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E.ON verteidigt geplante 380-kV-Leitung - Betroffene fürchten Atomstrom aus Osten

21.03.2007 | Sie ist eines der meist umstrittenen Umweltprojekte in Oberfranken: Die geplante 380-Kilovolt-Freileitung von Altenfeld in Thüringen nach Redwitz an der Rodach (Landkreis Lichtenfels). Diese 25 Kilometer auf oberfränkischem Gebiet laufende Hochspannungsleitung erhitzt vor allem im Coburger Raum die Gemü­ter, der Raum Lichtenfels wird nur am Rande tangiert. Zehn Bürgerini­tiativen mit mehreren tausend Mit­gliedern kämpfen länderübergrei­fend gegen das umstrittene Projekt und die E.ON Netz GmbH mit Sitz in Bayreuth als Planer der Stromtrasse auf bayerischem Gebiet steht am Pranger.

Der technische Projektleiter von E.ON Netz, Reinhold Kliegel, bekräf­tigte vor der Presse in Bayreuth nochmals, warum aus Sicht des Energiekonzerns gerade diese neue Stromleitung mit ihren 60 bis 65 Me­ter hohen Masten und einer 70 bis 80 Meter breiten Trasse nötig sei. Klie­gel verteidigte auch eine Studie der Deutschen Energieagentur (DENA), die zum Schluss kommt, dass diese Leitung notwendig sei, um Strom aus Windkraftanlagen von der Küste in den stärker industrialisierten Süden des Landes zu transportieren. E.ON Netz bezeichnet diese Studie als „un­abhängig", wenngleich Kliegel ein­räumte, dass die Untersuchung aus dem Jahr 2005 von Energiekonzer­nen wie E.ON, RWE und Vattenfall mitfinanziert wurde.

Weitere Vorwürfe der Gegner, es sei zu wenig über die Pläne infor­miert worden, wies Michaela Fiedler vom Bereich Unternehmenskommu­nikation zurück. Bereits 2005 seien erste Gespräche mit Behörden und Politikern geführt worden, im Januar 2006 sei man dann an die Öffentlich­keit getreten. Insgesamt 52 Politiker­kontakte habe es gegeben, alle be­troffenen Bürger seien mit Flugblät­tern informiert worden.

Für E.ON Netz stellt der Bau der Trasse ein Stück konkreter Umwelt­schutz dar, denn damit werde Strom aus Windkraft zu den Verbrauchern transportiert. Wenn man keine neuen Kernkraftwerke wolle und klimaschädliche Kohlemeiler stilllege, dann müsse man diese fehlende Energie mit Alternativen ausglei-chen, so die Philosophie. Man habe sogar die gesetzliche Verpflichtung, das Netz entsprechend auszubauen.

Doch große Teile der betroffenen Bevölkerung wollen diesen Argu-menten nicht folgen. Sie fürchten, durch die Trasse könne billiger Atomstrom aus Osteuropa, etwa aus Temelin, nach Deutschland gelan­gen. Kliegel konnte dies auf entspre­chende Journalistenfragen nicht de­finitiv ausschließen, denn man könne herkömmlich und alternativ erzeugte Energie nicht unterschei­den. Auch eine Erdverkabelung lehnt E.ON ab: Die geplante Leitung bezif­ferte Kliegel auf 20 Millionen Euro, eine unterirdische Variante würde hingegen 80 bis 100 Millionen kos­ten. Diese Mehrausgaben würden von der Bundesnetzagentur nicht ge­nehmigt. Mitte bis Ende April will das Unternehmen bei der Regierung von Oberfranken die Unterlagen zur Eröffnung des Raumordnungsver­fahrens einreichen. „2010 wollen wir bauen", lautet die Prognose.

Quelle Nordbayerischen Kurier Bayreuth vom 21.03.2007

 

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