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„Leitung nicht wegen Windstrom"

 29.01.2008 | (FW) Laut Gutachter braucht Vattenfall neue Stromtrasse, um konventionelle Kraftwerke auszulasten.
ErfurtBei der geplanten Hochspannungsleitung durch den Thüringer Wald gibt es, seit sich der Landtag im Dezember mit ihr befasste, wenig neue Fakten. Die Stromkonzerne Vattenfall und Eon wollen bauen, Kommunen und Bürgerinitiativen sind dagegen, und die Landesregierung sucht jegliche Festlegung durch Flucht in Gutachten oder ferne Tunnellösungen zu vermeiden. Doch Fakten sind nicht alles, es geht auch um Stimmungen, um Offensive und Defensive in der öffentlichen Wahrnehmung. Weshalb die „Präsentation“ der Endfassung des Trassengegner-Gutachtens gestern Anlass war, sämtlichen Leitungs-Befürwortern vor großer Medienschar noch einmal die Leviten zu lesen.

Lorenz Jarass, Volkswirt und Physiker aus Wiesbaden, erhärtet denn auch die zentralen Feststellungen seiner erstmals im Oktober 2007 verkündeten Studie: Für die Abführung künftiger Windstrom-Zuwächse von Nordost nach Südwest reiche es aus, die bestehende Leitung zwischen Remptendorf (Saale-Orla-Kreis) und Redwitz (Bayern) durch neue Hochtemperaturseile und das so genannte Leitungsmonitoring zu ertüchtigen. Demgegenüber sei ein Freileitungs-Neubau, der noch die letzte erzeugte Windstrom-Kilowattstunde aufnimmt, rund fünfmal teurer und wirtschaftlich nicht zumutbar. Nach Jarass’ Befund darf der Netzausbau nur auf maximal 65 Prozent der installierten Windkraft-Leistung ausgelegt werden, da ein Ableite-Bedarf darüber hinaus statistisch nur etwa eine Viertelstunde pro Jahr vorliegt und durch „Einspeisemanagement“ deutlich billiger auszugleichen sei als durch neue Leitungen. „Selbst wenn die Windmüller auch den nicht eingespeisten Strom vergütet bekämen, wären die Kosten noch günstiger“, betont Jarass und findet es „eine Selbstverständlichkeit, dass beim Netzausbau die kostengünstige Lösung Vorrang haben muss“. So stehe es im übrigen auch im novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Ende 2007 verabschiedet wurde.

Gänzlich ungerührt freilich blieb die Gegenseite seit dem Herbst-Gutachten von Jarass nicht. Vattenfall, Eon und die Deutsche Netz-Agentur (dena) monierten dessen Aussagen als „überzogen“ oder „fragwürdig“, in den Berechnungsgrundlagen. „Aber sie haben nicht eine unserer Feststellungen widerlegt“, unterstreicht der Wissenschaftler. Dafür hat er inzwischen etwas gefunden, was aus seiner Sicht das Beharren vor allem von Vattenfall auf der Neubau-Leitung mit vier Stromkreisen erklärt: Die so genannten Lastfluss-Prognosen des Konzerns bis 2012 weisen aus, dass Vattenfall selbst in Starkwind-Zeiten seine konventionellen Kraftwerke fast unter Vollast weiterlaufen lassen will. „Wenn man diese rund 10 000 Megawatt verkaufen will, braucht man den Netzausbau“, erklärt Jarass, „allein 6000 Megawatt sollen dann zusätzlich durch Thüringen geleitet werden.“ Damit ist für ihn klar: „Die geplante Leitung ist nicht windbedingt, sondern soll vor allem die volle Einspeisung aus konventionellen Kraftwerken auch in Starkwind-Perioden absichern, statt in diesen Phasen die Kraftwerke herunterzufahren.“ Damit aber könnte Windkraft nichts zur CO2-Reduzierung beitragen. „Vattenfall würde so die Klimaschutzpolitik durchkreuzen“, betont Jarass. Zu Lasten Südthüringens.

Dessen Protest, soviel machten gestern die Initiativen samt Koordinatorin Petra Enders (Linke) klar, wird anhalten. Jens Voigt

Quelle Freies Wort vom 29.01.2008



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