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380-KV-Leitung - Jeder kämpft für sich allein?

24.01.2007 | SCHALKAU – Während die Bürgerinitiative Großbreitenbach-Langewiesen – im Verein mit bayerischen Trassengegnern – allein schon die Begründung Vattenfalls für den Bau der 380-kV-Leitung als nicht ausreichend bewertet, kämpft im Umfeld (noch) jeder für sich allein.

„Geraden Wegs über unsere Birne...“

Gerhard Behrens, Sprecher der Bürgerinitiative Großbreitenbach-Langewiesen, wird nicht müde, die Trassengegner zur Geschlossenheit aufzurufen. Längst hat er ausgemacht, dass die Vattenfall-Pläne zwar auf wenig Gegenliebe bei den Betroffenen stoßen, die Strategien der Gegenwehr sich jedoch höchst differenziert darstellen.

Doch wer Front gegen ein solch gigantisches Projekt machen will – das offenkundig noch dazu von der Landespolitik getragen wird –, muss mit einheitlicher Zunge sprechen, meint Behrens. In Briefen an die Landrätin in Sonneberg und an den Sprecher der Bürgerinitiative im Schaumberger Land, Bernd Büttner, tut er daher kund, worum es ihm geht: „Wir haben uns für ein klares Nein zu der Freileitung entschieden, im Namen Thüringens, und weil wir uns nicht auseinander dividieren lassen wollen ...“, erklärt er schriftlich an Christine Zitzmann und äußert die Befürchtung: „Ich selbst glaube nicht an transportierten Ökostrom, wie Vattenfall behauptet ...“ – Weder der Energiekonzern noch der Thüringer Wirtschaftsminister Andreas Trautvetter spielten mit offenen Karten, wenn es um die Begründung der Notwendigkeit der Trasse gehe, befindet Behrens weiter und wünscht Zitzmann „Standfestigkeit gegenüber dem Vattenfall-E.on-Plan“.

In seinem Schreiben vom 11. Januar an Büttner wird er noch deutlicher. Eingedenk der Tatsache, in Büttner nur bedingt einen Verbündeten zu sehen,
da der sein Hauptaugenmerk darauf lenkt, die Stromleitung möglichst weit weg zu bekommen von der Blessbergregion, und die Notwendigkeit der Trasse nicht grundsätzlich bezweifelt, unternimmt Behrens den denkwürdigen Versuch, alle Starkstromleitungsgegner unter einen Hut zu bekommen.

Nach Auffassung von Behrens bringt der Dialog mit dem Stromkonzern Vattenfall wenig. „Wir würden, wenn wir uns auf eine Diskussion mit denen einlassen, das Fell des Bären aufteilen, bevor er erlegt ist“, schreibt er und untermauert an anderer Stelle seine grundsätzliche Argumentation: Vattenfalls Begründung für den Bau der 380-kV-Leitung sei „so dünn, dass hier angesetzt werden muss. Wenn Vattenfall tatsächlich die Notwendigkeit des Baues nachweisen kann, wird es immer noch um den Verlauf der Trasse gehen müssen.“ Bis dahin setzt die BI auf eine Taktik der Verzögerung und Behrens bringt sein Anliegen auf den Punkt: „Es gibt also nicht nur Möglichkeiten, Vattenfall das Vorhaben möglichst schwer zu machen. Es ist vielmehr unser Interesse, unsere Region vor solch gravierenden Eingriffen dauerhaft zu schützen.“ Auf Trautvetter könne man in diesem Zusammenhang nicht bauen.

„Wenn’s eine Chance gibt, die Leitung zu verhindern, ist das freilich die beste Lösung“, sieht auch Bernd Büttner, ein, „aber wenn nicht, geht sie geradewegs über unsere Birne und dann hilft mir keiner.“ Büttner berichtet von bislang über 2000 Unterschriften „gegen die Stromtrasse durchs Schaumberger Land“, die seine Bi gesammelt hat. Alle weiter gehenden Forderungen hält es für Nonsens. „Ich glaub’s einfach nicht, dass die Stromtrasse ganz zu verhindern ist“, sagt er. Zumindest kenne er keine Instanz, die sie ernsthaft in Frage stelle. Und der kleine Bürger, der sich in einer BI engagiere, habe schließlich weder die Macht noch das Geld, sich mit einem Energieriesen anzulegen. Er sei, sagt er, Realist genug um sich nicht für eine Sache zu opfern, an die er nicht glaube. „Jeder soll für seine Haut sorgen“, meint er verbittert. Auch von den Diskussionen im benachbarten Bayerischen halte er nichts.

„Die Leitung über den Galgenberg, das Wahrzeichen der Schalkauer, muss verhindert werden!“ Das ist und bleibt das Credo der Bürgerinitiative um Büttner.

Quelle Freies Wort vom 24.01.2007

 

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