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Rennsteig nicht tätowieren

17.07.2007 | Gewerbetreibende, Einwohner und Gäste von Masserberg und Umgebung trafen sich dieser Tage mit Vertretern der Bürgerinitiativen, um sich über die geplante 380 kV-Strom-Trasse zu informieren und ihren Protest dagegen zu artikulieren.

MASSERBERG In seinen Ausführungen machte Bürgermeister Friedel Hablitzel deutlich, dass die Windenergie augenscheinlich nicht der entscheidende Faktor für Vattenfall ist, die Starkstromtrasse zu bauen. Vielmehr verdichten sich die Anzeichen, dass das eigentliche Interesse des Konzerns dem Pumpspeicherwerk Goldisthal gilt, das an die Stromleitung angebunden werden soll. Hier hat Vattenfall die Lizenz zum Gelddrucken, brachte es Hablitzel auf den Punkt. Denn hier könne Regelenergie produziert werden, die teuer zu verkaufen ist.

Regelenergie gewährleistet die Versorgung der Verbraucher bei unvorhergesehenen Störungen im Stromnetz. Dazu können kurzfristig zur Leistungsanpassung schnell anlaufende Kraftwerke gestartet oder Pumpspeicherwerke eingesetzt werden. Das PSW Goldisthal beispielsweise wäre dafür geeignet.

In der Veranstaltung im Masserberger Kinosaal sprachen sich die Anwesenden deutlich gegen diese Starkstromleitung über den Kamm des Thüringer Waldes aus. Aber nicht nur die Masserberger, auch die Bürgerinitiativen von Nahetal-Waldau, Auengrund, Schleusegrund und Bockstadt, die BI im Ilm-Kreis und in Bayern kämpfen gegen die Trasse. Deren Vertreter sehen vor allem die Chance in einem Gutachten, das die Notwendigkeit der Leitung hinterfragen soll (Freies Wort berichtete). Die Kosten dafür werden auf die betroffenen Kommunen umgelegt. Der Bürgermeister appellierte vor dem Hintergrund der prekären Haushaltslage der Gemeinde an die Gewerbetreibenden, Vereine und Einwohner, Geld zu spenden, um das Gutachten zu bezahlen. Sollten keine Spenden eingehen, werden wir den Betrag aus dem ohnehin engen Gemeindehaushalt bereitstellen, sagte er.

Für den Raum Masserberg sollte eigentlich bereits das Raumordnungsverfahren für die Trasse eröffnet sein. Dass dies noch nicht geschehen ist, ist zum einen auf das von der EU ausgewiesene Vogelschutzgebiet um Masserberg und zum anderen auf das von der Gemeinde Schleusegrund ausgewiesene FFH-Gebiet zurückzuführen. Dazu muss Vattenfall noch Stellung nehmen.

Jede Stunde Verzögerung ist ein Gewinn und vielleicht wird die Trasse 2009 Wahlkampfthema, warf Geschäftsmann Christian Sachs ein.

Für den Vattenfall-Konzern ist die Querung des Thüringer Waldes sicherlich die günstigste Variante. Die Teilnehmer der Info-Veranstaltung konnten allerdings nicht verstehen, wieso andere Gebiete aus Naturschutzgründen von vornherein verschont werden, der Naturpark Thüringer Wald aber nicht. Man dürfe sich da keinen Illusionen hingeben, merkte der Bürgermeister an. Auf anderem Wege sei Goldisthal eben nicht einzubinden.

Masserberg ist der einzige heilklimatische Kurort, der von der Trasse betroffen wäre. Deshalb hat sich auch der Heilbäderverband geäußert und die Stromtrasse abgelehnt. In Masserberg wurden in den vergangenen Jahren Investitionen in Millionenhöhe getätigt, es stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und nicht zuletzt geht es um mehr als 260 000 Übernachtungen im Jahr. Masserberg lebt vom Tourismus und von den Reha-Patienten. Diese werden sich künftig überlegen, ob sie in eine Region mit oder ohne Stromtrasse fahren, wurden Befürchtungen laut.

Das meint auch RKT-Geschäftsführer Werner Meißner. Er sagte, die Menschen kämen wegen des Klimas nach Masserberg, um ihr Immunsystem zu stärken. Hauptsächlich seien es onkologische Patienten, die hier zur Reha weilen. Die seien ohnehin sensibilisiert für Umwelteinflüsse jeglicher Art.

Christian Sachs ist sich sicher: Für Vattenfall geht es um Gewinnmaximierung, für uns geht es um die Existenz! Er verstehe die Landesregierung nicht, die es zulässt, dass der Rennsteig mit einer solchen Leitung tätowiert werden soll.

Bernd Enders, Vorsitzender der BI Nahetal-Waldau, bot den Masserbergern Unterstützung an beim Kampf gegen die Trasse. Er sei enttäuscht, dass es hier noch immer keine Bürgerinitiative gibt. Vom Thüringerwald-Verein kam der Vorschlag, dass sich alle Vereine der Gemeinde an der Finanzierung der Studie beteiligen sollten. Damit könnten sie Geschlossenheit demonstrieren.

Eine Alternative, wie zum Beispiel eine Erdverkabelung, wolle man erst in Erwägung ziehen, wenn die Trasse nicht mehr zu verhindern ist, hieß es. Wenn man vorher Alternativen anböte, würde man ihre Notwendigkeit nicht mehr anzweifeln, betonte Friedel Hablitzel.

ANKE KRUSE
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Quelle Freies Wort vom 17.07.2007

 

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