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Mehr als eine Geldfrage

13.07.2007 | Ende Oktober wollen die Gegner der Vattenfall-Stromtrasse durch den Thüringer Wald ein Gutachten zu deren Notwendigkeit in der Hand halten, das - aus ihrer Sicht im Gegensatz zur dena-Netzstudie - neutral ist. Viele Kommunen wollen Geld geben, alle möglichen Anrainer aber längst nicht.

Nicht weniger als 58 000 Euro verlangt der Wiesbadener Professor Lorenz Jarass für die Studie. Doch am Geld soll es nicht scheitern, jetzt, da überhaupt jemand gefunden ist, der die Notwendigkeit der Hochspannungstrasse durch den Thüringer Wald wissenschaftlich hinterfragen will.

Großbreitenbachs Bürgermeisterin Petra Enders sowie ihre Mitstreiter in der Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung" warben deshalb wochenlang in den Rathäusern beidseits der geplanten Trasse um Unterstützung - inzwischen haben etwa 20 Kommunen sowie der Landkreis Coburg zugesagt. Darunter aus dem Ilm-Kreis Altenfeld, Gehren, Großbreitenbach, die Wolfsberggemeinde, die Ilmtalgemeinde und Elleben. Für den Landkreis selbst hat Landrat Benno Kaufhold (CDU) dem Finanzausschuss vorgeschlagen, sich zu beteiligen - entscheiden sollen dessen Mitglieder. "Es geht um eine symbolische Summe von 1000 bis 2000 Euro, es wäre ein politisches Zeichen", so Kaufhold. "Ganz gleich, ob und was diese Studie tatsächlich bringt."

Über den Sinn der Studie ist man sich auch in den Anrainerkommunen längst nicht einig: Der Dornheimer Bürgermeister Burkhard Walther beispielsweise sieht keinen Nutzen der Studie: "Für jedes Gegengutachten wird es wieder ein Gutachten geben, das die Thesen darin widerlegt", meint er. Dass das "Zerpflügen der Natur durch den Trassenbau" einen Eingriff in die Natur und den menschlichen Lebensraum darstelle, könne man doch auch ohne eine Studie vor Gericht darlegen. Aus Dornheim gibt es deshalb kein Geld. Wie auch aus Elxleben und Kirchheim nicht.

In der Wipfratalgemeinde ist der Bürgermeister in Urlaub, deshalb ist hier noch alles offen, informierte Verwaltungsleiter Uwe Greßler. Auch in Ilmenau will man noch diese Woche darüber sprechen, so Bürgermeister Volker Acker (SPD). Langewiesens Stadtrat entschied dagegen - mit einem lauten "Ja" hatte Bürgermeister Horst Brandt (SPD) schon zuvor nicht gerechnet. Wenn er vom Ziel sprach, "sich dranzuhängen" an die Initiative der Trassengegner, klang das doch eher halbherzig. "Ich habe wenig Vertrauen in das Ergebnis. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Trasse nicht notwendig ist, schließlich muss Vattenfall die Trasse auch bezahlen", sagte Brandt.

Anders sieht man das in der Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung": "Nach den bisherigen Gesprächen haben wir ganz große Chancen, die Notwendigkeit widerlegt zu bekommen", informierte Vorstand Klaus Bergmann. Und Jarass habe den Ruf, sich in dem Metier gut auszukennen.

Die Böhlener Gemeinderatsmehrheit lehnte klar eine Mitfinanzierung ab - weil man nicht unmittelbar betroffen ist. Während Möhrenbach und Gillersdorf aus finanziellen Gründen nicht mitmachen, wurde man in Elleben erfinderisch: Auch hier fehlt der Gemeinde das Geld - doch hat die Bürgerinitiative nun Flugblätter an die Einwohner verteilt, in der Hoffnung auf Spenden.

Dass nicht alle Anrainerkommunen mitziehen, enttäuscht nicht nur Bergmann. Vor allem die bisherige Funkstille aus Erfurt - der Ortsteil Hochstedt wäre massiv von der Trasse betroffen - ärgert. Zu kurzfristig, heißt es aus dem Sekretariat des dortigen Oberbürgermeisters, sei die Einladung zur ersten Bürgermeister-Zusammenkunft Ende Juni gewesen. Für Montag nun ist ein weiteres Treffen angesagt, der Auftrag für die Studie soll eine Woche später ausgelöst werden.

Kristin KAISER

Quelle Thüringer Allgemeine vom 13.07.2007

 

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