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Solide, fundiert, juristisch verwertbar...

19.07.2007 | Der Schalkauer Bürgermeister Reinhard Zehner, einer der kommunalen Vertreter, die am Montag in Sachen Unabhängiges Gutachten zur Notwendigkeit der 380-kV-Leitung erneut nach Großbreitenbach gekommen waren, ist optimistisch. Das kann ein Dokument werden, das den tatsächlichen Forderungen gerecht wird, sagte er gestern.

SCHALKAU / GROSSBREITENBACH Der international renommierte Gutachter in Fragen Stromnetze und Windkraftenergie Prof. Lorenz Jarass hatte bei der Beratung die Taktik des Gutachtens erläutert, das voraussichtlich in zwei Wochen in Auftrag geht und einen Zeitaufwand von rund 12 Wochen erfordert. Neben dem juristischen Weg und bürgerschaftlicher Initiative, die er in der länderübergreifenden Breite gegenüber dem ZDF als einzigartig und chancenreich bezeichnet, wird es in der Expertise ausschließlich um harte wirtschaftliche Fakten gehen. Wir müssen keine neuen Zahlen produzieren, stellen Aussagen von DENA-Planung und Vattenfall auf den Prüfstand. Wer anderen so massiv in ihrer Lebensqualität zusetzen will, braucht verdammt gute Argumente!

Hinsichtlich der Fachkompetenz von Lorenz Jarass bestehen für den Schalkauer Bürgermeister keinerlei Zweifel. Er sei aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen mit derlei Gutachten der richtige Mann, hieß es, wenn es darum gehe, die Notwendigkeit des Gesamtprojekts zu prüfen.

In seinen Erhebungen werde sich Jarass zudem auf die Annahmen der Bundesregierung zur Entwicklung der alternativen Energie stützen und übergreifend feststellen, ob die Unterlagen, die zur so genannten DENA-Studie führten, ausreichend waren. Für Zehner stehen drei Fragen im Mittelpunkt des unabhängigen Gutachtens, das überdies ergebnisoffen ist: Zum einen geht es um die Notwendigkeit eines neuen Netzes, zum zweiten um Ausweichmöglichkeiten bei Störungen bestehender Netze und drittens die Möglichkeiten der Ertüchtigung bestehender Starkstromtrassen speziell mit Blick auf die 1992 gebaute Leitung bei Redwitz.

Zehner erhofft sich von dem Gutachten, dass es ein Dokument wird, das die tatsächlichen Erfordernisse deutlich macht. Für ihn ist eine Studie in Aussicht , die eine solide, fundierte und juristisch verwertbare Aussage erbringt, die uns von der Ebene der Vermutungen wegführt, sagte der Bürgermeister, dessen Stadtrat sich am Mittwoch zur Mitfinanzierung des Gutachtens positionierte.

Von den Bürgerinitiativen bei euch in Thüringen und bei uns in Nordbayern sollte sich mancher Bürgermeister eine Scheibe abschneiden, sagte Harry Ritter, Vizebürgermeister aus Weidhausen im Coburger Land, als es zum Ende des länderübergreifenden Treffens der > Anti-Stromtrassen-Interessengemeinschaft Achtung Hochspannung! ums nötige Geld ging. Wie kann die Finanzierung eines wissenschaftlichen, konzernunabhängigen Gutachtens komplett gesichert werden? Wer fehlt noch in der Liste zunächst loser Zusagen von vier thüringischen Landkreisen und Kommunen, nachdem u. a. Langewiesen per Stadtratsentscheidung seine Finanzierungsbeteiligung absagte?

Angesichts vergleichbar niedriger Pro-Kopf-Kosten, die die Mitfinanzierung namentlich direkt von der Höchstspannungstrasse betroffener Orte, wie eben u. a. Langewiesen, budgetmäßig weit geringer als ein Feuerwerk belasten, fragten Teilnehmer. Wenn wir heute bei unklarer Restfinanzierung den Gutachterauftrag unterzeichnen, steht zu erwarten, dass sich andere abwartend zurücklehnen, gab Gehrens Bürgermeister Ronny Bössel zu denken. Mit Stand heute 14 Uhr, so Großbreitenbachs Bürgermeisterin Petra Enders als vehemente Architektin des kommunalen und bürgerschaftlichen Bollwerks gegen die Trassen-Pläne, sind wir bei rund 45 000 Euro Finanzierungszusage angelangt. Eisfeld eingeschlossen. Wir setzen jetzt noch auf das Wort Erfurts und der Landkreise Hildburghausen sowie Sonneberg. Höchst anerkennenswert sind Initiativen von Bürgern in Gillersdorf und im Ilmtal, die selbstständig Geld sammelten. Ebenso würdigte sie das Mitziehen Bockstadts, der Bayern sowie das Wort des Ilmkreises.

Das ZDF widmete am Montag Großbreitenbach einen Drehtag für das TV-Magazin Drehscheibe. Die bereits von einer 380-Kilovolt-Trasse betroffene Stadt zog kürzlich wegen Mängeln des Raumordnungs-verfahrens vor das Oberverwaltungsgericht.

VON REGINA HAUBOLD UND ULI HUBERT

Quelle Freies Wort vom 19.07.2007

 

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