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Gemeinde unter Strom - Bürger kämpfen gegen Starkstromtrasse

16.01.2008 | Bayerisches Fernsehen - Politikmagazin Kontrovers. Es ist ein milder Vormittag in Ebersdorf bei Coburg. Am Rande des Thüringer Waldes, ein schönes Fleckchen Oberfranken. Nur - mit dieser Schönheit könnte es bald vorbei sein...

Denn eine riesige Hochspannungsleitung soll bald durch die Gemeinde führen. Das planen die Energiekonzerne Vattenfall und E.on. Pech für den, der hier wohnt, wie Klaus Petrich. Von seinem Haus aus soll er bald eine spannende Aussicht haben.

Klaus Petrich, Anwohner:
„Wir sind sehr überrascht worden von den Maßnahmen der e.on, und wir sehen das auch überhaupt nicht ein. Die Masten sollen auf einmal 60 bis100 Meter in der Höhe an uns vorbeigehen. Und die Mastenausleger sind vielleicht 100 Meter breit. Und man muss sich das mal vorstellen, bei einem der nächsten Stürme, die ja immer stärker werden sollen in Deutschland, kracht so ein Mast um und uns mitten aufs Dach. Das ist unverantwortlich.“

Im Ort hat sich eine Bürgerinitiative gegründet. Denn die Zeit drängt. Bis Ende des Jahres sollen die Masten stehen, so planen die Konzerne. Das wollen die Ebersdorfer unbedingt verhindern und stellen die Konzerne zur Rede.

Annette Martin, Vorsitzende Bürgerinitiative:
„Wir haben im Landtag eine Anhörung erwirkt. Und bei dieser Anhörung ist natürlich auch Vattenfall aufgetreten - mit einer Arroganz, die uns sehr schockiert hat. Er hat’s so hingestellt, als wäre das eine ganz sichere Sache, dass diese Leitung kommen wird und dass da hier keine Bürgerinitiative und auch kein politisches Mittel mehr dagegen zu setzen wäre, dass das schon beschlossen ist und fest ist, dass die Leitung kommt.“

Wo genau diese Leitung entlangführen soll, da zeigen sich die Stromkonzerne noch flexibel. Dem Bürgermeister haben sie deshalb eine Route vorgeschlagen, die nicht so nah an den Häusern der Menschen vorbeiführen soll. Aber die Möglichkeiten sind begrenzt, denn Ebersdorf liegt am Thüringer Wald, umgeben von Naturschutzgebieten. Der Vorschlag der Konzerne deshalb: Einfach mittendurch bauen.

Bernd Reisenweber, Bürgermeister Ebersdorf:
„Wir haben dort sehr viele Vogelarten. Wenn sie hier rüberschauen, den Waldsaum, den würde es so nicht mehr geben, der würde abgeholzt werden. Wir hätten da drüben einhundert Meter hohe Masten. Und ich habe mir sagen lassen, dass das noch eine touristische Attraktion sein könnte. Ich bitte sie, schauen sie sich das jetzt an und schauen sie sich das dann mit den Masten an.“

Eine touristische Attraktion? Die Energiekonzerne kämpfen derzeit für 840 Kilometer neue Stromleitungen durch Deutschland.

Christian Schneller, e.on Netz:
„Wir brauchen Hochspannungsmasten. Wir brauchen neue Leitungen vor allem deshalb, weil wir in Deutschland einen beispiellosen Zuwachs an Windkraft erlebt haben. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Windkraftanlagen wie hierzulande. Nun ist es so, dass diese Windkraftanlagen vor allem in den Küstenregionen, an der Nord- und Ostsee, stehen, der Strom aber in den Verbrauchszentren im Binnenland benötigt wird. Und wir müssen mit unseren Leitungen, dazu sind wir gesetzlich verpflichtet, die Verbindung herstellen zwischen den Windkraftanlagen an der Küste und den Verbrauchszentren in Deutschland.“

Fakt ist: Laut Bundesregierung soll der Anteil erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2015 mindestens 20 Prozent erreichen, zum großen Teil erzeugt in norddeutschen Windkraftwerken. Dieser Strom muss abtransportiert werden - nicht zuletzt, weil im Süden Deutschlands die Kernkraftwerke bald stillgelegt werden sollen.

Aber die Ebersdorfer wollen gar nicht verhindern, dass Strom von Nord nach Süd kommt. Sie haben nichts gegen Hochspannungsmasten. Wie denn auch - schließlich stehen in ihrem Ort schon welche. Die Leitungen aber sind den Konzernen zu schwach. Deswegen sollen neue Leitungen und neue Masten her. Aber ein Gutachten renommierter Energiewissenschaftler macht den Ebersdorfern Hoffnung: Der Stromtransport könne auch ohne neue Masten gesichert werden: "Die geplante Freileitung ist nicht notwendig. Die anzusehende Lösung besteht in einer Ertüchtigung der bestehenden Leitung."

Jetzt plötzlich - die Konzerne scheinen einzulenken. Vor ein paar Tagen das Angebot:

Christian Schneller, e.on Netz:
„Die Alternative, die zu Hochspannungsfreileitungen diskutiert wird, sind Erdverkabelungen. Erdverkabelungen, wie sie im Bereich der Verteilernetze üblich sind. Dazu ist zu sagen, dass wir als Unternehmen keine Präferenz haben. Wir können sowohl mit Erdverkabelungen als auch mit Hochspannungsfreileitungen leben.“

Also keine Masten durch Ebersdorf? Die Gutachter raten der Bürgerinitiative, sich nicht zu früh zu freuen. Kabelverlegung ist viel teurer als Masten. Aber hoffen dürfen die widerspenstigen Ebersdorfer: Denn überall in Deutschland regt sich inzwischen Widerstand gegen neue Hochspannungsleitungen.

Quelle Bayerischer Rundfunk vom 16.01.2008 - Politikmagazin Kontrovers



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