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Quer durch den Wald

04.04.2007 | Nach Beendigung des Raumordnungsverfahrens durch das Landesverwaltungsamt zeigen sich die Gegner der 380-kV-Trasse enttäuscht aber kampfbereit. Jetzt wird geklagt.

WEIMAR. "Jetzt erst recht!" Das sagt Siegfried Kriese, Vorstand der Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung". Die Beendigung des Raumordnungsverfahrens ist für die Gegner der von Vattenfall geplanten Starkstromtrasse über den Thüringer Wald kein Grund aufzugeben. Das Landesverwaltungsamt hatte zuvor das Raumordnungsverfahren für den 55 Kilometer langen zweiten Abschnitt der "Thüringer Strombrücke" abgeschlossen.

Damit kann der Energiekonzern mit der Feinplanung der von ihm selbst favorisierten Westtrasse beginnen. Sie führt ab Vieselbach nach Süden über Klettbach bis Riechheim, dann Richtung Westen nach Kirchheim. Von dort setzt sich der Verlauf in südlicher Richtung entlang der ICE-Strecke über Marlishausen, Wolfsberg, Langewiesen, Gehren und Großbreitenbach bis nach Altenfeld fort. Das Landesverwaltungsamt begründet die aktuelle Entscheidung für diese Trasse mit den bereits bestehenden oder genehmigten Bauvorhaben. Damit sind Autobahn, Bahnstromleitung und ICE-Trasse gemeint. Allerdings weist das Amt darauf hin, dass ein Raumordnungsverfahren noch lange keine Genehmigung sei. Vielmehr sei es ein "erstes innerbehördliches Zulassungsverfahren".

Dieses Verfahren weist nach Meinung der Trassenkritiker erhebliche Mängel auf. Demnach seien wichtige Unterlagen wie die Konfliktpotenzial- oder die Trassenstudie nicht öffentlich ausgelegt worden. Darin werde etwa die Verwendung einer Erdverkabelung geprüft. Auch die Notwendigkeit der Trasse sei nicht belegt worden. Die Stadt Großbreitenbach als staatlich anerkannter Erholungsort sieht sowohl Tourismuswirtschaft wie Lebensqualität ihrer Einwohner bedroht. Aus diesem Grunde werde in den nächsten Tagen Klage wegen mangelhafter Ausführung des Raumordnungsverfahrens eingereicht, erklärte Bürgermeisterin Petra Enders (PDS) gegenüber dieser Zeitung.

Wilfried Fischer, Projektbeauftragter bei Vattenfall, zeigt sich wenig beeindruckt: "Ich kann niemand daran hindern, einen Sachverhalt gerichtlich klären zu lassen." Fischer verwies zudem auf die Dringlichkeit des Bauvorhabens, da im Norden immer mehr Strom aus regenerativen Quellen gewonnen werde. Das rund 210 Millionen Euro teure Projekt des Energiekonzerns soll nach eigenen Angaben Ökostrom aus dem Norden in den Süden bringen. Gegner bezweifeln das und vermuten, dass die Trasse Vattenfalls Position im europäischen Stromhandel stärken soll. Unterdessen hält Vattenfall an seinem Zeitplan fest, der die Inbetriebnahme der Trasse Ende 2008 vorsieht. Entscheidend dafür sei ein positiver Bescheid des nun beginnenden Planfeststellungsverfahrens. Inzwischen kündigten die Gegner an, auch weiterhin zu klagen.

Von Martin HOFFMANN

Quelle  Thüringer Allgemeine vom 04.04.2007

 

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