»Kontakt    »Impressum   

Gegen fadenscheinige Argumente kämpfen

30.06.2007 | Am Donnerstag einigten sich die Bürgermeister der von der 380-kV-Trasse betroffenen Gemeinden, eine alternative Studie in Auftrag zu geben, welche die Notwendigkeit der Trasse prüfen soll. Der Elektrotechniker Wolfgang Trommer ist Mitglied im Kompetenzteam der IG Achtung, Hochspannung!. Christian Friedewald sprach mit dem Diplom-Ingenieur über die Chancen und Risiken der Studie.

Gegen fadenscheinige Argumente kämpfen.

Herr Trommer, was soll mit der Studie konkret untersucht werden?
W. Trommer: Wir wollen erreichen, dass unabhängig von den Studien der Energiekonzerne geprüft wird, ob die geplante Leitung mit vier Stromkreisen wirklich notwendig ist. Wir bezweifeln, dass man sie braucht, um tatsächlich die Windenergie von Nord- nach Süddeutschland zu transportieren. Nach dem EEG-Gesetz muss der durch Windkraft erzeugte Strom sofort von den Netzbetreibern abgenommen werden. Zur Hälfte muss er dann an andere Konzerne weitergeleitet werden, um eine Verteilung auf alle Bürger zu erreichen.
Bisher wird dies über die Leitung von Remptendorf abgewickelt, die dafür ausreicht. Nun wird oft damit argumentiert, dass die Leitungen nicht mehr reichen, wenn so genannte Offshore-Parks an der Küste in Betrieb gehen. Das ist aber frühestens in zehn bis 15 Jahren der Fall. Diese ganzen Probleme kommen also vorläufig nicht. Vattenfall und Eon verfügen bereits über die größten Windkraftanlagen und sind die größten Lieferer. Teilweise nimmt Eon gar keinen Strom von Vattenfall ab. Wozu dann also diese Leitung? Das soll Professor Lorenz Jarass aus Wiesbaden für uns herausfinden. Er soll die bisherige Auslastung des Netzes prüfen, aber auch zum Beispiel die Nachfragestruktur untersuchen.

Sie sprachen die bereits bestehende Trasse von Vieselbach über Remptendorf nach Redwitz an. Könnte diese ausgebaut werden?
W. Trommer: Ja, diese Trasse besteht. Und scheinbar reicht die auch bisher. Diese Trasse ist in der DENA-Studie nicht mit untersucht worden. Bisher ist die Leitung mit zwei Stromkreisen realisiert. Eine Aufrüstung auf vier Stromkreise wäre aber jederzeit möglich. Eon hat sich bereit erklärt, die Trasse auf der bayerischen Seite von zwei auf vier Stromkreise aufzurüsten. Zwar müssten dazu Masten getauscht werden, aber dazu wäre Eon bereit. Damit hätten wir genau das, was gebraucht wird. Dass auch diese Variante denkbar wäre, hat auch ein Vertreter von Vattenfall bei der Anhörung im Landtag bestätigt. Es waren ja insgesamt sechs Trassenvarianten im Rahmen der Planung im Gespräch, die im Auftrag von Vattenfall geprüft werden sollten. Aber am Ende wurde es immer wieder fadenscheinig so dargestellt, dass man immer wieder auf die Lösung über Altenfeld kam. Auch der Naturschutz bescheinigt – warum auch immer, das wissen wir nicht – diese Variante.

Inwiefern glauben Sie, dass es möglich ist, die DENA-Studie anzugreifen?
W. Trommer: Es ist ohne weiteres möglich, die DENA-Studie anzugreifen. Wir können natürlich sagen, dass wir die Ergebnisse nicht glauben – nun geht es aber darum, das ganze wissenschaftlich nachzuweisen. Die DENA-Studie geht von sehr vielen Annahmen aus. Das ist zwar zunächst sinnvoll für die Verteilung der Windenergie, aber viele Einflüsse, wie zum Beispiel konventionelle Kraftwerke, werden außen vor gelassen. Kritische Punkte werden beispielsweise aufgezeigt, aber stehen gelassen und nicht weiter verfolgt. Die Studie zielt darauf ab, die Notwendigkeit des geplanten Leitungsnetzes nachzuweisen. Es soll jedem klar gemacht werden, dass die Windenergie kommt und wir etwas tun müssen. Das ist faktisch richtig, aber der Stromhandel, der in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, wird in der DENA-Studie völlig außen vor gelassen.

Aber war nicht auch im Gespräch, eine Untertunnelung oder Erdverkabelung mit zu analysieren?
W. Trommer: Professor Jarass hat das nicht mit angeboten. Die Diskussion kam darauf, weil einige Gemeinden gern eine Verkabelung hätten. Aber auch das hätte erhebliche Folgen für die Landschaft, denn es müsste ebenfalls eine Schneise geschlagen werden. Auch eine Untertunnelung war kurz im Gespräch – diese könnte aber immer nur auf kurzen Abschnitten durchgeführt werden. Wenn wir diese Betrachtung jedoch mit in Auftrag geben würden, hieße das, dass wir damit die Notwendigkeit der Trasse anerkennen würden. Und das ist der falsche Weg. Aber die Gemeinden haben sich dabei selbst am Schopf gepackt. Das Thema steht nun nicht länger zur Diskussion.

Wie schwierig war es, einen Wissenschaftler zu finden, der sich an das Problem herantraut?
W. Trommer: Professor Jarass ist ein echter Glücksgriff, weil er den Mut hat, das zu untersuchen. Und man muss da wirklich von Mut sprechen. An allen Universitäten wird mit Drittmitteln geforscht. Unternehmen geben also Studien in Auftrag. So viele Hochschulen, die sich mit Energieanlagen befassen, gibt es nicht. Auch Vattenfall beauftragt natürlich Untersuchungen, zum Beispiel an der TU Dresden und auch in Ilmenau. Sie werden also keinen finden, der dazu etwas sagt. Auch unter meinen Kommilitonen habe ich keinen gefunden, der eine Aussage machen wollte.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Gegenstudie ein?
W. Trommer: Ich denke, es wird ein gutes Ergebnis werden. Die Studie ist ja zunächst wertfrei – wir müssen dann damit argumentieren. Je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigen, um so mehr glauben wir, dass das eigentliche Thema für den Trassenbau der Stromhandel ist. Das wollen wir jetzt endlich nachweisen und hoffen, dass die Studie diese eigentlichen Ziele von Vattenfall belegt. Außerdem ist es wichtig, die Zeitschiene zu betrachten. Momentan sind die Leitungen nicht notwendig.

Quelle Freies Wort vom 30.06.2007

 

Copyright © 2007 - 2013
Achtung-Hochspannung.de
Alle Rechte vorbehalten

©design by nineteen62