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Durch die Leitung wird Atomstrom fließen

02.04.2013 | Zeitungsartikel auf "in Südthüringen.de":

Enders: "Durch die Leitung wird Atomstrom fließen"
Etwa 300 Trassengegner kamen am Montag zum Ostermarsch gegen die 380-kV-Trasse an den Froschgrundsee bei Weißenbrunn. 
 
Weißenbrunn - "Stausee, ICE, 380-kV-Leitung... jetzt reicht's!" Die Höchstspannungstrasse und deren mögliche Folgen für die Region hatten Mitglieder der Bürgerinitiative Rödental am Ostermontag nicht nur auf Transparenten deutlich gemacht. Auf der Wiese neben der Hütte der Sportgemeinschaft Rödental haben sie einen potenziellen Maststandort im Gelände abgesteckt. Ziel des mittlerweile siebten Ostermarschs gegen die 380-kV-Trasse war diesmal das Gelände der Sportgemeinschaft Rödental, hoch über dem Froschgrundsee und in Sichtweite der ICE-Brücke über diesen Hochwasserspeicher.

Besorgte Bürger
Und für die Mitglieder der BI hatte das alles etwas miteinander zu tun, wie Günter Heubner aus Schönstädt zum Abschluss der Kundgebung deutlich machte. "Seit über 30 Jahren gibt es diese Probleme im Froschgrund", sagte er. Erst sei für den Hochwasserspeicher Land geopfert worden, dann kam die ICE-Trasse, deren Brücken vor sich hin bröselten, und nun drohe die Gegend durch die Stromtrasse völlig ruiniert zu werden. "Die Bürger sind besorgt, sie wollen diesen Strommoloch nicht, fürchten um ihre Gesundheit", sagte Rödentals stellvertretende Bürgermeisterin Giesela Böhnel (Freie Wähler), die eine Prüfung von ernsthaften Alternativen zur Trasse forderte. Die Mitglieder aller Fraktionen des Rödentaler Stadtrats hätten die Trasse abgelehnt und würden auch den Protest, so auch während der Mahnwachen im Stadtgebiet, unterstützen.
Während der vergangenen Monate haben die Mitglieder der BI Rödental immer wieder bei Mahnwachen auf die ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Neu ist das Thema keineswegs, allerdings fand am Montag erstmals ein Ostermarsch gegen die Trasse außerhalb Thüringens in Bayern statt. Begonnen hatten die Ostermärsche 2007 in Kleinhettstedt (Ilmkreis). Vor zwei Jahren war die Schaumburg bei Schalkau Ziel des Protestmarsches und auch am Montag fanden etwa 300 Teilnehmer den Weg auf den Berg am Froschgrundsee. Neben den Trassengegnern aus dem Coburger Raum waren auch Mitglieder von Initiativen aus Thüringen, so aus Schalkau sowie aus den Landkreisen Hildburghausen und dem Ilmkreis vertreten.

Bedarf nicht bewiesen
Kernpunkt der Kritik der Trassengegner bleibt die Frage der Sinnhaftigkeit der 380-kV-Leitung. "Der Nachweis der Notwendigkeit dieser Leitung wurde bis heute nicht geführt", erklärte die Ebersdorferin Annette Martin von der IG "Achtung Hochspannung!". Stattdessen sei die Notwendigkeit der Leitung per Gesetz festgelegt worden. Die Energiewende habe lediglich als "grünes Mäntelchen" gedient, um die Konzerninteressen besser durchsetzen zu können.
Noch deutlicher wurde die Landrätin des Ilmkreises, Petra Enders (Linke): "Diese Leitung ist nicht grün, denn sie dient primär der Durchleitung von Strom aus Kohlekraftwerken." Aber auch Atomstrom aus Russland solle wohl durch die Leitung fließen.

Alternativen angemahnt
Erst kürzlich habe die Bundesregierung einräumen müssen, dass der Netzbetreiber 50 Hertz mit russischen Atomkraftwerksbetreibern verhandle. Eine Trasse durch die Ostsee solle russischen Atomstrom nach Deutschland bringen, der dann auch durch die 380-kV-Trasse fließen werde. Die Bundesregierung konterkariere die Energiewende, rügte Enders. Dies habe sich auch jüngst in Arnstadt (Ilmkreis) gezeigt, wo aufgrund einer "katastrophalen Förderpolitik" mittlerweile 1 800 Arbeitsplätze im Bosch-Werk, in dem Solarzellen hergestellt wird, auf dem Spiel stünden (Freies Wort berichtete). Statt eine Zukunftsbranche zu fördern, setze man mit der Kappung der Einspeisevergütung für Solarstrom diese aufs Spiel. "Wie zum Hohn wird nach dem Willen dieser Politiker in Sichtweite des Werks eine 380-kV-Leitung entlangführen, durch die russischer Atomstrom fließt", sagte Enders.
Indessen wurden am Froschgrundsee auch technische Alternativen zur 380-kV-Trasse thematisiert. Annette Martin und Siegfried Kriese verwiesen auf den alternativen Energiegipfel an der TU Ilmenau Ende vergangenen Jahres. Das als "Ilmenauer Signal" verabschiedete Positionspapier habe reale Alternativen aufgezeigt, bemerkte Kriese. Am Anfang, so Annette Martin, müsse die Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs an Energieerzeugung und Energieleitungen stehen. Vorrang habe dann aber die dezentrale Erzeugung und Speicherung. "Auch dann werden wir Leitungen benötigen, diese wären dann aber keine 380-kV-Trassen quer durch Deutschland", sagte Martin. "Seit 2007 liegen diese Alternativen auf dem Tisch", kritisierte Petra Enders. Trotzdem halte man an einer veralteten Technik fest. Ziel der Bürgerinitiativen sei es, eine ernsthafte Prüfung der Alternativen zu erzwingen. Generell gelte zudem, dass vor dem Trassenneubau erst einmal ein Umbau bestehender Infrastruktur zum Stromtransport erfolgen müsse, der zudem billiger sei.

Klage anhängig
Auch wenn die von Berlin vorgelegten Konzepte in sich stimmig erschienen, so Enders, die Bundesregierung hätten dabei eines nicht berücksichtigt, nämlich die Bürger. Derzeit sei am Bundesverwaltungsgericht Leipzig eine Klage gegen das Planfeststellungsverfahren zum zweiten Bauabschnitt der Trasse zwischen Vieselbach und Altenfeld anhängig. "Wir möchten erreichen, dass das Gericht das Energieleitungsausbaugesetz zur Prüfung an das Bundesverfassungsgericht verweist", erklärte Enders. Die Chancen seien gut, dass die Verfassungsrichter die Verfassungswidrigkeit dieses Gesetzes feststellen, weil es die Rechte von Bundesländern, Kommunen und Bürgern verletze. An der Klage gegen die Trasse in Thüringen haben sich übrigens auch bayerische Kommunen, so auch die Stadt Rödental beteiligt, wie Giesela Böhnel während der Kundgebung betonte. ts

Die Stromtrasse
Die Südwest-Kuppelleitung - auch als "Thüringer Strombrücke" bezeichnet - ist eine 380-kV-Freileitung. Sie wird zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Redwitz (Bayern) in drei Bauabschnitten errichtet. Für die ersten beiden Bauabschnitte bis Altenfeld im Ilmkreis besteht bereits Baurecht. Im dritten Teilabschnitt von Altenfeld bis zur Landesgrenze sowie von dort bis Redwitz sind die Raumordnungsverfahren in Thüringen und Bayern im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. Die Netzbetreiber in Thüringen (50 Hertz) und Bayern (Tennet) bereiten derzeit die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren in beiden Ländern vor.


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