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Kind mit dem Bade ausgeschüttet

07.11.2007 | Coburg Absolut nicht notwendig ist der Bau der 380-KiloVolt-Stromleitung von Altenfeld bei Ilmenau durch den Landkreis Coburg nach Redwitz an der Rodach.

Zu diesem Ergebnis sind Professor Dr. Lorenz Jarass und Professor G. M. Obermaier der Forschungsgesellschaft für Alternative Technologien und Wirtschaftsanalysen gekommen (Neue Presse vom 30. Oktober). Das wissenschaftliche Gutachten zur Notwendigkeit der 380-KV-Trasse von Halle bis Schweinfurt hat Jarass am Montagabend im großenSitzungssaal des Landratsamtes in Coburg Kommunalpolitikern und Bürgern vorgestellt. Dass das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte die überaus große Resonanz alle Plätze des großen Sitzungssaales war besetzt, darunter viele Stadträte, Vertreter der Bürgerinitiativen aus Thüringen und denCoburger Landkreis, die Bürgermeister Raine  Marr (Sonnefeld), Bernd Reißenweber (Ebersdorf), Frank Rebhan (Neustadt), Norbert Kastner (OB Coburg), Werner Platsch (Weidhausen), Udo Döhler(Dörfles-Esbach), Kurt Bernreuther (Grub am Forst), Christian Gunsenheimer (Weitramsdorf), sowie zahlreiche Bürgermeister aus Thüringen.

Landrat Karl Zeitler eröffnete die sehr bedeutsame Veranstaltung, die die Region bewege. 33 Landräte, Oberbürgermeister, Bürgermeister und Bürgerinitiativen aus Südthüringen und Oberfranken haben das Gutachten in Auftrag gegeben, weil sie die Notwendigkeit der Trasse wissenschaftlich mit allenmöglichen Auswirkungen auf die Landschaft und Natur begründet haben wollten, informierte Zeitler. Das Resultat, so Zeitler, die Leitung ist absolut nicht vertretbar. Mit dem Bau der umstrittenen Trasse werde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, meinte Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner. Die Stadt habe bereits die Belastungen durch den Bau A 73 mitfinanziert. Kastner betonte, man werde sich gemeinsam gegen den Bau der 380-KV-Stromleitungen positionieren.

Ohne Begründung

Dies ist ein historischer Zeitpunkt, leitete Jarass seinen Vortrag ein, denn eine solche landesüberschreitende Initiative, die über alte Zonengrenze hinweg reiche, habe es in dieser Form noch nicht gegeben. Für Jarass ist das Verhalten der Regierung von Oberfranken absolut unfassbar, da sie ohne eine Begründung das Raumordnungsverfahren eingeleitet habe. Mehrmals am Abend appellierte Jarass an die Bürger und Politiker den sofortigen Stopp des Raumordnungsverfahren von der Regierung von Oberfranken zu verlangen. Jarass: Die Regierung von Oberfranken und die Antragsteller verhalten sich eindeutig rechtswidrig! Und: Oberfranken darf nicht weiter benachteiligt werden. Um die Windenergie von den norddeutschen Windkraftanlangen in das Landesinnere transportieren zu können, sind die bestehenden Leitungen ausreichend, so Jarass. Eine deutliche Steigerung der Übertragungsleistung, so der Gutachter, sei auch ohne Neubau, durch die Netzoptimierung und Netzverstärkung möglich. Dadurch könne die mittler Belastbarkeit um mindestens 50 Prozent, die kurzfristige Übertragungsleistung auf 100 Prozent gesteigert werden. Diese Umbauten kosten nur etwa ein Fünftel des von E.ON und Vattenfall geplanten Neubaus. Jarass: Die Kosten, die im Falle eines Neubaus entstehen, zahlen die Stromkunden. Die beiden Netzbetreiber hätten außerdem eine Windgeneratorleistung von 90 Prozent angenommen, tatsächlich liege die Leistung nur bei 65 Prozent, weiß Jarass. Auch das Argument vonseiten der Strombetreiber, dass langfristig ein europäisches Offshore-Supernetz erforderlich ist, konnte der Gutachter entkräften. Die dann erforderlichen gewaltigen Leistungskapazitäten könnten keinesfalls durch einen stückweisen Ausbau des bestehenden 380-KV-Drehstromnetzes geschaffen werden. Vielmehr sei einneuartiges Höchstleistungsnetz erforderlich. Deshalb müsse die in Bayreuth beheimatete EON-Gesellschaft aufgefordert werden technische mögliche Alternativen der Aufrüstung bestehende Leitungen aufzuzeichnen.

Jarass ging auf die Kritik vonseiten der E.ON-Gesellschaft ein, wonach er, Jarass kein persönliches Gespräch mit den Strombetreibern gesucht habe. Er nannte dies eine sinnlose Gesprächskonferenz. Nur auf der schriftlichen Grundlage von Fakten könne diskutiert werden. Für Jarass steht fest, dass es zur Gerichtsverhandlung kommen wird, denn, so der Gutachter: Vattenfall und E.ON werden sich dieses Geschäft nicht kampflos entgehen lassen. Deshalb seien alle im Gutachten angeführten Argumente belegt, Verbesserung vonseiten der Bürger sind durchaus erwünscht, meinte er.

Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan führte durch die anschließende Diskussionsrunde. Laut Ludwig Trautmann-Popp, er ist Engeriereferent des Bundes Naturschutz, müsse die EU in ihren Bestrebungen den Strombetreibern die Netze wegzunehmen und Alternativen zu suchen, unterstützt werden. Trautmann-Popp ist sicher, dass sich dann viele Probleme von alleine lösen werden. Jarass warnte im weiteren Verkauf der Diskussion davor, großräumige Alternativplanungen ins Spiel zubringen. Wenn die Engerieversorger Leitungen bauen wollen, dann sollen die das begründen, betonte der Gutachter.

Auch machte er deutlich, dass er nur auf der Grundlage veröffentlichter Daten argumentiere und sich zu keinen Spekulationen hinreißen lasse. Das Pumpspeicherwerk Goldisthal, das ins Spiel gebracht wurde, sei ein weiterer Grund, weshalb die umstrittenen Leitungen nicht erforderlich seien.

Sammelklage


Die Bürgermeisterin von Großbreitenbach/Thüringen, Petra Enders, rief zu einer Bürgermeistersammelklage auf, um das Raumordnungsverfahren zu stoppen und notfalls gegen das von E.ON und Vattenfall angestrebte Projekt zu klagen. Dem wurde mit Applaus zugestimmt. Laut Jarass ist die Maintalleitung nur zustande gekommen, weil die Gemeinden nicht kooperiert hätten. Abschließend dankte OB Frank Rebhan Annette Martin, die einen ungewöhnlichen Weg mit viel Sachlichkeit gegangen sei. Da E.ON und Vattenfall alles tun werden, um ihr Vorhaben durchzusetzen, werde viel Überzeugungsarbeit erforderlich sein, sagte Martin. Sie dankte für die Unterstützung,
besonders den Bürgermeistern Bernd Reißenweber und Rainer Marr. Martin kämpferisch: Ich bin zuversichtlich, dass wir es gemeinsam schaffen werden! (ga)

Quelle Neue Presse Coburg vom 07.11.2007



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