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Die Zukunft nach der Leitung

14.06.2008 | Ist die 380-kV-Trasse demnächst überflüssig? Eine Diskussion ohne Befund Von Redaktionsmitglied (FW) Jens Voigt 

Ilmenau – Die Zukunft der Energieversorgung hat in Ilmenau schon ein wenig begonnen: Die Stadtwerke machen Strom im Öko-Mix  
Petra Enders Bürgermeisterin Großbreitenbach und MdL Linke beim Protestmarsch gegen die geplante 380-kV-Leitung , die nach den Plänen des Stromkonzerns Vattenfall Thüringen, den Thüringer Wald und Oberfranken queren soll.
Bild: ari 
 
aus Gasturbine, Biomasse, Solar und Kraft-Wärme-Kopplung; am Fraunhofer-Zentrum wird an Batterien für ganze Windparks geforscht. Dirk Westermann von der TU rechnet vor, was möglich wäre, würden Kraftwerke, Leitungen und Verbraucher ein einziges komplexes System: 30 Prozent Steigerung bei der Effizienz kämen locker zustande, bis zu 40 Prozent weniger Regelleistung müsste vorgehalten werden, weniger Kohlekraftwerke also, weniger Gasturbinen. Ein Segen für das Klima.

Aber noch ist die Zukunft überwiegend Pilotprojekt, Rechenmodell oder irgendwie auf dem Wege, wie das „Energietechnische Zentrum Thüringen“, das TU-Rektor Peter Schafft vorstellt. Vorerst geht es, eigentlich, um die Frage: Ist, wer gegen die 380-kV-Leitung durch den Thüringer Wald protestiert, ein Klimasünder und Saboteur der hehren Ziele der Bundesregierung?

Ein schwieriger Spagat. Denn eines zieht sich durch alle Referate der „Energiekonferenz“ im Uni-Technikum: Auch und gerade die Energieverteilung der Zukunft wird ein Netz brauchen, sicher intelligenter zu managen als heute, aber doch ein Netz. Und auch mit Höchstspannungsleitungen. Wieviele und in welcher Auslegung, das allerdings hängt von sehr politischen Entscheidungen ab. Unter anderem der, ob Kraftwerke und Netze doch wieder integriert werden. Nur dann nämlich ließe sich die absurde Situation beseitigen, die Yvonne Saßnick, Großprojekte-Managerin bei Vattenfall Europa Transmission, so beschreibt: „Ich habe keinerlei Verbindung zu unserer Kraftwerke-Tochter. Was die einspeisen wollen, müssen wir umsetzen.“ Die bisherige Gesetzeslage biete keine Handhabe, bei starkem Windstrom-Aufkommen etwa die konventionellen Kraftwerke einfach herunterzuregeln. Die seit 1998 geltende Trennung zwischen Erzeugung und Verteilung befördert so auch die Pläne der Energiekonzerne für den Bau neuer Kraftwerke, die fossile Rohstoffe verbrennen. Über 20 Kohle- sowie Gaskraftwerke sollen in den nächsten Jahren in Deutschland entstehen, davon über die Hälfte im Vattenfall-Gebiet. Bärbel Höhn, langjährige grüne Umweltministerin in Nordrhein-Westfalen, übersetzt die Konsequenzen dieser Vorhaben in Klima-Wirkungen: Kommen die Kraftwerke, steigt der deutsche Co2-Ausstoß um 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Da die Bundesrepublik nach ihren eigenen Vorgaben aber bis 2050 fast 300 Millionen Tonnen Co2 einsparen will, bliebe für den Rest der deutschen Wirtschaft kaum noch Ausstoß übrig.


Planfeststellung für nächsten Abschnitt bis Juli

„Dieser Kraftwerks-Neubau erwürgt entweder die deutsche Wirtschaft - oder die ganze Klimaschutzpolitik ist erledigt“, urteilt Höhn. Und Ilmenaus vorbildlicher Klima-Einsatz mit 1,5 Tonnen CO2-Reduzierung je Einwohner leider umsonst. Vorerst aber sind Netze und Erzeuger getrennt, muss Vattenfall-Managerin Saßnick ihre Netzplanung so anlegen, dass im Zweifel alle Kraftwerke und Windparks gleichzeitig ihren Strom einspeisen können. „Ohne die Leitungsneubauten, auch zwischen Halle und Schweinfurt, geht das nicht“, betont Saßnick; diese auch wirtschaftliche Notwendigkeit sei erwiesen und werde demnächst auch im Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt Vieselbach-Altenfeld belegt. Voraussichtlich bis Juli, so Saßnicks Kollege Bernhard Segbers, wird Vattenfall den Antrag zur Planfeststellung für diesen Abschnitt einreichen.

In zehn Jahren, so Peter Bretschneider vom Fraunhofer-Zentrum, könnte es Batterien geben für den Jahres-Strombedarf eines ganzen Hauses, ebenso wahrscheinlich Systeme, die Energie für den Kühlschrank nach den darin verwahrten Lebensmitteln beziehen. Die Zukunft, sie wird weniger Strom heißen und mehr Intelligenz.

Aber die Zukunft, so sieht es aus, kommt wohl erst, wenn die Stromleitung über den Rennsteig längst steht.

Quelle Freies Wort vom 14.06.2008



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