete der Linkspartei, hat sich eben noch in einem Café am Wenigemarkt von der Sonne aufmuntern lassen, nun hebt die Hauptrednerin zu kämpferischen Tönen an: Überall auf der Welt gebe es Krieg und Unfreiheit, während die neoliberalen Regierungen des Westens ihre Fäden zögen. "Die USA sind der globale Aggressor Nummer 1", so Zimmer. Um kurz darauf den Bogen bis nach Deutschland zu finden, wo die Truppen des Sowjetunion nach 1990 "würdevoll" den Osten verlassen hätten - Gleiches wünsche sie sich auch von den US-Soldaten.

Washington eignet sich unter dem kriegswilligen Präsidenten Bush besonders gut zum Feindbild auf den Oster-Kundgebungen. Das ist auch bei der Demonstration in Erfurt zu beobachten. Während ein paar Meter weiter ein Akkordeonspieler "When the Saints go Marchin´ in" intoniert, singt der Friedens-Liedermacher von "Saddam Bush" und den Machenschaften im Weißen Haus.

Zehntausende haben zu Ostern auf Deutschlands Straßen für den Frieden geworben. In Hildburghausen gingen die Demonstranten unter dem Motto "Neue Kriege - neue Armut. Es ist fünf vor zwölf!" auf die Straße. Von der Werratalkaserne in Bad Salzungen fuhren 26 Friedens-Enthusiasten per Fahrrad und Zug über Eisenach bis nach Gotha zur Friedenstein-Kaserne. Ihre Forderung: "Für eine Welt ohne Frieden und Militär, Frieden jetzt." Die Kritik auf der Abschlusskundgebung, an der etwa 60 Leute teilnahmen, richtete sich vor allem gegen die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Ein Teil der Soldaten wird darauf auch in Bad Salzungen vorbereitet.

Gestern Nachmittag kamen mehr als 500 Leute in Kleinhettstedt im Ilmkreis zur größten thüringischen Osterkundgebung zusammen. Die Teilnehmer aus Bayern und Thüringen protestierten gegen die vom Stromkonzern Vattenfall geplante 380-kV-Stromtrasse durch den Thüringer Wald. Petra Enders, PDS-Bürgermeisterin Großbreitenbachs, kündigte dazu eine Verfassungsgerichtsklage an.

Bundesweit waren über Ostern mehrere zehntausend Menschen an Märschen und Protestaktionen in 80 Städten beteiligt. Das seien etwa gleich viel wie im Vorjahr gewesen, sagte Willy von Ooyen, Sprecher der Frankfurter Stelle Ostermarsch. Der Widerstand gegen das in Brandenburg geplante Bombodrom in der Ruppiner Heide lockte mehr als 10 000 zu einer Kundgebung.

Besonders die Entsendung von Aufklärungs-Tornados nach Afghanistan wurde von den Demonstranten kritisiert. Frank Spieth, Erfurter Linkspartei-Bundestagsabgeordneter, sieht auch darin einen Grund, warum in der Landeshauptstadt mindestens an die hundert Menschen zusammenkamen. .

Von Kai MUDRA und Florian GATHMANN

Quelle Thüringer Allgemeine vom 10.04.2007

 

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