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Tunnellösung ist nicht des Pudels Kern

01.07.2008 | Bürgerinitiativen und betroffene Gemeinden sehen sich erneut in die Defensive gedrängt

Schalkau/Masserberg/Coburg Die Bundesregierung hat kürzlich ihr zweites Klimaschutzpaket geschnürt. Es würde, wenn es vom Bundestag verabschiedet wird, für die geplante 380-Kilovolt- Hochspannungs- leitung von Altenfeld zum Umspannwerk bei Redwitz an der Rodachgreifen. Bürgerinitiativen kämpfen gegen den Gesetzentwurf.

Auch wenn Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) an die Betroffenen und die Umweltverbände appelliert, sich gegenüber dem Bau neuer Leitungen kooperativ zu verhalten, lehnt die thüringisch - bayerische Interessengemeinschaft Achtung Hochspannung (IG) die 380-kV-Leitungweiterhin kategorisch ab. Sie sei nur notwendig, um Strom von 20 im Bau befindlichen bzw. geplanten Kohlekraftwerken in den Süden zu transportieren. Dies widerspreche der Klimapolitik Deutschlands.

Die Gefahr einer Verschandelung des Oberen Waldes durch eine Stromtrasse mit zum Teil mehr als hundert Meter hohen Masten ist auch nach den jüngsten Beschlüssen zur Erdverkabelung nicht gebannt. Nach Ansicht der betroffenen Gemeinden im Thüringer Wald handelt es sich bei dem Gesetzesentwurfdes Bundeskabinetts um eine Mogelpackung.

Über den Kompromiss lässt sich streiten, sagte der Masserberger Bürgermeister Friedel Hablitzel (SPD). Zwar werde nun möglicherweise ein Teil des Rennsteigs durch einen Tunnel geschützt. Aber was ist mitdem Rest?, fragte er.

Im Rahmen ihres Klimaschutz-Pakets hatte die Bundesregierung den Entwurf zu einem Netzausbaugesetz vorgelegt. Darin ist die vom Energiekonzern Vattenfall geplante Starkstromtrasse durch den ThüringerWald in ihren sensiblen Bereichen als Pilotprojekt für Erdkabel aufgenommen worden. Die im Vergleich zu Masten mindestens drei Mal höheren Kosten für eine unterirdische Verkabelung sollen auf denStrompreis umgelegt werden dürfen. Im Gegenzug soll das Genehmigungsprozedere deutlich gelockert werden, indem Gegner nur noch in einer Gerichtsinstanz klagen dürfen.

Tunnel nicht die beste Lösuung

Auch die Tunnelvariante wäre nicht die beste Lösung für Masserberg, sagte Hablitzel. Dafür müssen ja genauso Schneisen geschlagen werden. Deutliche Kritik übte die Auengrunder Bürgermeisterin PetraGnepper (Freie Wähler). Die Entscheidung wurde nicht zugunsten der Bürger, sondern der Stromkonzernegefällt, sagte sie. Durch die Verkürzung des Rechtsweges auf eine Instanz würden die Bedenken der Bürger ignoriert.

Mit dem neuen Gesetz bekäme Vattenfall nun die Chance, schneller zu bauen. Allerdings ist entgegen ursprünglichen Plänen die erste Genehmigungsphase für den Abschnitt von Altenfeld bis zur bayerischenGrenze immer noch nicht eröffnet. Dabei sollte eigentlich bereits heuer hier Strom durchfließen.Hablitzel bekräftige das Argument der Trassengegner, wonach die Leitung nicht in dem von Vattenfall geplanten Ausmaß benötigt wird. So könnten bestehende Kabel stärker ausgebaut werden, stattRiesenmasten zu errichten. Und so argumentieren auch die Wortführer der Trassengegner, die vereintenBürgerinitiativen der IG Achtung Hochspannung! und die Großbreitenbacher Bürgermeisterin Petra Enders. Nicht ein Erdkabelprojekt des Bundes löst die Thüringer Probleme mit dieser Leitung, sagte Enders. Vielmehr müsse die Landesregierung endlich Verantwortung wahrnehmen und sich für einModellprojekt zur Ertüchtigung bestehender Leitungen einsetzen.

Beim gesamten Trassenverlauf am Rennsteig hat sich Vattenfall auch noch nicht festgelegt. Zur Debatte steht einmal die kürzere Strecke entlang der ICE-Trasse von Altenfeld über Goldisthal bis Schalkau. Dieandere Variante würde über Gießübel, Schleusingen, Sachsenbrunn, Eisfeld und Schalkauer Gebietführen.

Der Chef der Netzsparte des Stromkonzerns, Wolfgang Neldner, hatte sich am 13. Juni mit Bundes- und Landtagsabgeordneten der Region auf der Domäne Schaumberg bei Schalkau getroffen, um den Stand desVorhabens zu erläutern. Mit in der Runde saß auch der Schalkauer Bürgermeister Reinhard Zehner. Erhabe bei dem Gespräch noch einmal die Positionen des Schaumberger Landes unterstrichen, indem er erstens forderte, bei der Planung der Stromtrasse das Landschaftsbild zu beachten und zweitens die Nähezu Siedlungsräumen zu berücksichtigen.

Für Bernd Büttner, Sprecher der Bürgerinitiative Gegen die 380-kV-Trasse durchs Schaumberger Land kann am Bau der Hochspannungsleitung eh nicht mehr gerüttelt werden. Und ob es Sinn macht, einekleine Strecke über den Rennsteigkamm unterirdisch verlegen zu können, wagt er zu bezweifeln. EinTunnel könnte nach seiner Auffassung dem Rennsteig mehr schaden als nützen. Büttner bleibt seinem Standpunkt treu: Keine neue Schneise durch den Thüringer Wald! Statt dessen sieht er in einer Bündelungauf bestehende Trassen und die Weiterführung entlang der Autobahn die einzig logische Variante. (red)

Quelle Freies Wort vom 01.07.2008



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