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„Erdverkabelung wäre kein Erfolg“

23.09.2008 | Gegner sehen im Ausbaugesetz einen Skandal und wollen den politischen Druck erhöhen
 
Erfurt – Einen Erfolg wollten die Gegner der Hochspannungsleitung durch den Thüringer Wald in der Abstimmung am vergangenen Freitag im Bundesrat nicht sehen. „Wir sehen keinen Vorteil darin, wenn man eine Stromtrasse, die eigentlich nicht benötigt wird, unter der Erde verlegt“, sagte Siegfried Kriese, Sprecher der Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung“, gestern in Erfurt. Mit politischem Druck wollen die Gegner des Projektes nun verhindern, dass das Gesetz zum beschleunigten Ausbau der Höchstspannungsnetze einfach so den Bundestag passiert, erklärte die Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterin von Großbreitenbach (Ilmkreis), Petra Enders (Linke). Denn das Gesetz ist in ihren Augen „ein Skandal“, weil der Bau von insgesamt vier Stromtrassen in Deutschland gegen Bürgerproteste durchsetzt werden soll. „Offensichtlich kommen Politik und Konzerne mit den Meinungsäußerungen der Bürger nicht zurecht“, sagte Kriese.

Am Freitag hatte der Bundesrat Ergänzungen zum geplanten Gesetz abgeschmettert. Diese sahen vor, den Wunsch nach Erdverkabelung aus der Textvorlage zu streichen. Die Landesregierung wertete das als tollen Erfolg, macht sie sich doch für eine unterirdische Querung des Rennsteigs stark. „Hier wird aber der zweite Schritt vor dem ersten getan. Zunächst sollte nachgewiesen werden, ob die Leitung überhaupt gebraucht wird“, sagte Kriese. Das ist aus Sicht der Gegener nicht der Fall. Sie stützen sich dabei auf ein Gutachten, das sie selbst in Auftrag gegeben hatten. Hämische Kritik haben sie nur für die Landesregierung übrig, die ein weiteres, deutlich teureres in Auftrag gegeben hat. Dieses soll aus ihrer Sicht nur dazu dienen, die Stromtrasse zu rechtfertigen.
 
Petra Enders will das Gesetzgebungsverfahren nun politisch torpedieren. Bereits am Donnerstag soll der Stadtrat Großbreitenbach einen Beschluss fassen, in dem sich die Stadt gegen den gesetzlich verordneten Leitungsbau ausspricht. Ähnliche Schritte will die Linke auch im Kreistag anstoßen. Man hoffe, dass viele Gemeinden dem Beispiel folgen werden. Außerdem werde man Kontakt zu Bundestagsabgeordneten suchen.

Modellvorhaben in Zusammenarbeit mit der TU

Ob man dort jedoch auf offene Ohren stößt ist fraglich. Bislang hat die Interessengemeinschaft, die aus mehreren Bürgerinitiativen besteht, nicht nur gute Erfahrung gemacht. Mehr als 20 Abgeordnete hatte man zu eine Podiumsdiskussion eingeladen. „Wir wollten allen Parteien die Möglichkeit geben, sich zu äußern“, erklärte Peer Schulze von der Interessengemeinschaft. Reagiert hätten jedoch die wenigsten. „Ein Abgeordneter hat für ein Erscheinen sogar ein Honorar gefordert“, berichtete Enders.

Neben dem politischen Druck wollen die Trassengegener zudem technische Alternativen voranbringen. Diese gibt es aus ihrer Sicht. So würden andere Stromkonzerne erfolgreich mit Leitungsmonitoring und Hochtemperaturseilen arbeiten. Beide Varianten seien geeignet, die vorhandenen Leitungen besser zu nutzen. Damit würde die 380-kV-Trasse durch den Thüringer Wald endgültig unnötig. Doch bei Vattenfall wolle man davon nichts wissen, weil es sich nicht um gängige technische Verfahren handele. „Das ist in meinen Augen ein Verhalten in Neandertaler-Manier“, meinte Enders. Gemeinsam mit der Technischen Universität Ilmenau wolle man nun an einem Pilotprojekt in Thüringen für die neuen Verfahren arbeiten. „Es wäre an der Zeit, dass die Landesregierung ein solches Vorhaben unterstützt. Es wäre gut für den Ruf Thüringens, wenn einheimische Unternehmen sich mit solchen Technologien profilieren können“, sagte die Landtagsabgeordnete. Doch nicht nur neue Verfahren zum Stromtransport unterstütze man, sondern auch Technologien, mit denen der Strom gespeichert werden kann. „Nach unserer Meinung wäre eine Mischung aus dezentraler Stromgewinnung und Speicherung von regenerativen Energien die ökologischste Variante. Dann müsste Strom viel seltener transportiert werden“, so Enders. jol

Quelle Freies Wort vom 23.09.2008



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