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Bürgerinitiativen bündeln Kräfte

22.03.2007 |  Breite Front gegen Stromtrasse. Der Widerstand der Bevölkerung im Raum Eisfeld gegen die von Vattenfall geplante 380 Kilovolt-Hochspannungsfreileitung durch den Thüringer Wald wächst. Er artikuliert sich nicht nur in der seit Februar arbeitenden Bürgerinitiative Bockstadt - Herbartswind - Heid - Eisfeld, sondern zunehmend auch in der Einwohnerschaft. 

EISFELD - Dies umso stärker, seit bekannt wurde, dass neue Trassenvarianten im Gespräch sind, die das Gebiet unmittelbar tangieren. Die Leitung östlich oder südlich um Eisfeld zu bauen, würde bedeuten, dass sie nur ein paar hundert Meter von Wohngebäuden etwa in Heid entfernt verliefe. Das macht sensibel für das Problem, das ursprünglich weit entfernt war und nun vor die Haustür rückt.

Die Bürgerinitiative lehnt die Stromleitung generell ab, egal, wie und wo sie trassiert wäre. Ihren Bau zu verhindern, gilt als Hauptziel. Und sie fordert die Erstellung eines unabhängigen Gutachtens, das Auskunft darüber gibt, ob die Netzerweiterung notwendig ist oder nicht. Drittens macht sich die BI für den Fall, das doch gebaut wird, für umweltverträgliche und innovative Alternativen des Stromtransports von Vieselbach über Altenfeld in das oberfränkische Redwitz stark. Als Alternativen bringt sie Erdverkabelung gasisolierter Leitungen, Nutzung und Ertüchtigung vorhandener Trassen oder weiträumige Umgehung des Thüringer Waldes ins Gespräch.

Darüber informierten eingangs der Veranstaltung am Dienstagabend im Schloss Eisfeld BI-Sprecherin Katrin Rosenbaum und Bockstadts Bürgermeister Sven Gregor. Dass der Saal zu dreiviertel mit interessierten Bürgern gefüllt war, konnte die Bürgerinitiative sicher als ermutigendes Zeichen werten. Sie setzt im Kampf gegen die Trasse auf ein möglichst breites Engagement in der Bevölkerung und will dieses mit fundierten Informationen befördern.

Erschreckende Bilder

Aus eben diesem Grund hatte man als Referent für diesen Abend in Eisfeld mit Frank Bähner einen Mitstreiter aus der Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung!“, einer Vereinigung von Bürgerinitiativen aus Thüringen und Oberfranken, gewonnen. Bähner formiert den Widerstand in der BI Ilmtal (bei Arnstadt), die den Bau der Trasse gleichfalls strikt ablehnt und den Abbruch des für den Trassenabschnitt Vieselbach - Altenfeld laufenden Raumordnungsverfahrens fordert. „Wir wollen erst einen Nachweis haben, ob die Leitung notwendig ist“, erklärte er. Mit seiner Power-Point-Präsentation versuchte der Referent dann deutlich zu machen, warum.

Neben Informationen zu technischen Details, Gefahren für Mensch und Natur sowie möglichen Alternativen beeindruckte Bähner seine Zuhörer vor allem mit Fotos der bis zu 100 Meter hohen Strommasten und dazu gestellten Größenvergleichen herkömmlicher Trassen. Wer sah, wie gewaltig die Anlagen neben Wohnbebauungen und Personen wirken und wie die Schneisen die Natur zerschneiden, kam schon ins Grübeln. Umso mehr, als Bähner erklärte, Vattenfall bestehe auf dieser Dimension der Freileitungen. Zum einen, weil so Täler technisch vorteilhaft überspannt werden können, zum anderen, weil das Unternehmen schon 2008 bauen will. „Vattenfall hat viel Geld, aber keine Zeit“, umriss Bähner das Problem des komplexen Leitungsnetzes in Ostdeutschland.

Als Folgen sieht er neben der Zerstörung von Natur und Umwelt erhebliches Gefährdungspotenzial für die Gesundheit, so durch Magnetfelder und Lärmbelästigung. Zudem geht Bähner davon aus, dass Grundstücke und Bebauungen in der Nähe der Trasse einen erheblichen Wertverlust unterliegen und die Gefahr durch Mastbrüche etwa bei Sturm permanent ist.

„Sollte nachgewiesen werden, dass Vattenfall die Leitung doch braucht und sie nicht zu verhindern ist, dann fordern wir alternative Trassenführungen und Techniken“, stellte Bähner klar und sprach sich für eine Erdverkabelung gasisolierter Leitungen aus. Hier wären die Folgeschäden geringer. Die Kabel würden auf einer 30 Meter breiten Trasse etwa 1,50 Meter tief verlegt und mit Beton und Erdreich abgedeckt Die Schneisen dürften dann weder mit Bauwerken bebaut noch mit Bäumen versehen, sondern lediglich als Wiese genutzt werden. Zwar werde die Erdverkabelung vier- bis fünfmal teurer als die von Vattenfall favorisierte gigantische Freileitung, doch die Mehrkosten ließen sich auf den Endverbraucher umlegen - falls das Landesverwaltungsamt eine Erdverkabelung ausdrücklich fordert. Bähner rechnete vor, dass dies einen Vier-Personen-Haushalt pro Jahr mit 3,50 Euro belasten würde.

Gewichtige Argumente

Dem Vortrag schloss sich eine Diskussions- und Fragerunde an, in der auch Kommunalpolitiker zu Wort kamen, die sich generell gegen die Trassenplanung aussprachen. Landrat Thomas Müller mochte zwar nicht allem zustimmen, was Referent Bähner vorgetragen hatte, insbesondere dessen Ausführungen zur Erdverkabelung nicht. Doch er machte deutlich, dass die Kreisbehörde gegen die Stromtrasse durch den Thüringer Wald ist und die Prüfung anderer Varianten fordert. Das Landratsamt werde im Sommer in das Raumordnungsverfahren einbezogen. Es reiche allerdings nicht aus, die Trasse zu verdammen. Vielmehr müssten dann stichhaltige Argumente gegen ihren Bau vorgetragen werden, was er beabsichtige. Das gelte auch für die in das Raumordnungsverfahren involvierten Städte und Gemeinden. Bei ihren Einwändungen müssten sie mit gewichtigen und realistischen Fakten aufwarten.

Die Bürgerinitiativen ermutigte Müller, ihre Arbeit weiter zu forcieren. Daran knüpfte Auengrund-Bürgermeister Helmut Pfötsch die Forderung, alle Bürger der Region zum Widerstand zu bewegen. „Die meisten wissen zu wenig, wir müssen sie besser informieren“, meinte er. Eisfelds Bürgermeisterin Kerstin Heintz sieht dies ebenso. Sie erklärte zudem, dass die Stadt schon jetzt Argumente gegen die Trasse sammelt und auflistet, um bei der Anhörung der Träger öffentlicher Belange gut vorbereitet zu sein. Es gebe zahlreiche Ansatzpunkte, um die Trasse zu verhindern, sagte sie.

Quelle Freies Wort vom 22.03.2007 

 

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