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16 Auflagen für eine Trasse

07.04.2007 | In Thüringen gibt es Platz für eine neue Starkstromleitung. So viel und nicht mehr kann man aus dem abgeschlossenen Raumordnungsverfahren für den zweiten Abschnitt der 380-kV-Trasse von Vattenfall ableiten. Sie soll von Vieselbach bei Erfurt nach Altenfeld führen entlang der ICE-Trasse. Während Vattenfall in die Detailplanung geht, rüsten sich Bürgerinitiativen wie Kommunen für einen langen Rechtsstreit.

WEIMAR. Das Thüringer Landesverwaltungsamt hat gesprochen.

Zehn Monate dauerte die intensive Prüfung - vier mehr als das Landesverwaltungsgesetz vorsieht. Doch der Antragsteller, die Vattenfall Europa Transmission, lässt Milde walten. Schließlich gab es 14 verschiedene Trassenvarianten zu prüfen. Am Ende steht nun fest: Wenn die 380-kV-Leitung von Erfurt-Vieselbach nach Altenfeld gebaut wird, dann entlang der ICE-Trasse, die in Teilen schon besteht. 500 bis 700 Meter ist der Korridor breit, innerhalb derer Vattenfall die Details planen darf.

Die Worte aus dem Weimarer Landesverwaltungsamt sorgen für Unmut bei denen, die ge-hofft hatten, die Trasse noch verhindern zu können. Sie haben keine Zeit für österliche Besinnlichkeit und laden am Montag 14 Uhr zum Sternmarsch von Stadtilm auf den Sportplatz von Kleinhettstedt ein. Auch das Wort Klage macht die Runde. Zu Unrecht, erklärt Adelbert Alexy vom Landesverwaltungsamt. Das Raumordnungsverfahren ist eine Stellungnahme des Landes. "Gegen die kann man nicht klagen", erklärt der Berhördensprecher. Auch hier weiß man um die Unruhe, für die der Trassenbau sorgt. Und hat dem Versorger 16 Auflagen mit auf den Weg gegeben. "Wir werden sie lesen und Kopfschmerzen haben", versichert der Projektbeauftragte von Vattenfall, Wilfried Fischer. Er schaut besorgt in den Kalender. Spätestens im zweiten Quartal 2008 müsste man anfangen zu bauen, will man, wie geplant, Ende nächsten Jahres ans Netz.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg mit viele Hürden. Die nächste heißt Planfeststellungsverfahren, in dessen Ergebnis Vattenfall Baurecht erhalten würde. "Gegen das darf dann auch geklagt werden und zwar von Kommunen genauso wie von Privatpersonen", nimmt Alexy vorweg, was kommen wird. Die Gegner rüsten sich unterdessen mit guten Argumenten gegen den Trassenbau. Dass man die 380-kV-Leitung tatsächlich braucht, wollen sie nicht glauben. Schließlich ist der Bau der Windanlagen in Nord- und Ostsee 2006 massiv ins Stocken geraten. Banken hatten den Betreibern die erforderlichen Kredite für die teuren Seekabel nicht bewilligt. Die Bundesregierung schaffte mit einer kleinen Gesetzesänderung Ende 2006 Abhilfe. Nun müssen Netzbetreiber wie Vattenfall die Seekabel bezahlen und die Windparkbauer brauchen sich nur noch um ihre Fundamente auf hoher See zu kümmern. Entsprechend schnell wird die Zahl der Windräder anwachsen. Sie erzeugen den Strom, "den wir auf der neuen Trasse durch Thüringen leiten müssen", so Vattenfall-Projektleiter Fischer. Er glaubt, dass die Windstrommenge schneller wachsen wird, als bislang vermutet. Dem Klimaschutz könne das nur dienlich sein. Die Trasse aber unterscheidet nicht zwischen grünem Strom und Atomenergie.

Sie leitet alles.

Quelle Thüringer Allgemeine vom 07.04.2007

 

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