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Gutachten hat Gewicht

08.11.2007 | Verfahren zur Raumordnung soll gestoppt werden Das  Jarass-Gutachten hat nicht nur bei Skeptikern der geplanten Starkstromleitung durch Südthüringen und Nordbayern wie eine Bombe eingeschlagen. Derzeit nun läuft die Phase der Sondierung. Während sich die Gegner der 380-kV-Trasse durch den Thüringer Wald sammeln und gestärkt durch die Erkenntnisse des namhaften Wirtschaftswissenschaftlers und Wiesbadener Institutsleiters Professor Lorenz Jarass zum politischen und juristischen Sturm blasen, greift anderenorts Ratlosigkeit um sich. Speziell im Schaumberger Land, einem Planungsraum, der bei Leitungsführung direkt über den Bleß besonders von dem Vorhaben betroffen wäre, gehen derzeit die Meinungen über die praktischenKonsequenzen des Gutachtens auseinander.

Leitung noch nicht vom Tisch


BI-Chef Bernd Büttner aus Neundorf, seit jeher im Zweifel, dass sich das Trassenvorhaben gänzlich verhindern lässt, ist nach der Vorstellung der Jarass-Expertise am Montag im Coburger Landratsamt nach eigenem Bekunden an einem Punkt angelangt, wo ichs nicht mehr verstehe. Büttner, der bis dato davon ausgegangen ist, dass die Leitung gebaut werden muss, hatte die Zielrichtung der Bürgerinitiative darauf ausgerichtet, dass der Flurschaden für das Schaumberger Land gering bleiben soll. Gleichwohl sieht sich
Büttner als Realist, wenn er glaubt, dass die Leitung mit dem Gutachten noch nicht vom Tisch ist. Es stärke momentan die Ansichten der Leitungsgegner, die sagten, dass die Stromautobahn nicht gebrauchtwerde, sagte er.

Bewusst hinters Licht geführt

Im benachbarten Bockstadt (Kreis Hildburghausen) gibt sich die Bürgerinitiative weitaus kämpferischer. Deren Sprecher Sven Gregor selber überrascht über die rigorosen Konsequenzen der Studie sieht sich von Vattenfall bewusst hinters Licht geführt und von der Landesregierung verraten und verkauft. Mit einer Note an die Landesregierung will die Bürgerinitiative ihrer Forderung Nachdruck verleihen, die Ergebnisse der Studie in breiten Gremien Thüringens und Bayerns zu berücksichtigen. Vattenfall und Eon werden aufgefordert, die Anträge zum Bau der Trasse zurückzuziehen und unter Berücksichtigung hochmoderner Technologien neu zu planen. Laufende Genehmigungsverfahren müssten unverzüglich gestoppt werden, fordert die Bürgerinitiative. Auch von den Landtagsabgeordneten werde nun erwartet, dass sie Druck auf die Landesregierung ausübten, hieß es. Selbst eine Klage schloss Gregor nicht aus, sollte der Bau der Leitung nicht gestoppt werden können.

Dass, wie Jarass behauptet, das Thüringer Landesverwaltungsamt im Zusammenhang mit dem Raumordnungsverfahren bislang auf projektbezogene, überprüfbare Unterlagen verzichtet habe, vergrämt auch den Schalkauer Bürgermeister Reinhard Zehner. Die Stadt ist beteiligt an der Finanzierung des unabhängigen Gutachtens. Zehner, der eigens eine Sitzung seines Hauptausschusses, die für Montag anvisiert war, um einen Tag verschob, um in Coburg mit dabei zu sein, wenn das Expertengutachten präsentiert wird, hofft, dass die Sache in der Landesregierung jetzt mal ernst genommen wird. Nach seiner Meinung macht es Sinn, die länderübergreifende Wirkung des Gutachtens mit dem Potenzial der 33 Interessengruppen zu verbinden, um die zuständigen Fachministerien beider Bundesländer zur ernsthaften Überprüfung der Notwendigkeit des Bau zu bringen. Das Gutachten, das im Schalkauer Hauptausschuss intensiv diskutiert worden sei, könne nun nicht mehr so einfach vom Tisch gefegt werden, befand Zehner. Sowohl die Energiekonzerne als auch die Politik müssten sich positionieren. Man warte auf eine Erwiderung von Vattenfall und Eon. Auch im Schalkauer Stadtrat sei man sich darüber einig gewesen, dass die neuen Erkenntnisse der Studie dazu Anlass geben müssten, in das Raumordnungsverfahren einzugreifen bzw. es aufzuheben.

Studie positiv aufgenommen


Um weitere konkrete Schritte zu koordinieren, sei eine Zusammenkunft aller Auftraggeber der Studie geplant. Auch der Gemeinde- und Städtebund werde sich mit dem Thema befassen, kündigte Zehner an. Das Ergebnis des Gutachtens haben wir positiv aufgenommen. Es fällt ein überzeugendes Urteil, dass alle Kritiker in ihrer Argumentation bekräftigt und unterstützt, erklärt die Pressestelle im Sonneberger Landratsamt. Die Kreisverwaltung, die sich mit 2000 Euro ebenfalls an der Finanzierung des Gutachtens
der Forschungsgesellschaft für Alternative Technologien und Wirtschaftsanalysen beteiligt hatte, halte daher weiter an ihrer klaren Position gegen die Starkstromtrasse fest. Daher werden wir weiterhin gemeinsam mit unseren betroffenen Nachbarlandkreisen und -kommunen von außen Druck ausüben, um Vattenfall zu einem Einlenken zu bewegen, heißt es.

Unterdessen kündigte die Vattenfall Europe Transmission an, dass die Arbeit an den Planungs- und Genehmigungsverfahren zur Thüringer Strombrücke weiter gehe. Das Höchstspannungsnetz werde unverzüglich dort ausgebaut, wo neue Kapazitäten für den Transport des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen gebraucht werden, hieß es. In der Mitteilung des Konzerns wird das Gutachten mit keinem Wort erwähnt. Stattdessen versichert der Konzern sein Verständnis für das Bemühen um Klärung aller Fragen rund um das Trassenprojekt.

Quelle Freies Wort vom 08.11.2007 Von Redaktionsmitglied Regina Haubold



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