»Kontakt    »Impressum   

E.ON Netz: Projekt Konsequenz des Klimaschutzes

21.03.2007 | „Keine Leitung für billigen Atomstrom“ BAYREUTH/COBURG - Die E.ON Netz GmbH, Bayreuth, hat am Dienstag klargestellt, dass die geplante 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen Altenfeld in Thüringen und Redwitz an der Rodach in Oberfranken ausschließlich gebaut wird, um Windenergie, die in Norddeutschland produziert wird, nach Bayern zu transportieren. Projektleiter Reinhold Kliegel sagte, „ohne das Erneuerbare-Energien-Gesetz müssten wir nicht über die neue Stromleitung reden“.

Michaela Fiedler vom Geschäftsführungsbüro der E.ON Netz GmbH erläuterte bei einem Pressegespräch in Bayreuth, die umstrittene Leitung sei ausschließlich deshalb notwendig, weil die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent ausweiten will. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Energieagentur (dena) eine Studie zur Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und auf hoher See erstellt. Diese kam zum Ergebnis, dass die Verbindungsleitung zwischen Altenfeld und Redwitz notwendig ist.

Dr. Christian Schneller, Leiter des Geschäftsführungsbüros der E.ON Netz GmbH, ergänzte, „diese Leitung entspringt nicht unternehmerischer Willkür, sondern gesetzlicher Verpflichtung im Rahmen des Klimaschutzes.“ Wer diesen wolle, der müsse Farbe bekennen und dürfe nicht nach dem St.-Florians-Prinzip handeln – zum Beispiel dann, wenn dafür eine neue Stromleitung notwendig sei.

Die 1992 gebaute Leitung zwischen Redwitz, dem Landkreis Kronach und Remptendorf in Thüringen sei dazu keine Alternative, ergänzte Reinhold Kliegel. Sie wäre für E.ON Netz zwar „die beste Lösung“, sagte Kliegel, trage aber bereits 110- und 380-kV-Systeme und sei nicht erweiterbar.

Die Erdverkabelung, die Bürgerinitiativen in Bayern und Thüringen fordern, sei geprüft worden, aber nicht zu verantworten. Sie sei etwa drei- bis fünfmal so teuer wie eine Freileitung und könne nicht wirtschaftlich betrieben werden. Zudem sei die Verkabelung bei 380-kV-Systemen nicht Stand der Technik. Es existierten nur wenige solcher Anlagen auf kurzen Strecken in Großstädten wie Berlin, die teilweise in aufwändig erstellten Tunneln verliefen. Diese Technik sei für die insgesamt 60 Kilometer lange Überlandleitung Altenfeld-Redwitz, die auf 25 Kilometern Länge auf bayerischem Gebiet verläuft, nicht anwendbar. Außerdem würde die Bundesnetzagentur die dafür notwendigen Investitionen nicht genehmigen.

„Umfassend informiert“

Michaela Fiedler widersprach entschieden Vorwürfen, E.ON Netz informiere nicht ausführlich über die geplante Stromleitung. Im vergangenen Jahr seien bei insgesamt 52 Veranstaltungen und persönlichen Kontakten Öffentlichkeit und Politik „quer durch alle Parteien“ umfassend mit dem Projekt vertraut gemacht worden. Fiedler: „Wer informiert werden wollte, konnte sich informieren.“ Im Gegenteil: E.ON habe eine Informationsoffensive gestartet, obwohl das Raumordnungsverfahren bei der Regierung von Oberfranken bislang noch nicht eingeleitet worden sei. Dies soll Ende April geschehen.

Mit Nachdruck widersprachen Michaela Fiedler und Reinhold Kliegel Vermutungen, die 380-kV-Leitung werde vor allem deshalb gebaut, weil damit billiger Atomstrom aus Osteuropa ins deutsche Netz eingespeist werden soll. Kliegel: „Dazu ist die Leitung nicht da. Wenn wir das wollten, würde unser Netz ganz anders aussehen.“ Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass erneuerbare Energien stets „Vorfahrt“ vor konventionell mit Kohle oder Kernkraft erzeugtem Strom haben.

Falsch sei schließlich der Vorwurf, E.ON Netz würde in Oberfranken nicht mehrere Alternativen für Trassenkorridore prüfen. Auf Wunsch der Bevölkerung, so Michaela Fiedler, werden im Raumordnungsverfahren zwei Trassenkorridore überprüft. Der „Westkorridor“ führt über Roth auf der Höhe entlang der ICE-Strecke nach Coburg und bleibt dann auf der Trasse der bestehenden 110-kV-Leitung nach Redwitz. Der „Ostkorridor“ beginnt bei Effelder und führt südlich von Neustadt sowie an Sonnefeld und Weidhausen vorbei nach Redwitz an der Rodach. E.ON habe keinen Favoriten. Die Entscheidung über die raumverträglichste Trasse obliege der Regierung von Oberfranken.

Die Höhe der Trägermasten gab Reinhold Kliegel mit 60 bis 65 Metern an. Die Trasse, die für die Stromleitung benötigt wird, sei einschließlich der Sicherheitsbereiche 70 bis 80 Meter breit. Ausgeschlossen sei, dass Wohnhäuser überspannt werden. wb

Die Leitung und das EEG

Der Neubau einer 380-Kilovolt-Stromleitung zwischen Altenfeld in Thüringen und Redwitz in Bayern wird von der Deutschen Energieagentur mit der Notwendigkeit begründet, in Norddeutschland erzeugte Windkraft zu verteilen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sehe vor, dass regenerativ erzeugter Strom vorrangig eingespeist und abtransportiert wird, so E.ON Netz. Das Unternehmen sei zum Transport von Strom aus regenerativen Energiequellen in und durch sein Netzgebiet verpflichtet. Fehlen die für den Abtransport nötigen Leitungen, wie zwischen den Knotenpunkten Altenfeld und Redwitz, müssten diese zwingend durch einen Ausbau des Netzes geschaffen werden.

Quelle Neue Coburger Presse vom 21.03.2007

 

Copyright © 2007 - 2013
Achtung-Hochspannung.de
Alle Rechte vorbehalten

©design by nineteen62