»Kontakt    »Impressum   

Volle Kraft gegen Hochspannung

22.09.2007 | Thüringer und Bayern einte in Erfurt der Protest gegen 380-kV-Trasse durch die Region.
Demo 20.09.2007 vor dem Erfurter Landtag
Ein eindrucksvolles Bild gaben rund 300 besorgte Bürgerinnen und Bürger aus Thüringen und dem angrenzenden Coburger Land ab, die sich am Donnerstag vor dem Thüringer Landtagsgebäudeversammelten. Foto Frank Hofmann studio.m design

SONNEBERG/ERFURT Ein eindrucksvolles Bild gaben rund 300 besorgte Bürgerinnen und Bürger aus Thüringen und dem angrenzenden Coburger Land ab, die sich am Donnerstag vor dem ThüringerLandtagsgebäude versammelten. Gemeinsam bereiteten sie mit aussagekräftigen Plakaten, überdimensionalen Transparenten, grünen Luftballons, grellen Trillerpfeifen und lautstarken Holzrasselnden Boden für die Übergabe einer von der Interessengemeinschaft Achtung Hochspannung vorbereiteten Petition. Grundsätzlich wurde in der von Anette Martin (Ebersdorf/Coburg) geleitetenFreiluftveranstaltung die Notwendigkeit einer 380-kV-Freileitungstrasse bezweifelt, die erheblicheEingriffe in die Landschaft erfordert und gesundheitliche Risiken birgt.

Petition übergeben

Das von Bürgermeister Sven Gregor (BI Stoppt die 380-kV-Leitung Bockstadt) an den Vorsitzenden des Petitionsausschusses Wolfgang Wehner (CDU) übergebene Papier geißelt das Profitdenken privaterEnergiekonzerne, beschreibt Bedenken der betroffenen Bürger und fordert die Berücksichtigungberechtigter Interessen bei der anstehenden Prüfung der Antragsunterlagen durch die Politik. Ein gleichzeitig übergebenes Kümmerbäumchen will der Abgeordnete in persönliche Pflege nehmen. Seinelockere Bemerkung Im Landtag würde es wohl verkümmern quittierten die Demonstranten mit Raunen. Geht das Profitinteresse privater Energiekonzerne (Vattenfall und Eon - die Redaktion) über den Schutzbetroffener Regionen und deren Bewohner? Schluss mit der Ignoranz gegen über den Wählerinteressen.Demokratie nicht als Schauspiel, sondern als Realität heißt es in den irrtümlich an Minister Trauvetter gerichteten Ausführungen. Die Mehrzahl der an der Wahl teilnehmenden Thüringer hat den Grundsteinfür die derzeit tätige Landesregierung gelegt. Sie hat nicht nur das Recht, sondern auch den Auftrag, dieInteressen ihrer Wähler zu vertreten! führt die federführende Interessengemeinschaft Achtung Hochspannung aus.

Dezentrale Lösungen

Um den Klimawandel zu stoppen, brauchen wir dezentrale Lösungen in allen Regionen. Nicht Hunderte Kilometer neue Freileitungen stellte Sven Gregor als Sprecher der 290 BI-Mitglieder aus der besondersbetroffenen Region Bockstadt, Herbartswind, Heid und Eisfeld unter Beifall fest und fügte warnend hinzuWer immer und immer wieder den Wählerwillen negiert, wird in Zukunft die Politikverdrossenheit in unserem Land weiter vorantreiben. Konkret an (zum Bedauern der Demonstranten nicht persönlichanwesenden) Ministerpräsidenten Dieter Althaus gerichtet erinnerte er an dessen Versprechen, sich füreine Untertunnelung im Kammbereich des Thüringer Waldes einzusetzen. Er erinnerte ferner an den gerade wieder aufkeimenden Tourismus, Beeinträchtigung von Lebensqualität und gesundheitlicherAspekte sowie Einbeziehung negativer Auswirkungen einer möglichen Freileitungstrasse als Fremdkörperauf die empfindliche Flora und Fauna. Die Berücksichtigung dieser Aspekte vermissen wir bei dergeplanten Höchstspannungstrasse durch unsere schöne Heimat. Gleichzeitig stellte der Bürgermeister die unbeantwortet gebliebene Frage: Warum hat es die Landesregierung seit der Wende nicht geschafft, denThüringer Wald und sein Vorland unter Schutz zu stellen?

In einer vielfach durch Beifall unterbrochenen flammenden Rede setzte sich die als Moto wirkende PDS-MdL Petra Enders gleichzeitig als Bürgermeisterin von Großbreitenbach engagiert für dieVerhinderung einer Leitungstrasse ein. Als unverständliche Frechheit beschrieb sie das VorgehenVattenfalls, ohne Baurecht und Raumordnungsverfahren schon jetzt Grundstücke zu erwerben. Von den Bürgern forderte sie Standhaftigkeit und Solidarität im Kampf gegen ein Projekt, das wir nicht wollen unddas wir nicht brauchen ein. Die Großdemonstration in der Landeshauptstadt sah sie als Ausdruck desProtestes, der noch lange nicht zu Ende sei.

Gleichzeitig mahnte sie die Beschäftigung der federführenden Politiker mit der bis Oktober erwarteten neutralen Studie über die Notwendigkeit der Nord-Südleitung durch Thüringen bis ins BayerischeRedwitz an der Rodach an. Der erforderliche finanzielle Aufwand von rund 60 000 Euro wird vonbetroffenen Organisationen, Gemeinde und Sponsoren aufgebracht.

Studie lesen

Wenn es nach Vattenfall und den Leitungsbefürwortern gegangen wäre, wären Genehmigungen längst erteilt und Fundamente für das Riesenprojekt in die Landschaft gegossen fügte MdL Enders hinzu.In acht von insgesamt 13 gebildeten Bürgerinitiativen wenden sich Thüringer Bürger engagiert gegen denvorgebrachten Sachzwang, winderzeugte Energie von Nord nach Süd zu leiten. Bei dieser 380-kV-Leitung geht es nicht um erneuerbare Energie. Vattenfall geht es um Profit stellte sie ernüchternd fest. Erfreutzeigte sie sich über die Unterstützung des Widerstandes auch aus Regionen, die von der Leitungsführungnicht unmittelbar betroffen sind. Aus Königsee liege eine Liste mit 904 Unterschriften vor. Zusätzlich haben die Kreistage von Coburg, Ilmkreis, Hildburghausen und Sonneberg die Protestwelle solidarischunterstützt. Nach einer Anhörung im Landtag habe sich Die Linke während des Landesparteitags mitgroßer Mehrheit gegen die Stromtrassenplanungen ausgesprochen. Obwohl die Abgeordneten ihrem
Gewissen verpflichtet seien, verspreche sie sich (leider) von der aktuellen Landtagsdiskussion keine grundsätzliche Umkehr mit Projektablehnung.

Durch die Instanzen

Eine von der Stadt Großbreitenbach vor dem Verwaltungsgericht eingereichte Anfechtung des Raumordnungsverfahrens gegen den Freistaat Thüringen werde juristisch durchgezogen. Wenn nötigdurch alle Instanzen. Verbesserung der Energieeffizienz und sinnvollen Ausbau regenerativerEnergiequellen dort wo die Energie verbraucht wird sprach die Abgeordnete als sinnvolle Alternativen an. Nur so seien Voraussetzungen für die angestrebte Energiewende zu schaffen. Vattenfall vertrauen wirnicht fügte sie mit Blick auf deren einseitige diktatorische Festlegungen und die offensichtlicheUnbeherrschbarkeit eines akuten Störfalls im norddeutschen Atomkraftwerk des Unternehmens hinzu. Als Sprecher der betroffenen Kommunen im Coburger Land zeigte sich Sonnefelds Bürgermeister RainerMarr überzeugt davon, dass die Leitung so nicht kommen muss. Er unterstrich die enge Zusammenarbeitmit den Thüringer Städten und Gemeinden und lobte den Einsatz von MdL Petra Enders im Kampf gegen die Höchstsspannungsleitung. Kritisch setzte er sich mitder scheibchenweisen Informationspolitik des möglichen Bauherrn auseinander, die sich unter Berufungauf das regelnde EEG von nur Windstromtransport über Stromhandel und Erfüllung von EU-Vorschriften inzwischen bis hin zur Netzstabilisierung und Stromtourismus wandelten. Die inzwischen ebenfallsbekannt gewordene Abspeckung von vier Stromkreisen im Vattenfalleinfluss auf nur noch zwei Strängeim anschließenden Eon-Bereich bis nach Redwitz lasse eine spätere Weiterführung in Richtung Schweinfurt/Grafen-rheinfeld vermuten. Wir können noch zwei und zwei zusammenzählen. Das Projektist unwirtschaftlich und unökologisch. Die Überzeugung der Notwendigkeit fehlt. Bis wir Klarheit haben,werden wir gemeinsam gegen die Leitung kämpfen führte Marr unter Beifall aus. Das Interesse an entlasteter Umwelt ist für den Fraktionsvorsitzenden MdL Dieter Haubold mit demGroßprojekt nicht überzeugend nachzuvollziehen. Er forderte ein Umdenken in der Energiepolitik.Gleichzeitig hegte Haubold Zweifel daran, ob die Stromnetze weiter in die Hände profitgierigerStromkonzerne gehören. Als Sprecherin der Fraktion bedauerte Astrid Rothe-Beinlich abschließend, das der Landesregierung zum Thema nicht viel eingefallen und der Bedarf einer Süd-Nord Mammutleitungnoch lange nicht erwiesen sei.VON KLAUS OELZNER

Quelle Freies Wort vom 22.09.2007 



 WEITERE AKTUELLE INFORMATIONEN

Der Schnappschuss des Tages!!!Am 01.05.2014 war an der ICE-Brücke am Froschgrundsee bei Rödental ein Groß-Banner mit folgender... mehrmehr
Das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der 380kV-Trasse Landesgrenze Bayern/Thüringen - Redwitz a. d. Rodach wurde eröffnet. Seit 17.09. haben... mehrmehr
Auswertung der politischen Umfrage (vom Juni/Juli 2013) zu Netzausbau und Energiewende in Deutschland: In der Interessengemeinschaft „Achtung... mehrmehr
Am 18.07.2013, 11:30 Uhr findet eine mündliche Verhandlung in der Verwaltungsstreitsache 380 kV Südwest-Kuppelleitung statt (Stadt... mehrmehr
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und die UVP-Gesellschaft e.V. (Gesellschaft für die Prüfung der Umweltverträglichkeit)... mehrmehr
 

Copyright © 2007 - 2013
Achtung-Hochspannung.de
Alle Rechte vorbehalten

©design by nineteen62