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STROMTRASSEN-PROTEST - Vergleichsstudie muss auf den Tisch“

27.01.2007 | ILMENAU/GROSSBREITENBACH – Dass die Windenergiegewinnung für Deutschland eine Erfolgsgeschichte und wichtige Alternative zu weiterer Klimabelastung durch fossile Stromerzeugung ist, darin war man sich nicht nur im hochkarätigen Gremium einig, das zu Wochenbeginn (wir berichteten) in der Mensa der TU Ilmenau fast 300 Besuchern gegenüber saß.

Freies Wort moderierte das lebhafte Podiumsgespräch, bei dem die Meinungen zum Vorhaben des Baus der neuen Höchstspannungstrasse von Vielselbach nach Altenfeld und weiter in den fränkischen Raum durchaus nicht all zu moderat aufeinanderstießen. Zwar fiel es den Experten nicht schwer, die Begründung für die regenerative Energiegewinnung im größtenteils windkonstanten Norden der Republik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Und die reichten vom inzwischen in der Region bekannten Gesicht des Chefs von Vattenfall Europe Transmission, Wolfgang Neldner, bis zu Prof. Heiner Brakelmann von der Universität Duisburg/Essen und dem Sprecher für Energie- und Technologiepolitik von Bündnis90/DieGrünen im Bundestag, Hans-Josef Fell sowie Ralf Bischoff. Während letzterer den Lobby-Dachverband der deutschen Windenergiewirtschaft vertrat, hatte Landrat Benno Kaufhold nicht umsonst am anderen Ende des „Präsidiums“-Tisches Platz genommen. Und der erwies sich als „Lobbyist“ der vom Trassenbau potenziell betroffenen Anlieger: Ein wenig habe er an diese Uni früher ja auch etwas vom Ohmschen Gesetz und Elektrotechnik mitbekommen. Doch jetzt sei für ihn wichtig: „Die Ablehnung des Projekts durch den Ilmkreis und die Planungsgesellschaft Mittelthüringen ist von etlichen nicht beantworteten Fragen getragen:

Ist der Trassen-Bedarf wirklich durch die Ableitung und Verteilung von Windenergie gegeben? Geht‘s nicht vielleicht auch um die Durchleitung von Atomstrom? Und: Müssen wir uns einer weiteren Zerstörung des Naturraumes in der vollen Längsausdehnung des Ilmkreises wirklich fügen, nach dem bereits die ICE-Trasse und der Autobahnbau ordentlich hinlangten?“ Kaufhold verwies darauf, dass zeitgleich an diesem Abend der Umwelt-Kreistagsausschuss mit Uni-Fachleuten zum Thema berät. Während Prof. Brakelmann auf unterschiedlichste Forschungsergebnisse mit Höchstspannungsleiter-Alternativen zu Freileitungen verwies, gab er zwar auch den Mehrkostenfaktor zu denken. Doch wenn die Trasse, wie von Neldner betont, eine Zukunftsleitung sei, sollten gesetzliche Vorgaben dafür sorgen, dass diese auch baulich Zukunftstechnologien nutzen. Er nannte vielfältige Technologievarianten, die Trasse unter die Erde zu bringen und dennoch darüber kein „Steppenland“ zu riskieren.

In der Diskussion mit dem Publikum verwies die Bürgerinitiative „Ilmtal I“ auf ein Schreiben vom Bundesumweltministerium, demzufolge es aus Kostengründen eben doch kein kostenbedingtes „Verbot“ von Erdverkabelung gebe. Neldner hielt dem entgegen, dass er für die seiner Meinung nach deutlich höheren Investitionskosten „jedem Kunden – der die mit zu zahlen hat – verpflichtet sei.“

Bürgermeisterin Petra Enders, deren Bemühungen mit den Bürgerinitiativen gegen die Trasse nun durch Verzögerungen beim Raumordnungsverfahren etwas Zeit gewannen: „Eine Vergleichsstudie muss endlich auf den Tisch!“ Bischoffs Schlussstatement „Haben sie nur nicht zu viel Angst vor der Windenergie!“ beruhigte die Betroffenen wenig. Kaufhold stellte in Aussicht, der Kreis werde nötigenfalls selbst eine Studie in Auftrag geben, die Freileitung und Erdkabelmachbarkeit vergleichen könnte.

Quelle Freies Wort vom  27.01.2007

 

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