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VERSPANNUNG

05.03.2007 | Bei einem Kongress zur Energiepolitik rätselte die Linkspartei, was ihr wichtiger ist: Klimaschutz oder die Interessen der Anwohner.

SÖMMERDA. Der Mann am Mikrofon hat eine Idee. Das mit der Starkstromtrasse, sagt er, das sei doch viel zu kurz gedacht. Man müsse das große Ganze sehen, volkswirtschaftlich, gesellschaftlich und überhaupt. Die Bundesregierung müsse die Unternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg eben nur dazu bringen, in den Norden umzusiedeln, dorthin, wo der viele Windstrom entsteht.

Na, na, mahnt Fraktionschef Dieter Hausold, Zwangsumsiedlungen, das will bei uns doch keiner.

Seine 80 Zuhörer schweigen. Viele im Sömmerdaer Volkshaus sind Linkspartei-Mitglieder, aber auch Fachleute und Vertreter von Stadtwerken, von Bürgerinitiativen, vom Stromkonzern Vattenfall sind gekommen. Um nur über eins zu diskutieren: Lässt sich die 380-Kilovolt-Leitung durch den Thüringer Wald verhindern oder nicht.

Die von Vattenfall geplante Trasse hat die Genossen in ein Dilemma gebracht. Einerseits will sich die Ex-PDS gern als modern präsentieren - und für den Klimaschutz, also auch für den Ausbau der Windenergie.

Dann aber müsste mehr Strom aus dem windreichen Norden in den Süden geleitet werden, sagen eine 800-Seiten-dicke Studie der bundeseigenen Energieagentur, Vattenfall und die Europäische Union. Und das ginge nur mit einer neuen Nord-Südleitung durch Thüringen.

Die Genossen wollen es sich aber auch nicht mit den Anwohner verscherzen. Zumal jemand aus den eigenen Reihen als deren Vorkämpferin auftritt: Petra Enders, Landtags-Abgeordnete und Bürgermeisterin von Großbreitenbach. Ganz in der Nähe soll diese Trasse den Thüringer Wald queren. Wir wollen sie nicht, sagt Enders immer wieder. Die 60 Meter hohen Masten verschandelten die Gegend, Touristen blieben aus, Anwohner würden krank von der elektromagnetischen Strahlung.

Dass die Leitung wirklich gebraucht werde, sekundiert ihr Fraktionschef Hausold, das stehe ja auch noch gar nicht fest. Das behauptete am Freitag zwar die CDU im Landtag. Doch da hatten die Genossen dem noch widersprochen.

Wer für mehr Windenergie ist, der muss auch für die Starkstromleitung sein, entgegnete Lutz Pscherer, Aufsichtsrat der Vattenfall Transmissions. Und auch den Vorschlag der Linkspartei, die Kabel in der Erde zu verbuddeln, lehnte er ab. Das kostet bis zu zehn Mal mehr und das würde dann auf den Strompreis umgelegt.

So teuer werde es schon nicht werden, glaubt Enders. Nur zwei bis sechs Cent mehr pro Monat. Erst recht nicht, wenn die Stromkonzerne endlich verstaatlicht werden würden.

Quelle Thüringer Allgemeine vom 05.03.2007 Falk Heunemann



 

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