»Kontakt    »Impressum   

Zu viel steht auf dem Spiel

25.03.2008 |600 Trassengegner aus Thüringen und Bayern trafen sich in Herbartswind Von Christel Kühner - Freies Wort

Herbartswind – Diesen Ostermontag-Nachmittag wird im 120-Seelen-Ort Herbartswind keiner so schnell vergessen, und das nicht nur wegen des winterlichen Weiß’ ringsum. An Feiertagsruhe und Beschaulichkeit nämlich war für einige Stunden überhaupt nicht zu denken. Stattdessen: Ordner an den Ortseingängen, Kameraden und Fahrzeuge der Feuerwehr unterwegs, hier und da ein Polizeiauto – und vor allem: Hunderte von Leuten. Die kamen aus allen Richtungen, mit Transparenten, mit Trillerpfeifen und mit einem unmissverständlich formuliertem Ziel: Stoppt die 380-kV-Trasse!

Ziel der zweiten kreis- und länderübergreifenden Oster-Protestaktion gegen die Vattenfall-Pläne war in diesem Jahr der Herbartswinder Berg. Mindestens 600 Trassengegner, so die Schätzung der Bürgerinitiative Bockstadt-Herbartswind-Heid-Eisfeld, hatten sich dorthin auf den Weg gemacht. Mit Bussen aus dem Ilmkreis waren sie angereist, per Pkw bis zu einem der Parkplätze gekommen und – Ehrensache für einen Ostermarsch – das letzte Stück zu Fuß unterwegs. Vom Bahnhof Eisfeld aus, vom Bockstädter Dorfplatz oder von der Landesgrenze Thüringen-Bayern.

Allein von Eisfeld aus hatten sich gegen 14 Uhr am gestrigen Nachmittag etwa150, 160 Leute auf den Weg gemacht. Etwa eine Stunde seien sie unterwegs gewesen, so Stadtrat Klaus Trebschuh. Und für jeden von ihnen sei es wichtig, sich dem Protest gegen das geplante Trassenmonster anzuschließen. Schließlich stehe viel zu viel auf dem Spiel. Bekräftigendes Nicken in der Runde.

Wer sich nicht wehrt ...

Mit privaten Pkw angereist waren etwa 50 Mitglieder der Bürgerinitiative Auengrund/Nahetal-Waldau. „Wer sich nicht wehrt, hat schon verloren“, begründete Hans-Joachim Rohrmann seine Teilnahme an der Aktion. Die Hoffnung, dass Protest etwa bewirken kann, die habe er längst noch nicht aufgegeben. Und wenn er sich umblicke, dann fühle er sich zigfach bestätigt.

Bestätigt in seinem Engagement und in dem der Bürgerinitiative fühlte sich auch Bockstadts Bürgermeister Sven Gregor. Sogar das ansonsten wenig freundliche Osterwetter hatte er gestern auf seiner Seite. „Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, damit der heutige Tag ein Erfolg wird“, verriet er. Und in das „wir“ schloss er beispielsweise die Frauen aus Herbartswind und Bockstadt ein, die etliche Bleche Kuchen gebacken und hinauf den Berg gebracht hatten. Oder die beiden Feuerwehrvereine, die sich für die Versorgung der Teilnehmer zuständig fühlten, ebenso wie viele weitere Helfer.

Und nicht nur für Essen und Trinken und damit für ein wenig Volksfest-Charakter war gesorgt auf dem Herbartswinder Berg. Musikalisch begrüßt wurden alle Ostermarschierer vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Eisfeld und von den Leitentaler Musikanten aus Harras.

Der Ort des Zusammentreffens, erklärte dann Sven Gregor zu Beginn der Abschlusskundgebung, sei mit Bedacht gewählt. Vom Berg nämlich hat man einen tollen Blick auf den Südhang des Thüringer Waldes. „Von hier aus kann man sich sehr gut vorstellen, wie die geplante Trasse die Landschaft verunstalten würde“ sagte Bockstadts Bürgermeister. „Egal, ob sie nun am Fuße des Bleßberges verlaufen würde oder, nach Variante zwei, von der A 73 kommend bis zum ehemaligen Grenzübergang und weiter nach Heid.“ Auch wenn man die Mitglieder der Bürgerinitiativen als rebellisches Bergvolk bezeichne oder, wie unlängst im ARD-Magazin „Bericht aus Berlin“ als „eine Handvoll Trassengegner, die nichts bewirken werden“ – entmutigen lassen wolle man sich keinesfalls.

Post nach Berlin und Erfurt

Bevor dann die Sprecher der Bürgerinitiativen das Wort ergriffen, oder auch Gäste aus der Politik wie Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), forderte Sven Gregor die Teilnehmer auf, sowohl Ministerpräsident Dieter Althaus als auch den Bundeswirtschaftsminister Michael Glos mit Post zu bedenken und auf diese Weise ganz persönlich den Protest gegen die 380-kV-Leitung zu untermauern. Karten seien vorbereitet, sagte er, und für deren Weiterleitung werde die Bürgerinitiative sorgen.

An die 500 solcher Karten werden demnächst ihren Weg nach Berlin und nach Erfurt antreten. Und dem Ostermarsch werden weitere Aktionen folgen.

Quelle Freies Wort vom 25.03.2008



 WEITERE AKTUELLE INFORMATIONEN

Der Schnappschuss des Tages!!!Am 01.05.2014 war an der ICE-Brücke am Froschgrundsee bei Rödental ein Groß-Banner mit folgender... mehrmehr
Das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der 380kV-Trasse Landesgrenze Bayern/Thüringen - Redwitz a. d. Rodach wurde eröffnet. Seit 17.09. haben... mehrmehr
Auswertung der politischen Umfrage (vom Juni/Juli 2013) zu Netzausbau und Energiewende in Deutschland: In der Interessengemeinschaft „Achtung... mehrmehr
Am 18.07.2013, 11:30 Uhr findet eine mündliche Verhandlung in der Verwaltungsstreitsache 380 kV Südwest-Kuppelleitung statt (Stadt... mehrmehr
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und die UVP-Gesellschaft e.V. (Gesellschaft für die Prüfung der Umweltverträglichkeit)... mehrmehr
 

Copyright © 2007 - 2013
Achtung-Hochspannung.de
Alle Rechte vorbehalten

©design by nineteen62