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Vorsicht bei Vattenfall

08.01.2008 | ILMKREIS. Vattenfall kommt ins Schleudern: Der selbst gestellte Zeitplan für den Bau der 380-kV-Leitung durch den Thüringer Wald ist längst unrealistisch - und damit auch der Trassenbau in diesem Jahr. Der Energiekonzern ist vorsichtiger geworden, gab selbst noch eine Studie zur Notwendigkeit in Auftrag und lehnt nun auch nicht mehr gänzlich ein Erdkabel ab.

"Die Sonne steigt und der Tragmast auch." Mit einem von solchen Sätzen gespickten Imagefilm hatte Vattenfall Europe Transmission vor einem Dreivierteljahr noch für seine Megastromtrasse werben wollen - doch die Botschaft einer technischen Meisterleistung kam ebenso wenig an, wie der Plan aufgehen wird, die Leitung bis Altenfeld noch dieses Jahr in Betrieb zu nehmen. Einiges deutet darauf hin: Erst vorigen Monat gab das Landesverwaltungsamt endgültig grünes Licht für den Abschnitt von der sachsen-anhaltinischen Landesgrenze bei Bad Lauchstädt bis Vieselbach - zehn Monate hat das Planfeststellungsverfahren gedauert. Und das, obwohl es "relativ wenige Einwände von Betroffenen" gegeben habe, so Behördensprecherin Petra Freytag.

Anderes ist bei den Abschnitten durch den Thüringer Wald zu erwarten: Schon im Raumordnungsverfahren gab es 220 Stellungnahmen, Großbreitenbach zog gegen dieses vor das Oberverwaltungsgericht (TA berichtete). Das Planfeststellungsverfahren sollte im vierten Quartal 2007 beginnen, spätestens im zweiten Quartal 2008 sollte Start der etwa acht Monate dauernden Bauarbeiten sein, verkündete Wilfried Fischer, Generalmanager bei Vattenfall Europe Transmission, noch vorigen April.

Das Ziel wurde verfehlt. Zum nun angestrebten Beginn der Planfeststellung nimmt Vattenfall nicht Stellung, erklärt Sprecherin Meike Wulfers. Gleiches gelte für das noch anstehende, ursprünglich für Juni anvisierte Raumordnungsverfahren zur Strecke zwischen Altenfeld und der Landesgrenze. Hierfür hatte das Landesverwaltungsamt Studien zur Verträglichkeit mit dem Naturschutz angefordert, diese seien noch in Arbeit.

Doch auch anderes soll wissenschaftlich untersucht werden: Vattenfall erklärte, zur energiewirtschaftlichen Notwendigkeit der Trasse kürzlich selbst eine Studie in Auftrag gegeben zu haben - bei wem, war nicht zu erfahren. "Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden wir die Notwendigkeit des Leitungsbaus ausführlich begründen", so Wulfers. Sie schloss nicht aus, dass die Studienergebnisse in die einzureichenden Planfeststellungsunterlagen einfließen. Prof. Dr. Lorenz Jarass hatte in einem Alternativgutachten die Notwendigkeit bezweifelt, die Deutsche Energie Agentur wies dies zurück.

Fest steht eines: Vattenfall ist vorsichtiger geworden, im Konzern selbst ist von "mehr Sorgfalt" die Rede: "Die Vorbereitungen für die verwaltungsrechtlichen Verfahren sind nicht mit mehr Arbeit verbunden, wir prüfen jedoch intensiver", sagt Wulfers.

Inzwischen ist Vattenfall die politische Dimension seines Vorhabens klar. Nachdem Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) im Sommer angekündigt hatte, eine Optimierung der Trasse entwickeln zu wollen, ist selbst für Vattenfall eine durchgehende Freileitung nun kein Muss mehr: "Wir halten für den Rennsteigkamm eine Kurzstielleitung mit niedrigeren Masten oder auch eine Pilotkabelanlage für denkbar", so Wulfers. Im Gespräch sei ein Kabel auf einer Länge bis zu 1000 Metern. Allerdings müsse die Bundesnetzagentur zustimmen, auch eine technische Machbarkeit und Umweltver-träglichkeit müssten überprüft werden, rudert der Energieriese gleich wieder etwas zurück.

"Der Vattenfall-Konzern hat erkannt, dass das Projekt nicht mit einem Handstreich zu erledigen ist in einem landschaftlich sensiblen Bereich wie dem Thüringer Wald", meint Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel (FBG). Die Chancen, das Projekt zu verhindern, seien auch dank des Jarass-Gutachtens gestiegen.

Seine Großbreitenbacher Amtskollegin Petra Enders (Linke) vermutet eine "abwartende Haltung" bei Vattenfall und vermutet, dass Gerichtsentscheidungen letztlich ausschlaggebend sein werden. Das Ende des Normenkontrollverfahrens zum Raumordnungsverfahren vor dem OVG sei noch nicht abzusehen, mitunter dauere dies noch mehr als ein Jahr, so Großbreitenbachs Anwalt Michael Kupfrian.

Quelle Thüringer Allgemeine, Kristin KAISER vom 08.01.2008



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