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Vattenfall-Trasse durch den Thüringer Wald genehmigt

08.04.2007 | Umstrittene 55 Kilometer lange Trasse von Erfurt nach Altenfeld wird gebaut. Die umstrittene neue Starkstrom-Leitung durch Thüringen kann gebaut werden. Das Landesverwaltungsamt teilte Donnerstag mit, dass das Raumordnungsverfahren abgeschlossen ist. Der Betreiber Vattenfall wird nun eine 55 Kilometer lange Trasse von Erfurt-Vieselbach nach Altenfeld im Ilm-Kreis bauen. Die Leitung ist dafür gedacht, Strom von neuen Windparks in der Nordsee zu Abnehmern in Bayern zu transportieren. Bei Einwohnern, Kommunen und Naturschützern ist das Projekt umstritten. Sie befürchten, dass die Landschaft verschandelt und eine Schneise durch den Thüringer Wald geschlagen wird. 

Das Landesverwaltungsamt hat das Raumordnungsverfahren für den zweiten Thüringer Abschnitt der von der Vattenfall Europe Transmission GmbH geplanten Südwest-Kuppelleitung zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern abgeschlossen. Dieser Abschnitt verläuft zwischen dem Umspannwerk Vieselbach und Altenfeld auf einer Länge von etwa 55 km (ab Vieselbach in Richtung Süden bis Riechheim, dann nach Westen verlaufend bis Kirchheim, von dort in südlicher Richtung parallel zur ICE-Trasse bis Altenfeld). Weiterer Gegenstand des Verfahrens war die von der E.ON Thüringer Energie AG (ETE) geplante Errichtung einer 110-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken Altenfeld und Stadtilm, die nun auf den gleichen Masten mitgeführt werden soll.

Das Raumordnungsverfahren wurde am 24. Mai 2006 eröffnet; 96 Beteiligte wurden um schriftliche Stellungnahme gebeten, von denen 84 dieser Aufforderung nachkamen. Während der Öffentlichkeitsbeteiligung äußerten sich Bürger aus 15 Gemeinden; 139 individuelle Stellungnahmen mit 296 Unterschriften sowie Listen mit 3.197 Unterschriften gingen in der Behörde ein.

Im Ergebnis des Raumordnungsverfahrens wurde nach der Untersuchung von drei Hauptvarianten (West, Mitte und Ost) festgestellt, dass eine Trassenführung im westlichen Korridor unter Beachtung von 16 Maßgaben mit den Erfordernissen der Raumordnung vereinbar ist, da hier Bahnstromleitung, Autobahn und ICE-Strecke bereits bestehen oder genehmigt sind und eine Bündelung mit der 380-kV-Leitung in hohem Maße möglich ist.

Wesentlich für die Abwägung im Raumordnungsverfahren waren die fachlich relevanten Belange Bevölkerung und Siedlung, technischer Umweltschutz, Naturschutz, Forstwirtschaft, das Landschaftsbild, Fremdenverkehr und Erholung sowie die Verkehrsinfrastruktur. Notwendige Vorprüfungen der Verträglichkeit im Hinblick auf nachgemeldete EU-Vogelschutzgebiete durch den Freistaat Thüringen hatte das Landesverwaltungsamt während des Verfahrens von der Vattenfall Europe Transmission GmbH gefordert.

Die landesplanerische Beurteilung als Ergebnis des Raumordnungsverfahrens wird in den nächsten Tagen an die Beteiligten versendet und der Öffentlichkeit durch Auslegung in den betroffenen Kommunen bekannt gegeben.

*Nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens müssen sämtliche Alternativen zur 380-kV-Freileitung durch den Thüringer Wald ergebnisoffen geprüft werden. Das jetzt anstehende Planfeststellungsverfahren bietet dafür die Gelegenheit. Vattenfall muss sich endlich um Konfliktbewältigung bemühen und für eine akzeptable Ausführung der Stromleitung sorgen. Das schließt auch die Prüfung einer teilweisen Erdverkabelung ein“, fordert Dagmar Becker, umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Die Landesregierung soll zudem sämtliche noch offene Fragen zum jetzt abgeschlossenen Raumordnungsverfahren für die geplante Stromleitung von Vieselbach nach Altenfeld beantworten. In ihrer parlamentarischen Anfrage will Dagmar Becker wissen, ob und in welchem Umfang Alternativen zum Trassenverlauf im Raumordnungsverfahren berücksichtigt wurden. *Geklärt werden muss dringend, ob der Öffentlichkeit auch wirklich sämtliche erforderliche Unterlagen zugänglich waren“, sagt Becker weiter. Sie verweist auf Kritik, nach der die Konfliktpotenzial-Analyse und die Trassenstudie des Antragstellers nicht ausgelegt und damit nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden seien.

Für die vom Bauausschuss des Thüringer Landtages im Mai geplante Anhörung hat die SPD-Fraktion bereits Experten benannt, die Ausführungen zum Thema Erdverkabelung, deren Kosten und den Auswirkungen im Vergleich zur Freileitung machen sollen. Darüber hinaus sollen auch Bürgerinitiativen des betroffenen Streckenabschnittes angehört werden.

Quelle europaticker vom 08.04.2007

 

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