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WEIDHAUSENS 2. BÜRGERMEISTER HARRY RITTER: „Wir klagen gegen die Stromleitung“

17.03.2007 | ERFURT/COBURG - Verhindern lässt sich nach Ansicht der Thüringer CDU die umstrittene Stromtrasse von Altenfeld über Coburg in das oberfränkische Redwitz an der Rodach nicht mehr. Der Energieversorger Vattenfall habe einen Rechtsanspruch darauf, dass die Leitung gebaut wird. Doch die großen Unbekannten in der Rechnung des Stromkonzerns liegen in der exakten Trassenführung sowie in der Zeitschiene, in der gebaut werden kann.

Hier setzt die jüngste Strategie der Unionsfraktion an, die nunmehr eine Anhörung im Thüringer Landtag zur Trasse will. Gegen die Zusagen des zuständigen Bauministeriums spielt die CDU mittlerweile auf Zeit. Die Politiker wissen: Bis 2008 muss Vattenfall die Leitung bauen, sonst drohen dem Unternehmen große technische Probleme beim Betrieb des höchst komplexen Leitungsnetzes in Ostdeutschland. Wenn an der Küste die Windräder auf Hochtouren surren, aber niemand den so produzierten Strom abnimmt, wird es eng.

Schon einmal in jüngster Vergangenheit habe der Konzern seinen Strom schwarz in das Netz von RWE einspeisen müssen, so die unbestätigte Information eines Thüringer Unionsmannes: Weil Vattenfall ansonsten das eigene Stromnetz wegen Überlast zusammengebrochen wäre.

Leichtfertige Zusagen

„Minister Trautvetter sollte nicht leichtfertige Zusagen geben“, war dieser Tage informell aus Kreisen der Unionsführung zu hören. „Wir sollten lieber sehen, dass wir für Thüringen ein gutes Verhandlungsergebnis hinbekommen.“ Ein erster Pflock im Spiel auf Zeit ist diese Woche eingeschlagen worden: Nun sollen Experten zur Anhörung in den Erfurter Landtag eingeladen werden. Als angenehmer Nebeneffekt lässt sich auf diese Weise auch der Grabenkampf zwischen den einzelnen Südthüringer CDU-Wahlkreisabgeordneten ein Stück weit deckeln, die – nach dem St.-Florians-Prinzip – die bestmögliche Stromtrasse jeweils auf dem Territorium ihres Fraktionskollegen ausmachen.

Während das Raumordnungsverfahren für den Trassenabschnitt von Vieselbach nach Altenfeld bereits läuft, hat Vattenfall noch immer keine Unterlagen für den Abschnitt von Altenfeld bis an die bayerische Landesgrenze eingereicht, bestätigte der Sprecher des Landesverwaltungsamtes in Weimar, Adalbert Alexy.

Yvonne Saßnick von der für die Stromtrasse zuständigen Vattenfall-Tochter Europe Transmission hätte die Unterlagen lieber gestern als heute eingereicht. „Aber wir haben auf Wunsch der betroffenen Kommunen noch eine zusätzliche Variante für den Trassenverlauf erarbeitet“, begründet sie den Zeitverzug. Deshalb hofft man beim Energiekonzern, dass das Verfahren, wenn die Unterlagen vorliegen, zügig abläuft.

Derweil fordert die Interessengemeinschaft der Bürgerinitiativen eine unabhängige Studie zur Trasse. Geprüft werden solle darin, ob die Leitung überhaupt notwendig ist und wenn, ob beispielsweise Kopplungsmöglichkeiten mit der im Bau befindlichen ICE-Trasse bestehen.

Im gleichen Boot mit den Thüringer Trassen-Gegnern sieht sich indessen die Bürgerinitiative im oberfränkischen Weidhausen sitzen. Allerdings ist auf bayerischer Seite nicht Vattenfall, sondern Eon zuständig für den Trassen-Bau. „Wenn E.on beim Regierungspräsidium in Bayreuth den Antrag auf ein Raumordnungsverfahren stellt, werden wir klagen“, sagt Harry Ritter, stellvertretender Bürgermeister von Weidhausen.

Über zehn Bürgerinitiativen (BI) mit mehreren tausend Mitgliedern gibt es inzwischen, die sich vehement dagegen wehren, den Thüringer Wald, das Coburger Land und das Obere Maintal mit Bau einer neuen 380-kV-Leitung zu belasten. Die Bürgerinitiativen haben sich unter dem Dach der Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung“ zusammengeschlossen, um die geplante Freileitung zu verhindern. Fw

Quelle Coburger Neue Presse vom 17.03.2007

 

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