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Wandel und Handel bei den Trassengründen

02.06.2007 |  Vattenfalls Begründung der 380-kV-Leitung durch den Thüringer Wald scheint einigen Experten nur die halbe Wahrheit zu sein. Nur drückt sich der eine diplomatischer aus als der andere, zeigte sich jüngst bei der Anhörung im Landtag.

ERFURT/ILMKREIS. Da ist es wieder, das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Und jene Passage, die vorschreibt, dass Ökostrom bundesweit verteilt werden muss - ganz gleich, wo er erzeugt wird. Wolfgang Neldner, technischer Geschäftsführer bei Vattenfall Europe Transmission, verweist auf die Windenergie und die Biomasse vor allem in Sachsen-Anhalt und Brandenburg, die den Leitungsneubau zu einem "betriebsbedingten Handlungszwang" werden ließe. Ebenso erfordere dies der geplante Atomausstieg: Wird etwa im bayerischen Grafenrheinfeld das Kraftwerk abgeschaltet, sei von andernorts Strom herzubringen, argumentiert Neldner. "Wir sind viel zu spät, wir werden beschleunigen", kündigte er an.Im Jahr 2010 soll nach Konzernplänen Strom durch die Freileitung im Thüringer Wald fließen. Ein Wunsch, den auch die EU-Kommission hegt. Wolfgang Kerner von der Generaldirektion Energie & Verkehr nannte die Südwestkuppelleitung von Halle nach Schweinfurt eines von EU-weit 32 Bauvorhaben höchster Priorität. "Die Beschleunigung des Genehmigungsverfahrens hat Vorrang. Wir befürchten, dass immer neue Optionen das Projekt verzögern und halten uns deshalb mit einer Empfehlung zurück", sagte Kerner mit Blick auf die Diskussion um eine Erdverkabelung.Ziel der EU sei ein "interregionaler Handel", der die Möglichkeit eines Machtmissbrauchs der Energiekonzerne schmälere. Wettbewerb also soll für niedrigere Preise sorgen. Die Leitung werde nicht nur für die "Einbindung der Windkraft", sondern auch zur "Schließung der Lücke zwischen westlichem und östlichem EU-Netz" gebraucht.Frank-Peter Hansen von der Bundesnetzagentur schließlich wird noch deutlicher: "Strom aus Polen und Tschechien macht einen wesentlichen Teil der deutschen Importe aus. Das erklärt sich aus dem Preisgefälle in Europa zwischen Ost und West beziehungsweise Nord und Süd", sagte Hansen. Seinen Worten zufolge wird der Stromhandel über Landesgrenzen hinweg "deutlich ansteigen".Was den Stromtransport innerhalb Deutschlands angeht, werde die Trasse nicht nur für den Abtransport von erneuerbaren Energien gebraucht, sondern auch für den von Energie aus neu geplanten Gas- und Kohlekraftwerken, die wegen der Verfügbarkeit von Kohle und Kühlwasser tendenziell im Norden entstünden, so Hansen. Dem wird inzwischen von keiner Seite mehr widersprochen. Ralf Bischoff vom Bundesverband Windenergie verbat sich eine einseitig auf der Windenergie fußende Argumentation: "Ja, durch die Leitung soll Windstrom fließen, ebenso anderer Ökostrom. Aber es wird auch Handelsstrom durchfließen", sagte er.Bleiben jene, die bezweifeln, dass die Leitung überhaupt nötig ist: Großbreitenbachs Bürgermeisterin Petra Enders (Linkspartei) als Verfechterin regionaler Energieerzeugung gehört dazu wie auch Siegfried Kriese, Vorstand der Interessengemeinschaft "Achtung Hochspannung": "Der bundesweite Ausgleich im Erneuerbare-Energien-Gesetz gehört abgeschafft, das ist derselbe Irrsinn wie Biomilch aus dem Süden durch ganz Deutschland zu fahren", meinte er. Übrigens war auch aus dem Bundesumweltministerium ein Vertreter zur Anhörung geladen - doch gekommen war niemand.

Quelle Thüringer Allgemeine vom 02.06.2007 Kristin KAISER

 

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