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Bürgerinitiative Schalkau gerät mit eigenem Vorschlag ins Schussfeld

23.02.2007 | SONNEBERG - Innerhalb des ersten Quartals haben die vom Trassenkorridor der von Vattenfall Europe geplanten 380-kV-Leitung betroffenen Gemeinden und Städte noch die Möglichkeit einer schriftlichen Stellungnahme zum Trassenverlauf vor dem Landesverwaltungsamt, nachdem es in der vergangenen Woche eine Anhörung aller Träger öffentlicher Belange gegeben hatte.

Eine Entscheidung über das Raumordnungsverfahren werde noch im ersten Halbjahr gefällt, hieß es in Weimar.

Doch die Kritiker der geplanten Trasse sind trotz zahlreicher Informationsangebote und öffentlicher Foren noch keineswegs von deren Notwendigkeit überzeugt. Allen voran Gustav Humann, Chef der Volkshochschule und SPD-Kreisvorsitzender. Schon beim ersten Gespräch mit hochkarätigen Vattenfall-Managern im Sommer 2006 auf dem Schalkauer Galgenberg hatte Humann Stellung bezogen und sich als Kenner der Materie empfohlen. Die - auch im Kreistag Sonneberg - von der Schalkauer Bürgerinitiative „gegen eine Trassenführung durchs Schaumberger Land" präsentierte alternative Leitungsführung zur Umgehung des Bleß entlang der Autobahn und Landesgrenze kommentiert Humann mit folgenden Worten: „Alternative Trassenführungen für die geplante 380-kV-Leitung durch den Thüringer Wald zu suchen, ist sicherlich eine Möglichkeit, um die Belastungen unseres Lebensraumes so gering wie möglich zu halten. Insofern ist der Einsatz der Bürgerinitiative lobenswert. Aber bei der vorgeschlagenen Alternative geht man leider davon aus, dass eine neue Nord-Süd-Trasse notwendig sei, wie es vom Netzbetreiber Vattenfall Europe Transmission immer wieder behauptet wird."

Für Humann gibt es sehr wohl eine sinnvolle Alternative: „Die von E.on zu allererst vorgeschlagene Variante, die schon vorhandene 380-kV-Leitung von Remptendorf nach Redwitz zu verstärken, wird nach wie vor wegen angeblich zu hoher Kosten von Vattenfall Europe Transmission abgelehnt. Es stellt sich deshalb die Frage: „Können betriebswirtschaftliche Überlegungen eines ,Stromriesen‘ gegenüber den Interessen von Mensch und Natur Vorrang haben? - Ich bin der Meinung, die Wirtschaft hat unter Beachtung der ökologischen Erfordernisse zuallererst dem Menschen zu dienen - und nicht umgekehrt.

Zuerst dem Menschen dienen

Andererseits muss es uns doch zu denken geben, wenn jetzt plötzlich der Netzbetreiber bereit wäre, dem Vorschlag der Bürgerinitiative Schalkau zu folgen und eine fast doppelt so lange Leitung in Kauf zu nehmen.

Geht es Vattenfall vielleicht nur darum, möglichst schnell und ohne nennenswerte Proteste aus der Bevölkerung noch eine weitere, neue Trasse zu schaffen, um das einträgliche Geschäft mit dem Stromverkauf auszubauen? Wer nämlich kurzfristige Strompreisschwankungen zu Geld machen will, muss möglichst überdimensionale Übertragungskapazitäten vorhalten.

Solche Überlegungen mögen für Vattenfall Europe Transmission aus betriebswirtschaftlicher Sicht wichtig sein, aber müssen wir als Bürgerinnen und Bürger der Thüringer-Wald-Region dieses Geschäftsinteresse tolerieren, wenn unser Lebensraum derart benachteiligt wird?

Ich bin deshalb dafür, weiterhin die Zähne zu zeigen, denn nach wie vor fehlt der überzeugende Beweis von Vattenfall, dass eine Verstärkung des vorhandenen Übertragungsnetzes, zum Beispiel Remptendorf - Redwitz, ausgeschlossen ist."

Der „Alleingang" der Schalkauer (Bürgerinitiative und Stadtrat) bei der Anhörung im Landesverwaltungsamt sorgt indes auch für Missstimmung bei der Ilmenauer Bürgerinitiative „Achtung Hochspannung". Deren Sprecher Gerhard Behrens attackiert die Schalkauer nicht zum ersten Mal mit dem indirekten Vorwurf des „Verrats".

In einer Reaktion auf die im Vorspann angeführte Veröffentlichung schreibt Behrens unter anderem, dass die Schalkauer schon im Dezember geplant hätten, „ihr Ding gegen die Nachbarorte um Eisfeld und Effelder zu landen. Keine Frage, dort erkennt man nicht erst seit dem Treffen im Landesverwaltungsamt, wo der Schalkauer Hase hinläuft: Nur weg von der Stadt Schalkau mit der Trasse und den 100 Meter hohen Masten - egal wohin!" Weiter schreibt Behrens: „Ich glaube nicht, dass sich Eisfeld und die Gemeinden rund um Schalkau bedanken bei Ihnen. Für Spott über Schalkau ist die Sache auch zu ernst und die Schalkauer Bürger können nichts für Ihre Eskapaden ...

Sie waren in der Veranstaltung in der TU Ilmenau, müssten mitbekommen haben, wie der Vattenfall-Chef vor 270 Gegnern gerudert hat, weil Sie immer wieder die Notwendigkeit seines Vorhabens in Frage gestellt haben. Halt, Sie dürfen wir ja nicht mitrechnen. Sie waren ja an dem Tag wahrscheinlich schon auf der anderen Seite - ich kann es nicht anders sehen. Wem Sie am meisten schaden, weiß ich nicht. Es wird hauptsächlich Schalkau sein.

Dabei gibt es gar nicht so viel zu überlegen: Der Nachweis der Notwendigkeit muss vor jeder Trassendiskussion kommen. Und wenn Trasse, dann Erdkabel. Wenn das im Kreis Coburg genauso gesehen wird wie im Ilmkreis und noch weiter nördlich, dann sind doch Sie (...) der Vertreter der starren Linie, für Vattenfall und Landesverwaltungsamt der nützliche Knecht. Den Bürgern von Schalkau, die ihre Unterschrift unter Listen so verstanden sehen wollen wie wir, möchte ich empfehlen, sich zusammenzutun und bei den acht thüringischen und bayerischen Bürgerinitiativen mitzumachen. Wir brauchen Mitstreiter, deren Horizont über den eigenen Zaun hinausgeht, die die Region im Sinn haben - Thüringen wie das Coburger Land."

Quelle Freies Wort vom 23.02.2007

 

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