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Streit um Stromleitung - Bürgerinitiativen fallen übereinander her

05.03.2007 | SCHALKAU/BOCKSTADT/COBURG – Die Bürgerinitiativen (BI) Schalkau (Kreis Sonneberg), Bockstadt (Kreis Hildburghausen), Ilmenau und Fürth am Berg (Kreis Coburg), die gegen die geplante 380-kV-Leitung zwischen Altenfeld in Thüringen und Redwitz an der Rodach in Oberfranken kämpfen, streiten erbittert miteinander.

Der Grund: Während die BI Fürth am Berg, Bockstadt und Ilmenau das Projekt grundsätzlich ablehnen, plädiert die BI Schalkau dafür, alternative Trassenführungen für den Stromleitungsbau durch den Thüringer Wald und den Landkreis Coburg aufzuzeigen.

Für die BI Fürth am Berg erklärte Rainer Rosanowski gegenüber der Neuen Presse am Montag, man wolle grundsätzlich nicht nach dem St.-Florians-Prinzip gegen die Interessen anderer Bürgerinitiativen handeln. Man stehe trotz gegenteiliger Signale aus Schalkau weiterhin dafür ein, die 380-kV-Leitung ganz verhindern oder, wenn dies nicht möglich sei, die Erdverkabelung durchsetzen zu wollen. Zudem fordere man von der Politik ein Gesamtkonzept, das die Energieversorgung auf eine zukunftsfähige Grundlage stellt.

Name ist Programm

In Bockstadt nahe Rottenbach, wo jüngst die Gründungsversammlung der Bürgerinitiative „Stoppt die 380-kV-Leitung“ stattfand, denkt man ähnlich. Schon mit dem Namen ist das Ziel der Bürgerinitiative umschrieben: die von den Energiekonzernen Vattenfall in Thüringen und E.ON in Oberfranken geplante Stromleitung gänzlich in Frage zu stellen. Zwar wird in Bockstadt betont, man wolle mit den bestehenden Bürgerinitiativen in den Landkreisen Sonneberg und Coburg zusammenarbeiten, doch scheint dabei eher der Wunsch Vater des Gedanken zu sein.

Denn die BI Bockstadt fährt schwere Geschütze gegen die BI Schalkau auf. Mit viel Engagement, so die Bockstadter, setze man sich in Schalkau für den Erhalt der Natur und der Gesundheit der Menschen ein. Anstatt aber die Kooperation mit den Menschen außerhalb von Schalkau zu suchen und die geplante thüringisch-bayerische Stromleitung grundsätzlich abzulehnen, unterbreiteten der Schalkauer Bürgermeister Reinhard Zehner und BI-Sprecher Bernd Büttner Vorschläge für alternative Trassen der 380-kV-Leitung. Dies, so die Bockstadter BI, verlagere das Problem nur, und zwar in die Nähe von Naturschutzgebieten und in unmittelbare Nachbarschaft zur nach Coburg führenden Autobahn A 73.

Mache man solche Vorschläge, dann stelle man letztendlich das Grundanliegen in Frage: den Protest gegen ein „Megavoltmonster“ durch den Thüringer Wald und das Coburger Land. Die Schalkauer Bürgerinitiative mache sich damit unglaubwürdig in ihrem Anliegen, dass es ihr um den Erhalt der Natur sowie um die Gesundheit von Mensch und Tier gehe.

Heftige Attacke

Deutlich wurde auch Gustav Humann, Leiter der Volkshochschule Sonneberg und Sonneberger SPD-Kreisvorsitzender. Er sagte, die von der Schalkauer Bürgerinitiative „Gegen eine Trassenführung durchs Schaumberger Land“ präsentierte alternative Leitungsführung zur Umgehung des Bleßbergs entlang der Autobahn sei sicherlich eine Möglichkeit, Belastungen der Landschaft so gering wie möglich zu halten. Aber bei der vorgeschlagenen Alternative gehe man, so Humann, „leider davon aus“, dass eine neue Nord-Süd-Trasse notwendig sei, wie es vom Netzbetreiber Vattenfall Europa Transmission immer wieder behauptet werde. Dies sei aber bis heute nicht endgültig belegt.

Humann tritt dafür ein, die vorhandene 380-kV-Leitung von Remptendorf nach Redwitz an der Rodach zu verstärken. Dies werde allerdings von Vattenfall Europe Transmission wegen angeblich zu hoher Kosten abgelehnt, obwohl E.ON diese Lösung ganz am Beginn des Verfahrens vorgeschlagen habe.

Auch der Sprecher der Bürgerinitiative „Achtung Hochspannung“ im Ilmkreis, Gerhard Behrends, attackiert die Schalkauer BI heftig. Nötig seien Mitstreiter, „deren Horizont über den eigenen Zaun hinausgeht, die die Region im Sinn haben – Thüringen wie das Coburger Land“, sagte Behrends. Er lobte damit indirekt die BI Fürth am Berg, die mit den Ilmenauern eng zusammenarbeitet.

Gegen solche Vorhaltungen verwahrt sich Bernd Büttner, Sprecher der Schalkauer Bürgerinitiative gegen die Trassenführung der 380-kV-Leitung durch das Schaumberger Land. Die Thüringer Tageszeitung Freies Wort zitiert Büttner am Montag, der erklärt habe, „wir verfolgen unsere Strategie unbeirrt weiter“. Es werde, so der Schalkauer, vermutlich wenig nutzen, eine totale Verweigerungshaltung gegen die geplante Stromleitung einzunehmen. Büttner: „Wer keine praktikable Alternative zur Diskussion stellt, kann im Thüringer Landesverwaltungsamt auch nicht gehört werden“.

„Besserwisser“

Wer heute, wie beispielsweise die Bürgerinitiative Fürth am Berg, von einer 100-prozentigen Verkabelung spreche, sollte die Trasse nicht verhindern sein, „der weiß nicht mehr, wovon er redet“. Tatsache sei, dass Vattenfall die Notwendigkeit der 380-kV-Leitung begründet habe. Büttner: „Niemand wird die Trasse verhindern können, da alle Gesetze zur Energieentwicklung von Brüssel bzw. Berlin den Bau der Trasse befürworten.“

Deshalb habe die BI Schalkau den neuen Vorschlag zum Verlauf der Leitungstrasse vorgestellt. Er sei verträglich, „da uns bewusst wurde, dass die Trasse nicht zu verhindern ist und dass das Maximum, was die Bürgerinitiative erreichen kann, ein verträglicher Trassenvorschlag ist“. Dieser schone, so Bernd Büttner, „unsere Menschen und Natur“. Man lasse sich, so der BI-Sprecher abschließend, „nicht von so genannten Besserwissern, die weniger wissen als wir, vor einen Karren spannen“. (wb)

Quelle Freies Wort vom 05.03.2007

 

 

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