»Kontakt    »Impressum   

Wut ist groß:Trasse zerschneidet Ilmkreis – Aufruf zu Ostermarsch

04.04.2007 | ILMKREIS – Auf diesen Ernstfall sind Bürgerinitiativen und Kommunen lange gefasst. Am Montagabend ist er in Weimar verkündet worden. Abschluss des Raumordnungsverfahrens! Die Westvariante der Höchstspannungstrasse von Vieselbach nach Altenfeld soll bis Ende 2008 den Ilmkreis in seiner vollen Nord-Süd-Ausdehnung überspannen ... zerschneiden. Länger als geplant hatte das Landesverwaltungsamt die Konfliktkorridore der drei Hauptvarianten geprüft, um sich nun für eine Bündelung mit Bahnstromversorgung, ICE und Autobahn zu entscheiden.

Trassenverlauf

Die gilt als kostengünstige Wunsch-Variante von Vattenfall Europe Transmission. Ganz anders aus Sicht betroffener Kommunen und ihrer Bürger: Von Kirchheim über Marlishausen, Niederwillingen, Stadtilm, Traßdorf, Gräfinau-Angstedt, Langewiesen, Gehren, Möhrenbach bis Großbreitenbach und dem Zwischen-Ziel, Umspannwerk Altenfeld, reicht der regionale Protest.

Der sich nun am Ostermontag auf einem Sternmarsch gegen den Trassenbau namentlich in den Ilmtal- und Deube-Gemeinden des Kreisnordens artikuliert. „Nichts ist verloren, jetzt kämpfen wir erstrecht um die Lebensqualität in unserer Heimat, die für alle folgenden Generationen verschandelt würde. Wir müssen und wollen hier leben, nicht die Herren von Vattenfall! Deshalb rufen wir alle Bürger, alle Räte und Bürgermeister, die Betroffenen sowieso und die mit uns solidarischen Menschen auf, beim Sternmarsch von Nahwinden, Stadtilm und Dienstedt nach Kleinhettstedt dabei zu sein,“ so Siegfried Kriese von der Bürgerinitiative „Deube/Kalm“, der zugleich im Vorstand der 10 gemeinsam agierenden Bürgerinitiativen der Interessen- (und Not-)Gemeinschaft „Achtung Hochspannung“ arbeitet.

Ein Aktionsbündnis von Mittel- und Südthüringen bis Nordbayern mit rund 3000 Mitgliedern. Etwa die Mitte des Trassenverlaufs markiert Langewiesen, dessen östlicher Siedlungsrand am Wohngebiet Gottesgelänge bereits vom Bau der mit drei Kilometern längsten deutschen Bahnbrücke tangiert wird.

Unmittelbar östlich daneben würden sich ab 2008 nun auch noch die mächtigen Masten der Höchstspannungstrasse erheben, um nach Ilmtal-Querung eben so das Gehrener Wohnbaugebiet Karl-Marien-Höhe zu tangieren. Langewiesens Bürgermeister, zugleich Kreisvorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, sagte gestern: „Die Westvariante hatten alle geahnt. Wenn wirklich deren generelle Notwendigkeit nachgewiesen würde, wenn sie sich also nicht verhindern lässt, muss unser Augenmerk nun der weitestgehend umweltverträglichen Ausführung gelten.“

Diesbezüglich gibt es massenhaft Auflagen aus dem LVA, die u.a. von der Funktionssicherung von Ausflugs- und Erholungszielen sprechen. Indes die insbesondere laut von Großbreitenbach geforderte Erdverkabelung ist nicht aufgeführt.

Die Stadt, die von allen Trassenvarianten betroffen wäre, hat denn auch als Hauptangriffspunkt gegen das jetzt abgeschlossene Verfahren dessen nicht nur formelle Fehler: Die unbeantwortete Frage nach unausweichlicher Notwendigkeit des Neubaus und die nicht öffentlich ausgelegte Konfliktpotenzialstudie.

Hier setzt die vom Großbreitenbacher Stadtrat bereits vor Wochen „auf Vorrat“ beschlossene Option an, gegen das Raumordnungsverfahren aktiv zu werden: „Das grüne Licht durch das Raumordnungsverfahren bedeutet nicht das Ende der Proteste“, so Bürgermeisterin Petra Enders mit dem Aufruf an die Bürger der Stadt und Umgebung, den „Ostermarsch“ nach Kleinhettstedt aktiv zu unterstützen (zu möglicher gemeinsamer Busanreise informieren wir noch).

„Nachdem selbst CDU-Landtagsfraktions-Vorsitzende Lieberknecht nachdenklichere Töne anschlug, hat nun auch die CDU der von mir lange geforderten Anhörung im Bauausschuss zugestimmt. Aber erst am 31. Mai und damit hoffentlich nicht zu spät“, sagt Enders in ihrer Eigenschaft als Landtagsabgeordnete Linke.PDS. Und sie holt hakt nach: „Noch sind nicht alle Messen gelesen! Wir werden mit allen parlamentarischen und außerparlamentarischen, notfalls auch gerichtlichen Mitteln gegen diese Leitung kämpfen. Das ganze Verfahren ist ein Lehrstück, wie die Landesregierung ein Parlament an der Nase rum führt. Nur wer die Hosen mit der Beiszange anzieht, glaubt, dass die Landesregierung, während es vergangene Woche noch vielfältige Aktivitäten im Landtag gab, nicht wusste, wie die Entscheidung des LVA ausfallen wird.

„Im Stillen hatte ich ja damit gerechnet, dass es so kommt – derart brutal allerdings nicht“, lässt Georg Juchheim, Bürgermeister der Wolfsberggemeinde seiner Wut im Bauch freien Lauf. Die Gemeinde überlegt, einen Rechtsanwalt einzuschalten, zumindest was die zu erwartenden Beeinträchtigungen der Geräusch-Emission angeht.

„Ich frage mich, was Demokratie und Mitwirkung bei Planungen noch für einen Wert haben, wenn man so negiert wird,“ resümiert Juchheim enttäuscht weiter. „Schade um die Stunden Arbeit, die man sich mit Stellungsnahmen vorab gemacht hat!“

Für seine Gemeinde, in der mit Gräfinau-Angstedt und Wümbach 2800 Menschen und damit zwei von drei Ortsteilen betroffen sind von der Westvariante, ist es die Stromtrasse bereits der dritte Schlag ins Landschafts-Antlitz nach Autobahn und ICE-Trasse.

Für Juchheim keine Frage: „Damit sinkt die Wohnqualität weiter in den beiden Orten. Für die Wolfsberggemeinde, deren Einwohnerzahlen in den letzten Jahren relativ konstant waren, scheint damit das Aus dörflicher Idylle zu nahen. Wer mag schon freiwillig unter ICE- und Stromtrasse wohnen?“ K.-U. HUBERT / E.FRANKE


Zu Ostern gegen Landschaftsfrevel

Die Bürgerinitiative“Deube/Kalm“ ist Ostermontag Gastgeber für die in der Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung“ zusammen arbeitenden 10 Bürgerinitiativen. Von Stadtilm, Nahwinden und Dienstedt aus marschiert man nach Kleinhettstedt, wo 16 Uhr auf dem Sportplatz an der B87 zur Protestkundgebung auch Vizelandrat Rainer Zobel erwartet wird.

Quelle Freies Wort vom 04.04.2007

 

Copyright © 2007 - 2013
Achtung-Hochspannung.de
Alle Rechte vorbehalten

©design by nineteen62