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Vattenfall-Informationen im Gemeinderat – nun geht’s um Argumente

29.03.2007 | Waldau würde die 380-KV-Trasse hart treffen.  WALDAU – Seit Mitte des vergangenen Jahres ist die 380-Kilovolt-Freileitung von Altenfeld (Ilmkreis) bis zum bayerischen Redwitz bereits in der Diskussion. In einer sehr kontroversen, die weiter an Schärfe gewinnt. Trotzdem oder gerade deswegen gibt es noch erheblichen Informationsbedarf.

Ein ganzes Stück dieser Informationslücke schließen, das konnten am Montagabend die Gemeinderäte Nahetal-Waldaus. Auch eine Reihe von Gästen hatte sich speziell zu diesem Tagesordnungspunkt der Sitzung im Waldauer Bürgerhaus eingefunden.

Bernhard Segbers, Koordinator für das Genehmigungsverfahren bei der Vattenfall Europe Transmission GmbH, erläuterte erst einmal grundsätzliches zum Projekt „Südwest-Kuppelleitung“ – angefangen bei der Windausbeute im Norden des Landes und der Notwendigkeit des Transports der alternativen Energie Richtung Süden. Er nannte auch die wichtigsten Regeln für die Vattenfall-Trassenführung: Mindestens 100, möglichst 200 Meter Abstand von der Wohnbebauung, geringfügigste Inanspruchnahme von Natur- und Landschaftsschutzraum, Querung von Landschafts- und Naturschutzgebieten nur in begründeten Ausnahmefällen.

Davon ausgehend, so Segbers, seien die jetzt vorliegenden Varianten für den Korridorverlauf Altenfeld – Redwitz zu Stande gekommen (Freies Wort berichtete mehrfach). Die eine davon, kurz als Variante Schleusingen bezeichnet, wäre diejenige, die auch Waldau und Umgebung unmittelbar berührt. Sie würde parallel zur bereits bestehenden 220-kV-Leitung bis Schleusingen verlaufen, dann etwa mit der Autobahn nach Eisfeld und über Sonneberg zur Landesgrenze. Als Vorteil bei dieser Variante sieht Vattenfall die bereits vorhandene Trasse. Nachteilig wäre die Nähe zu vielen Ortslagen. Die sogenannte forstliche Betroffenheit wäre bei beiden Varianten nahezu identisch.

„Uns Waldauer würde es bei diesem Trassenverlauf ganz besonders treffen“, war Gemeinderäten und Gästen schnell klar. Im Schleusetal müssten dann mehrere der gut 60 Meter hohen Masten stehen, und die würden die Autobahn noch ein ganzes Stück überragen.

„Weshalb nicht lieber eine Erdverkabelung?“, wurde folgerichtig gefragt. „Bei Hochspannung unter ökologischen Gesichtpunkten ein Debakel, ebenso finanziell“,lautete die geraffte Antwort. Die Trasse müsste dann 40 bis 50 Meter breit und etwa 1,50 Meter tief sein und wegen der Wärmeableitung mit anderen Materialien verfüllt werden. Zudem müssten rechts und links Fahrbahnen für die Schwerlasttechnik sein und aller 700 Meter käme ein Muffenbauwerk für die nötigen Kabelverbindungen hinzu.

CDU-Landtagsabgeordneter Henry Worm, der an der Sitzung teilnahm, brachte eine weitere Möglichkeit ins Spiel: Verlegung der Kabel in Tunneln, zumindest in den besonders sensiblen Bereichen. Das allerdings blieb unkommentiert – bis auf diesen Satz von Bernhard Segbers: „Die Leitung ist uns zu wichtig, als dass sie ein Experimentierfeld sein könnte.“

Was die Waldauer noch interessierte, war der zeitliche Rahmen. Noch im April solle die Umweltverträglichkeitsstudie beim Landesverwaltungsamt eingereicht werden, so der Vattenfall-Mitarbeiter. Im Sommer solle dann das Raumordnungsverfahren laufen, in dem die Träger öffentlicher Belange, also auch die Gemeinde Nahetal-Waldau, angehört werden. „Ende des Jahres wird wohl die Entscheidung für eine der Varianten fallen“, fügte Bernhard Segbers hinzu. Und am 31. Mai, das wusste Henry Worm, wird im Landtag eine öffentliche Anhörung zum Thema sein.

„Wir müssen abklären, ob wir mit der Trasse leben können und wollen oder welche fundierten Argumente wir gegen deren Bau haben“, fasste Bürgermeister Thomas Franz schließlich zusammen. Diese Argumente müssten sich dann in der Stellungnahme der Gemeinde widerspiegeln. Auch die Gründung einer Bürgerinitiative oder die Zusammenarbeit mit den bestehenden wäre eine Möglichkeit. Etwas Gutes aber sah Thomas Franz in der Trasse: Sie würde sich mit den auf dem Waldauer Berg geplanten Windrädern beißen. Dieses Projekt wäre dann höchstwahrscheinlich gestorben.

Quelle Freies Wort vom 29.03.2007

 

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