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Einstimmig beschlossen: Gemeinde steuert 2000 Euro für Gutachten bei

20.07.2007 | Gegen die 380-kV-Trasse kämpfen wir gemeinsam

Wohl keiner hatte anderes erwartet: Die Gemeinde Bockstadt wird sich mit 2000 Euro an der Finanzierung des konzernunabhängigen Gutachtens zur Notwendigkeit einer 380-kV-Trasse durch Thüringen und Bayern beteiligen. Der Gemeinderat erntete mit seinem einstimmigen Beschluss am Mittwochabend den Beifall aller Sitzungsgäste.

Mitglieder der Bürgerinitiative Stoppt die 380-kV-Leitung am 31. Mai auf dem Weg zum Landtag.
Wie an diesem Tag bei der Anhörung im Bauausschuss haben die Bockstädter den Protest gegen die
geplante Stromtrasse inzwischen vielerorts zum Ausdruck gebracht.

BOCKSTADT – Leider, so informierte Bürgermeister Sven Gregor, sei die Finanzierung des gut 50 000
Euro teuren Gutachtens, für das der Experte in Sachen Stromnetze und Windkraftanlagen, Prof. Lorenz
Jarass, gewonnen werden konnte (Freies Wort berichtete), erst zu etwa 80 Prozent gesichert. Daher seien noch einmal 14 Tage Aufschub vereinbart worden. Dann aber sollte das Gutachten in Auftrag gehen, denn die Zeit läuft. „Vielen Kommunen und Bürgern sind wahrscheinlich das Ausmaß und die Konsequenzen der geplanten Vattenfall-Trasse noch immer nicht klar“, sagte Sven Gregor. Trotzdem sei er optimistisch, dass die erforderliche Summe zusammenkommt und das wissenschaftliche Gutachten erarbeitet werden kann.

Eine Finanzierungs-Zusage gibt es nach Gregors Worten inzwischen vom Landkreis Hildburghausen. Die Gemeinde Brünn beteilige sich zwar nicht mit 2000 Euro, aber immerhin mit einem kleineren Beitrag. Nach wie vor nicht mit im Boot sind im Landkreis Hildburghausen die Stadt Schleusingen und die
Gemeinde Sachsenbrunn.

„Wir geben die 2000 Euro mit gutem Gewissen“, hieß es seitens der Gemeinderäte. Die Deckung der außerplanmäßigen Ausgabe ist auch geklärt: Durch den milden Winter 2006/2007 wurden im Gemeindehaushalt Kosten für den Winterdienst eingespart.

Kristin Rüttinger, Sprecherin der Bürgerinitiative Bockstadt-Herbartswind-Heid-Eisfeld, appellierte nochmals an die zumindest mittelbar betroffenen Kommunen, aber auch an Vereine und an alle Bürger, sich stark zu machen gegen die Trassenpläne und das auch mit einem finanziellen Beitrag zu untermauern. Der Vorstand der BI – sie hat etwa 280 Mitglieder – hatte am Mittwoch Gelegenheit, vor dem Gemeinderat über seine Initiativen zu berichten. „Mir ist wichtig, dass wir eng zusammenarbeiten, gemeinsam gegen die Trasse kämpfen. Anders geht es ja auch gar nicht“, hatte der Bürgermeister die Einladung begründet. Und er hatte den BI-Mitgliedern zugleich die weitere Unterstützung durch den Gemeinderat zugesichert.

„Wir brauchen auch weiterhin die Mitarbeit aller“, sagte Kristin Rüttinger, „denn wir kämpfen weiter.“ Sie dankte zugleich allen Mitstreitern und dem Gemeinderat für die gute Zusammenarbeit und verwies auf zahlreiche in der Zwischenzeit gelaufene Protestaktionen.

Beispielsweise hatte die Bürgerinitiative am 31. Mai zur Anhörung im Bauausschuss des Landtages zehn Minuten Rederecht erhalten. Mit Nachdruck war dabei angemahnt worden, die berechtigten Bedenken der Bürger in den betroffenen Gebieten ernst zu nehmen. Das zusammenhängende Waldgebiet zwischen Herbartswind und Eisfeld sei laut Untersuchungen des Landesverwaltungsamtes ein dringend schützenswertes Klimatop. Es diene auch als Lärm- und Emissionsschutz für die umliegenden Gemeinden, lautete eines der Argumente gegen die Trassenpläne. Bereits damals wurde eine unabhängige Studie gefordert, die sich mit der Notwendigkeit einer zusätzlichen Höchstspannungs-Trassenführung durch den Thüringer Wald beschäftigt.

Am 13. September wird die Trasse erneut Thema im Bauausschuss sein. Auch das ist ein Erfolg der Trassengegner. „Nehmt euch frei und kommt mit nach Erfurt“, so die BI-Sprecherin, „damit wir noch mehr werden als beim letzten Mal!“

Geschlossen, im T-Shirt der BI und mit großen Strommasten aus Pappe hatte sich die Bürgerinitiative im Festumzug zum Eisfelder Kuhschwanzfest präsentiert. Die Masten wurden wenig später an der Autobahn 73 zwischen den Anschlüssen Eisfeld-Süd und Eisfeld-Nord aufgestellt, und dazu eine Kirche zum Größenvergleich. Ein Dutzend BI-Mitglieder hatten insgesamt 80 Stunden an den Plastiken gearbeitet. Die Masten stehen noch. Demnächst soll ein größeres Banner gezielt darauf hinweisen, damit Vorüberfahrende auch wirklich aufmerksam werden. „Darüber beraten wir dann in unserer nächsten Mitgliederversammlung“, so Kristin Rüttinger.
VON CHRISTEL KÜHNER

Quelle Freies Wort vom 20.07.2007

 

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