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Zeit für Alternativen ist noch da

21.08.2007 | SSO-KV-LEITUNG Katrin Göring-Eckardt (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages) ist von der Notwendigkeit der Trasse zwischen Altenfeld und Redwitz alles andere als überzeugt.

Coburg - Gerade die Politiker von Bündnis 90/Die Grünen müssen sich in der Diskussion um die 380-Kilovolt-Höchst-spannungsleitung von Altenfeld nach Redwitz oft einen Vorwurf anhören: Die rot-grüne Regierung sei als einstiger „Erfinder" der Förderung der regenerativen Energieträger mit Schuld am Bau der in Bayern und Thüringen höchst umstrittenen Trasse.
Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Katrin Göring-Eckardt, kennt diese Argumente, will sich und ihrer Partei aber im Gespräch mit dem Tageblatt den „Schwarzen Peter" nicht zuschieben lassen: „Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist unsere Sache - aber am Sinn der Trasse habe ich doch erhebliche Zweifel."
Die vom Energieversorger Eon oft ins Spiel gebrachte - und von den Gegnern massiv angezweifelte - „Dena-Studie" als Rechtfertigung für die Höchst-spannungsleitung ist für die 41-Jährige nicht sehr aussagekräftig. Zu sehr seien darin die Alternativen vernachlässigt worden, obwohl es genug davon gebe. Die dezentrale Energieversorgung hat für Göring-Eckardt einen besonders hohen Stellenwert. Kleinkraft- oder Blockheizkraftwerke seien ideale Lösungen, um die „Energieversorgung vor Ort" zu optimieren. Dass die große Koalition in Berlin derzeit die Förderung solcher Projekte nicht auf der Agenda stehen hat, ist für Katrin Göring-Eckardt ein klares Signal: „Sie will die Energiekonzerne schonen." Also, von wegen, „wir machen mal ganz doll auf Klimaschutz".
Das beste Mittel, um den Energieversorger beim Bau der Trasse zum Umdenken zu bewegen, ist für die Bundestagsabgeordnete aus Friedrichroda (Thüringen) allerdings der Druck der Bevölkerung vor Ort. Auch ein Großunternehmen wie Eon wisse, dass die Menschen inzwischen bei der Energie die freie Auswahl auf einem freien Markt haben. Da mache es sich nicht gut, mit einer gesamten Region im Clinch zu liegen.
Allerdings sieht Göring-Eckardt auch die Bayerische Landesregierung mehr als bisher in der Pflicht. Sollte die Trasse wirklich wirtschaftlich zum Transport von Off-Shore-Energie von Nöten sein, müsse man in München den Druck auf Eon erhöhen und die Last von den Bürgern nehmen: „Bei so einem Projekt kann und muss der Konzern klare Vorgaben bekommen."
Darunter würde im Falle des Falles nach Ansicht der „Grü-nen"-Politikerin auch eine Erdverkabelung fallen. Das Argument von Eon, diese Art der Leitungstechnik sei zu teuer, zieht für die 41-Jährige nicht. Alleine schon die zu erwartenden Einbrüche beim Tourismus seien „immens hoch" und damit ein Argument, dass man dem Energieversorger wohl noch einmal verdeutlichen müsse. Denn auch für Eon gelte: „Der Konzern kann ja hier nicht einfach machen, was er will."
Was Katrin Göring-Eckardt an der ganzen Sache am meisten verwundert, ist die Eile, mit der die Höchstspannungsleitung derzeit im Raumordnungsverfahren durchgedrückt werden soll. Wenn doch wirklich nur die Energie der (noch nicht verwirklichten) Off-Shore-Wind-anlagen aus Deutschlands Norden in den Süden muss, hat Eon nach Ansicht der Bundestagsvizepräsidentin noch genügend Zeit, um nach Alternativen zu suchen - sowohl bei der Netzstruktur als auch beim Bau neuer Trassen.

Quelle Coburger Tageblatt vom 21.08.2007


 

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