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„Neue Stromleitung überflüssig machen“

15.03.2007 | Landtagsmitglied Michael Krapp warnt davor, übereilte Entscheidungen zum Bau der umstrittenen 380 Kilovolt-Stromtrasse über den Thüringer Wald, die auch den Landkreis Hildburghausen tangieren würde, zu treffen. Eine zusätzliche Stromleitung über das zentrale Rennsteiggebiet müsse überflüssig gemacht werden, sagte er gegenüber Freies Wort.

HILDBURGHAUSEN - Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses des Thüringer Landtages sieht das Vattenfall-Projekt als „nicht unabweisbar“ an und plädiert dafür, Zeit zu gewinnen, bis das Konzept der Erzeugung alternativer Energien sowie deren Speicherung und Transport ausgereift ist. „Es wäre ein nicht wieder gut zu machender Fehler, wenn wir aus einer schon jetzt veralteten Perspektive des Jahres 2004 heraus, als das Energie-Einspeisegesetz von Rot-Grün beschlossen wurde, landschaftliche Ressourcen im Thüringer Wald zerstören würden“, sagte Krapp. Windenergieanlagen garantierten keine Netzstabilität und müssten durch Regelkraftwerke gleicher Kapazität abgesichert werden. „Zudem gibt es zu viele Umgereimtheiten bei der Installation der Offshore-Windparks auf hoher See und technische Schwierigkeiten bei der Anlandung der auf dem Meer erzeugten Energie“, fasste der Abgeordnete seine Eindrücke einer Vorort-Visite des Wirtschaftsausschusses in Hamburg zusammen. Aus seiner Sicht sei es falsch, zu stark auf Windenergie und antiquierte Energieübertragungssystem zu setzen, weil der Wasserstofftechnologie langfristig wohl die Zukunft gehöre.

„Natürlich befindet sich Vattenfall mit seiner Trassenplanung über den Thüringer Wald aufgrund der Gesetzeslage in einer starken Position, doch bei jedem Gesetzesvollzug sind vernünftigerweise im konkreten Fall die aktuellen Bedingungen zu berücksichtigen“, konstatierte Krapp. Und sieht „Bewegungsspielraum bei der Trassierung“. Unstrittig sei, dass die Höchstspannungsverbindung von Bad Lauchstedt über Remptendorf nach Redwitz mit Anschluss an die Mainschiene verstärkt und ausgebaut werden muss. Dagegen habe er nichts einzuwenden, zumal über eine Stichleitung bereits des Pumpspeicherwerk Goldisthal und das Umspannwerk Altenfeld angeschlossen sind. Nicht nachvollziehen will Krapp indes, das Vattenfall eine völlig neue 380 Kv-Trasse von Bad Lauchstedt nach Redwitz über Vieselbach und Altenfeld und damit über die hiesige Thüringer Wald-Region bauen will. „Diese würde im Abstand von nur 30 Kilometern parallel zur Leitung über Remptendorf verlaufen, und das würde niemand verstehen“, stellte er fest.

Er lehne diese Option und die dazu diskutierten Trassenvarianten - über Masserberg und Bleßberg, vom Schleusegrund nach Eisfeld sowie Ost- bzw. Südumgehung Eisfelds - ab. Tiefe Einschnitte in eine weitgehend noch intakte Kulturlandschaft wären die Folge, die die Bedeutung als Tourismusregion stark mindern würden. „Wer die neue Trasse gern global klimapolitisch begründen möchte, muss sich auch eine lokale umweltpolitische Abwägung gefallen lassen“, wies der Ausschussvorsitzende Argumente der Trassen-Befürworter zurück. Für ihn denkbar sei eine Ertüchtigung der bestehenden Trasse, um die Eingriffe in die Landschaft so gering wie möglich zu halten, nicht aber ein Neubau parallel zu dieser.

„Ich nehme die Einsprüche der Menschen in den betroffenen Gebieten sehr ernst und ermutige die Bürgerinitiativen, beispielsweise in Bockstadt, ihre Aktivitäten gegen die umstrittene Trassierung zu verstärken“, bezog sich Krapp auf den Widerstand vor Ort. Es sei den Menschen hier nicht zu vermitteln, das neben Autobahn und ICE, die weitgehend akzeptiert würde, nun eine weitere Trasse die Landschaft zerschneide.

Hoffnungen der Bürger, mit einer Erdverkabelung könne das Problem gelöst werden, erteilte Krapp eine Absage: „Eine Wechselstromstrasse in der Erde würde nicht nur viel teurer, sondern auch kaum weniger störend für Landschaft und Bewohner.“

Quelle Freies Wort vom  15.03.2007

 

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