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Funkensprung zwischen Plus und Minus

14.06.2008 | Versorgungszukunft und 380-kV-Trassenpläne: Dialog und Disput von Klaus-Ulrich Hubert 

Ilmenau – „Dass wir als Bürgerinitiativen überhaupt von den regierenden Parteien wahrgenommen wurden!“ Dieser Satz von Siegfried Kriese, Vorstandssprecher der Bürgerinitiativen-Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung!“, war gestern fast Schlusswort zur ganztägigen Energiekonferenz an der Technischen Universität.

Kriese antwortete damit auf die Frage der prominenten Moderatorin einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Alternative Energien kontra 380-kV-Trasse?“ – Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt wollte wissen: „Machen die Bürgerinitiativen gegen die geplante Höchstspannungstrasse nun weiter?“ Krieses Zuversicht teilte am Ende der streitbaren Runde, zu der am Podium die „Plus-Minuspole“ in Sachen Trassenneubau-Notwendigkeit saßen (Gutachter Prof. Lorenz Jarass und Vattenfall-Großprojekt-Chefin Dr. Yvonne Saßnik) auch Petra Enders. Als Linke-Landtagsfrau und Bürgermeisterin der (von der nun zweiten Höchstspannungs-Trasse) betroffenen Stadt Großbreitenbach gehörte sie zu den maßgeblichen Initiatoren der Konferenz, die in acht wissenschaftlichen Vorträgen Stand und Zukunft des Zusammenspiels konventioneller und alternativer Energien, deren Speicherung und Transport beleuchtete. Enders, als Reaktion auf Wortmeldung von Bernhard Segbers (Vattenfall-Chef für Genehmigungsverfahren), der den Vorwurf der Steuerverschwendung angesichts abgeschlossenen Raumordnungsverfahrens schon vor Trassen-Notwendigkeitsprüfung zurückwies: „Wir mögen mit unserer städtischen Klage beim Oberverwaltungsgericht Thüringens gescheitert sein. Aber wir werden sehen, wie das Bundesverwaltungsgericht u.a. dazu steht, dass ganze Stäbe im Landesverwaltungsamt mit dem Raumordnungsverfahren beschäftigt waren, bevor Vattenfall den Nachweis der Trassen-Notwendigkeit beibrachte!“ Geradezu süffisant und mit bitter-süßem Humor trug Prof. Jarass (Wiesbaden) erneut die Aussage seines Institutes vor, das von 33 Bürgerinitiativen, Kommunen und Landkreisen (u.a. Ilmkreis) mit einem Notwendigkeits-Gutachten beauftragt war: „Windenergiebedingt, wie behauptet, ist die geplante Trasse nicht!“ Jarass verwies auf Mängel der betagten ersten energiepolitischen Studie der Deutschen Netzagentur (DENA), die nun durch Neufassung korrigiert seien: Nämlich Fragen wirtschaftlicher Zumutbarkeit von Trassenneubauten im Verhältnis zum Nutzen von absehbarem Mehrbedarf bei Windenergietransport. Dies vor dem Hintergrund von preiswerteren Optimierungen bestehender Trassen. So u.a. durch Freileitungsmonitoring. Über dessen Stand der Technik zuvor Dr. Frank Andreas (IMKS Jena) referierte. Jarass‘ Kritik, dass nicht in dem Maße, wie mehr Windenergie anfällt, auch die (klimapolitisch gewollte) Minimierung konventioneller Kraftwerksleistung erfolgt, sieht er in Vattenfall-eigenen Lastfluss-Angaben bestätigt: „Ging‘s bislang um Versorgung der Verbraucher, steht nun quasi ,Entsorgung‘ von Windenergie im Vordergrund!“ Echte Zukunftslösungen zur Alternativenergienutzung sähen im (mindestens) europäischen Rahmen anders aus als die Trasse von Vattenfall. Darin sah sich Jarass auch in der vor Wochenfrist novellierten Fassung des Erneuerbare Energien Gesetzes bestätigt.

„Stoische Ruhe und Zurückhaltung“ bestätigte Bundestagsvizepräsidentin (Bündnisgrüne) Göring-Eckardt als Moderatorin der Podiumsteilnehmerin von Vattenfall-Europe-Transmission, Dr. Saßnik. Die notierte u.a. während Jarass‘ Impulsreferat zum Diskussionsauftakt, in dem er auch den neuen gesetzlichen Veröffentlichungszwang von Energiekonzern-Daten als Kontrollmöglichkeit „auf dem Marktplatz Internet“ begrüßte, ihre Gegenargumente. „Wer ,A‘ sagt zu neuen Energien muss auch ,B‘ sagen... zu neuen Netzen. Selbst wenn diese, wie auch die Windkraftwerke, freilich Landschaftseingriffe darstellen.“ Saßnick wies empört die Kritik an der DENA zurück (Zwischenruf: „Und wer finanziert die?“) und sie verwies darauf: Sie sitze hier nicht als Vertreterin der Kraftwerksbetreiber, zu denen man keine Verbindung habe, sondern für den Netzbetreiber. Und der bekomme von den Kraftwerken, die (Zitat) „freilich zurzeit gut verdienen“, den Fahrplan zum Einkauf von Regelenergie. Plus windabhängige Alternativenergie.

Uni-Rektor Prof. Peter Scharff, der als neutraler Gastgeber zwischen den „Polen“ des Disputes nicht werten wollte, welche „Plus“ oder „Minus“ darstellen, kam mit chinesischer Weisheit: „Jeder Weg beginnt beim ersten Schritt. Die Konferenz war ein solcher.“

Quelle Freies Wort vom 14.06.2008



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