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„Viele Leute sind sich der Gefahr noch nicht bewusst"

15.09.2007 | 38O-KV-LEITUNG Die Bürgerinitiativen aus dem Landkreis demonstrieren am 20. September vor dem Erfurter Landtag. Großgarnstadt - Die von Stromversor-ger Eon geplante 380-kV-Hochspan-nungsleitung durch das Coburger Land macht vielen Bewohnern Angst. Überall im Landkreis haben sich Bürgerinitiativen formiert, um die Leitung zu verhindern. Am kommenden Donnerstag starten die Initiatoren zu einer Protestkundgebung nach Erfurt. „Wir wollen die Thüringer Landtagsabgeordneten überzeugen, dass sie sich gegen eine 380-kV-Leitung entscheiden müssen", sagt Anette Martin. Wie dies geschehen soll, erklärt die Sprecherin der Interessengemeinschaft „Achtung Hochspannung" und Vorsitzende der Bürgerinitiative „Pro Heimat" im Gespräch mit dem Tageblatt.

Tageblatt: Wie kamen Sie auf die Idee, eine Demonstration vor dem Thüringer Landtag zu veranstalten?
Anette Martin: Wir haben uns gedacht, dass wir etwas tun müssen, um die Politiker zum Umdenken zu bringen. Der Thüringer Landrat hatte schon einmal die Chance, die Leitung abzulehnen, auch da waren wir vor Ort und haben demonstriert. Damals wurde das Thema in den Verkehrsausschuss verwiesen. Am 20. September wird im Plenum das Ergebnis der Beratungen des Ausschusses vorgestellt und eventuell eine Entscheidung für oder gegen die Trasse gefällt. Da wollen wir dabei sein, um zu zeigen, wie wichtig uns das Anliegen ist.

Je mehr Leute, desto mehr Überzeugungsarbeit?
Martin: Ja, das stimmt. Wir können großen Eindruck machen, wenn wirklich viele Bürger mitfahren. Wir haben optimistisch geplant und eine Demonstration für 500 Leute bei der Stadtverwaltung angemeldet. Jetzt hoffe ich, dass sich viele Menschen anmelden, egal aus welchem Ort sie kommen.

Laden Sie nur Mitglieder von Bürgerinitiativen ein?Martin: Nein, natürlich nicht. Jeder, der sich für das Thema interessiert und verhindern will, dass die Stromkonzerne mit einer aus meiner Sicht völlig unnötigen Leitungstrasse die Natur verschandeln, ist eingeladen, sich zu beteiligen und mit zu demonstrieren. Aus organisatorischen Gründen sollen sich alle, die dabei sein wollen, zuvor bei mir unter der Telefonnummer 09562/3215 anmelden.

Wie ist der organisatorische Ablauf bei der Kundgebung?
Martin: Die Demonstration ist von 16 bis 18 Uhr angemeldet. Die Busse fahren voraussichtlich um 13.15 Uhr in Weidhausen an der Sonnefelder Straße, um 13.20 Uhr an der Domäne in Sonnefeld, um 13.30 Uhr in Ebersdorf am Bahnhof und wahrscheinlich auch noch in Rödental ab. Die Rückkehr ist gegen 21 Uhr geplant.

Warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, sich gegen die Pläne der Stromkonzerne zu wehren?
Martin: Weil diese Pläne unsere Lebensqualität entscheidend beeinträchtigen. Die Stromtrasse verschlingt Unmengen von Natur, sie verschandelt die Landschaft und birgt mit der Strahlung, die ausgesendet wird, eine nicht unerhebliche und kaum einschätzbare Gefahr. Viele Leute, auch die, die unmittelbar von der 380-kV-Leitung betroffen sind, sind sich der Gefahr noch nicht bewusst. Nicht nur die Orte, die direkt an der Trasse liegen, geht dieses Problem an. Ich höre oft das Argument: „Naja, wenn mehr Masten gebaut werden, wird der Strom billiger." Das ist nicht der Fall. Eher das Gegenteil könnte passieren, wenn die Stromkonzerne mit dem Bau der Leitung noch mehr Macht bekommen.

Es gibt immer noch Bürger, die nicht wissen, wo die Trassen verlaufen. Was raten Sie als Expertin?
Martin: Das Raumordnungsverfahren zur 380-kV-Leitung wurde bei der Regierung Oberfranken eröffnet. Das bedeutet, dass die geplanten Trassenver-läufe in den einzelnen Gemeinden öffentlich ausliegen. Ich kann jedem nur raten, sich diese Pläne einmal anzuschauen. Mir ist wirklich mulmig zu mute gewesen, als ich gesehen habe, was da geplant ist. Das wäre wirklich ein schlimmer Eingriff in die Natur.

Gibt es außer der Demonstration noch andere Möglichkeiten für die Bürgerinitiativen, sich zu wehren?
Martin: Ja. Zum Beispiel haben alle betroffenen Gemeinden in Bayern und Thüringen zusammen ein Gutachten beim renommierten Professor Jarass in Auftrag gegeben, das beweisen soll, dass die Trasse nicht nötig ist. Das vorläufige Ergebnis wird, das ist die neueste Information, am 21. Oktober den beteiligten Städten und Gemeinden vorgestellt. Damit haben wir dann auch juristisch eine Grundlage, die Darstellung der Stromkonzerne anzugreifen. Aber bis es so weit ist, liegt noch ein langer Weg vor uns. Momentan wünsche ich mir, dass sich noch viel mehr Menschen engagieren. Wenn alle Bürgerinitiativen und die Kommunen, die uns übrigens hervorragend unterstützen, die Trasse verhindern, wäre das ein Segen für die Region.

Quelle Coburger Tageblatt vom 15.09.2007



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